«Amerika ist zurĂŒck» - Trump unversöhnlich vor dem Kongress
05.03.2025 - 09:21:10US-PrÀsident Donald Trump hat gut sechs Wochen nach seinem Amtsantritt in einer Rede vor dem US-Kongress unversöhnliche Töne angeschlagen und das Land auf seinen konfrontativen Kurs eingeschworen. «Wir haben gerade erst begonnen», prophezeite der Republikaner in der lÀngsten PrÀsidenten-Rede vor dem Parlament in der modernen US-Geschichte. Trumps Rede war gespickt von Angriffen auf seinen VorgÀnger im Amt, Joe Biden, und die Demokraten. Diese reckten Schilder in die Höhe, um gegen Trumps Politik zu protestieren.
Trump: «Amerika ist zurĂŒck»
Trumps rund 100 Minuten lange Rede erinnerte an einen Wahlkampfauftritt. HĂ€ufig nutzen US-PrĂ€sidenten die erste Rede nach Amtsantritt vor dem Kongress, um den politischen Gegnern die Hand zu reichen. Nicht so Trump. Anders als sonst so hĂ€ufig bei Auftritten des Republikaners schien sich der 78-JĂ€hrige ans Skript zu halten und die vorbereitete Rede weitgehend vom Teleprompter abzulesen. Wichtige internationale Themen wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine oder der Zollstreit mit den NachbarlĂ€ndern Kanada und Mexiko kamen nur am Rande vor.Â
«Amerika ist zurĂŒck», sagte Trump zu Beginn seiner Rede. Seine Republikaner riefen «USA, USA» und applaudierten enthusiastisch. Der demokratische Abgeordnete Al Green wurde in einem ungewöhnlichen Schritt nur wenige Minuten, nachdem Trump zu reden begonnen hatte, wegen Zwischenrufen aus dem Saal gefĂŒhrt. Trump pries seine eigene Arbeit in den ersten Wochen im Amt als beispiellos erfolgreich und sparte auch sonst nicht an Superlativen. «Unser Land steht vor einem Comeback, wie es die Welt noch nie gesehen hat und vielleicht auch nie wieder sehen wird», sagte er.
Er prahlte damit, dass es «viele» gebe, die den ersten Monat seiner PrĂ€sidentschaft als den erfolgreichsten in der Geschichte des Landes bezeichneten. Erst auf Platz zwei folge George Washington, der erste PrĂ€sident der USA. «Wie ist das?», fragte er stolz seine AnhĂ€nger. Der Republikaner nahm es auch wie gewohnt mit der Wahrheit nicht immer ganz genau.Â
Lieblingsgegner bleibt Joe Biden
Gegen seinen VorgĂ€nger Biden teilte er an mehreren Stellen seiner Rede heftig aus. Der Demokrat sei der «schlechteste PrĂ€sident in der amerikanischen Geschichte» gewesen, monierte Trump. Biden habe eine «verrĂŒckte und sehr gefĂ€hrliche» Migrationspolitik betrieben. Er beklagte auch, Biden sei es anzulasten, dass die Preise fĂŒr Eier in den USA inzwischen «auĂer Kontrolle» seien. In den USA sind Eier derzeit knapp - und deshalb deutlich teurer als ĂŒblich. Hintergrund ist der jĂŒngste Ausbruch der Vogelgrippe.
Trump nutzte den Auftritt, um - wie ĂŒblich - gegen Migranten und Minderheiten wie Transmenschen zu Ă€tzen. Er lobte Tech-MilliardĂ€r Elon Musk fĂŒr dessen Leitung des Kostensenkungs-Gremiums Doge. Der schwerreiche Unternehmer treibt den Umbau des Staatsapparats samt Massenentlassungen voran. Wie viele PrĂ€sidenten vor Trump konzentrierte sich der Republikaner in der traditionellen Ansprache vornehmlich auf die Innenpolitik. «Das goldene Zeitalter Amerikas hat gerade erst begonnen. Es wird mit nichts zu vergleichen sein, was es je zuvor gegeben hat», sagte er.
AuĂenpolitik eher eine Randnotiz
Zwar bestimmte auch in den USA in den vergangenen Tagen der Eklat im WeiĂen Haus beim Besuch des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj die Schlagzeilen. Trump sparte das Thema jedoch weitgehend aus. Er begrĂŒĂte Selenskyjs AnnĂ€herungsversuch. Er habe einen Brief von dem ukrainischen PrĂ€sidenten erhalten, in dem dieser erklĂ€rt habe, die Ukraine sei zu Friedensverhandlungen bereit. «Ich weiĂ das zu schĂ€tzen», sagte Trump. Eine Botschaft in Richtung Europa hatte der US-PrĂ€sident nicht.
Gleichzeitig verteidigte er seine Zollpolitik, die Ăkonomen zufolge die Verbraucherpreise in den USA in die Höhe treiben dĂŒrfte, und die AktienmĂ€rkte bereits hat einbrechen lassen. «Bei Zöllen geht es darum, Amerika wieder reich zu machen und Amerika wieder groĂartig zu machen», sagte der Republikaner. «Und das geschieht, und es wird ziemlich schnell gehen. Es wird ein wenig Unruhe geben, aber das ist fĂŒr uns in Ordnung.» Anfang der Woche waren weitreichende Zölle fĂŒr Waren aus den NachbarlĂ€ndern Kanada und Mexiko in Kraft getreten. Trump sendete nun keine versöhnlichen Signale an die Nachbarn, obwohl sein Handelsminister zuvor eine Einigung angedeutet hatte.
Trump nimmt erneut Grönland ins Visier
Trump wiederholte auĂerdem seine Drohung, sich Grönland einzuverleiben und setzte neuerlich verbal auf expansive AuĂenpolitik. «Ich denke, wir werden es so oder so bekommen, wir werden es bekommen», sagte der Republikaner mit Blick auf die gröĂte Insel der Welt. Als Grund gab er die nationale und internationale Sicherheit an. Die grönlĂ€ndische Regierung betonte immer wieder, auf eine mögliche UnabhĂ€ngigkeit vom Königreich DĂ€nemark hinzuarbeiten, nicht aber Teil der USA werden zu wollen. Ăhnlich Ă€uĂerte Trump sich mit Blick auf den Panamakanal.
Trump produzierte in seiner Rede wenig bedeutsame Neuigkeiten. Er sagte aber, dass die USA den Drahtzieher des verheerenden Anschlags am Flughafen von Kabul beim Abzug amerikanischer Truppen im August 2021 gefasst hÀtten. Der Mann sei auf dem Weg in die USA, sagte der PrÀsident. Bei dem Sprengstoffanschlag waren damals 170 afghanische Zivilisten und 13 US-Soldaten getötet worden.
First Lady Melania auch im Kongress
Trump war am 20. Januar als 47. PrĂ€sident der Vereinigten Staaten vereidigt worden. Seitdem brach er mit zahllosen politischen Konventionen und hielt Amerika und die Welt mit etlichen höchst umstrittenen Entscheidungen in Atem. Die demokratische Senatorin Elissa Slotkin aus Michigan hielt fĂŒr die Demokraten die offizielle Gegenrede nach Trumps Ansprache. Sie warf Trump vor, sich bei Diktatoren wie Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin einschmeicheln zu wollen und die Freunde der USA wie die Kanadier vor den Kopf zu stoĂen.
Trump wurde zu der Rede von seiner Ehefrau Melania begleitet. Sie tritt seit seinem Wiedereinzug ins WeiĂe Haus nur vereinzelt an Trumps Seite auf. Die 54 Jahre alte First Lady hatte traditionell zahlreiche GĂ€ste eingeladen. Darunter war Marc Fogel, der in Russland wegen Drogenschmuggels zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden war. Er war Mitte Februar von einem Gesandten Trumps aus Moskau ausgeflogen worden. Ebenfalls anwesend war die Familie des Feuerwehrmanns Corey Comperatore, der bei dem gescheiterten Anschlag auf Trump in Butler, Pennsylvania, im Juli 2024 getötet worden war.









