Wahlergebnis, Venezuela

Wie vertrauenswĂŒrdig ist das Wahlergebnis in Venezuela?

29.07.2024 - 17:44:54

Regierung und Opposition erklĂ€ren sich in Venezuela gleichermaßen zum Sieger. Wie vertrauenswĂŒrdig ist die Wahlbehörde - und welche GrĂŒnde fĂŒr eine Manipulation fĂŒhrt die Opposition an?

  • PrĂ€sident Maduro feiert seinen offiziell verkĂŒndeten Sieg. - Foto: Fernando Vergara/AP/dpa

    Fernando Vergara/AP/dpa

  • Die Opposition reklamiert ihrerseits den Sieg fĂŒr sich. - Foto: Matias Delacroix/AP/dpa

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PrĂ€sident Maduro feiert seinen offiziell verkĂŒndeten Sieg. - Foto: Fernando Vergara/AP/dpaDie Opposition reklamiert ihrerseits den Sieg fĂŒr sich. - Foto: Matias Delacroix/AP/dpa

Das offizielle Ergebnis der PrĂ€sidentenwahl in Venezuela hat international Zweifel ausgelöst. FĂŒhrende Politiker in den USA und in lateinamerikanischen LĂ€ndern sprachen Bedenken aus, wohingegen die Staatschefs von Kuba, Nicaragua, China oder Russland dem autoritĂ€ren PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro gratulierten.

Sowohl Maduro als auch die Opposition sehen sich als Gewinner der PrĂ€sidentenwahl. Der Nationale Wahlrat (CNE) des sĂŒdamerikanischen Krisenlandes erklĂ€rte Maduro mit 51,2 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger. Die Opposition erkannte das offizielle Ergebnis nicht an und erhoben fĂŒr ihren Kandidaten - den Ex-Diplomaten Edmundo GonzĂĄlez Urrutia - Anspruch auf das PrĂ€sidentenamt. 

OppositionsfĂŒhrerin MarĂ­a Corina Machado sagte, GonzĂĄlez sei auf 70 Prozent und Maduro nur auf 30 Prozent der Stimmen gekommen. Sie berief sich dabei sowohl auf Nachwahlbefragungen und vier unabhĂ€ngige Hochrechnungen als auch auf die tatsĂ€chlichen AuszĂ€hlungsergebnisse. 

Warum ist die Wiederwahl fĂŒr Maduro so wichtig?

Jedes andere Ergebnis hĂ€tte massive Folgen fĂŒr Maduro. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ermittelt gegen seine Regierung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die USA haben 2020 Anklage gegen den PrĂ€sidenten und mehrere seiner Vertrauten erhoben und werfen ihnen Drogenhandel und GeldwĂ€sche vor.

Wie vertrauenswĂŒrdig ist die Wahlkommission?

Beobachter gingen schon vor der Abstimmung nicht davon aus, dass die Wahl frei und fair ablaufen wĂŒrde. Die Wahlbehörde, die 2023 von der Nationalversammlung neu ernannt wurde, besteht aus fĂŒnf Mitgliedern, von denen drei mit dem Chavismus und zwei mit der Opposition verbunden sind. Die von dem verstorbenen PrĂ€sidenten Hugo ChĂĄvez gegrĂŒndete und heute von Maduro fortgefĂŒhrte politische Bewegung regiert das Land bereits seit 25 Jahren.

Welche Argumente fĂŒhrt die Opposition auf, dass es nicht fair zuging?

Maduro selbst bezeichnete das Wahlsystem in Venezuela gerne als das «zuverlÀssigste, transparenteste und sicherste Wahlsystem der Welt». Auch die Opposition glaubt an das System, ihr Misstrauen gilt allerdings denjenigen, die das System bedienen, und dem, was vor und nach der Wahl geschieht. 

Die Stimmabgabe in Venezuela erfolgt ĂŒber elektronische Wahlmaschinen. Nachdem der WĂ€hler seine Stimme bestĂ€tigt hat, druckt die Maschine eine Papierquittung aus, die dann in eine andere Wahlurne geworfen wird. Nach Schließung der Wahllokale vergleichen die Inspektoren die elektronisch ausgezĂ€hlten Stimmen mit den hinterlegten Papierbelegen. Dies wird in mindestens 50 Prozent der Wahllokale ĂŒberprĂŒft. 

«Bislang wurde keine einzige Ergebnisliste gefunden, die von dem abweicht, was der CNE veröffentlicht hat», sagt der Wahlsystem-Experte Eugenio MartĂ­nez laut BBC. Entscheidend sei aber der Zugang zu diesen Listen: Da klagt die Opposition, dass sie diesen nur bei 40 Prozent der Ergebnislisten hatte. «Hier wurde gegen alle Regeln verstoßen», sagte PrĂ€sidentschaftskandidat GonzĂĄlez. 

Welche Parallelen und Unterschiede gibt es zur letzten Wahl?

Maduros Wahl im Jahr 2018 war von den meisten westlichen LÀndern nicht anerkannt worden. Die Opposition hatte wegen fehlenden Vertrauens in die Wahlbedingungen nicht teilgenommen. Der zur Opposition zÀhlende damalige ParlamentsprÀsident Juan Guaidó erklÀrte sich 2019 zum InterimsprÀsidenten, konnte sich aber im Land nicht durchsetzen - vor allem, weil das MilitÀr hinter Maduro stand. 

Anders als damals ist es der Opposition dieses Jahr allerdings gelungen, sich hinter einem einzigen Kandidaten zu versammeln, nachdem jahrelange innerparteiliche Spaltungen und Wahlboykotte ihre Ambitionen, die Regierungspartei zu stĂŒrzen, torpediert hatten.

Wie geht es weiter?

Das ist zunĂ€chst schwierig zu beantworten. «Unser Kampf geht weiter, und wir werden nicht ruhen, bis der Wille des venezolanischen Volkes respektiert wird», sagte GonzĂĄlez nach Bekanntgabe des Ergebnisses. «In den nĂ€chsten Tagen werden wir unsere Maßnahmen ankĂŒndigen, um die Wahrheit zu verteidigen, denn wir haben gesagt, wir gehen bis zum Ende», sagte OppositionsfĂŒhrerin Machado.

Die jahrelange politische Krise in dem erdölreichen sĂŒdamerikanischen Land dĂŒrfte sich damit noch einmal verschĂ€rfen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Mehr als sieben Millionen Menschen haben Venezuela nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren wegen Armut und Gewalt verlassen. In einer weiteren, sechsjĂ€hrigen Amtszeit von Maduro könnten es noch mehr werden.

 

@ dpa.de