Trotz Angriffen: Ukrainer und Russen verhandeln in Abu Dhabi
04.02.2026 - 04:55:04Trotz schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine sollen UnterhĂ€ndler aus Kiew und Moskau heute wieder in Abu Dhabi Möglichkeiten fĂŒr ein Kriegsende ausloten. Beide Seiten wie auch die USA als Vermittler haben ein zweites Treffen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate bestĂ€tigt. Vorab warf die ukrainische Regierung der russischen Seite vor, gegen eine von den USA vermittelte Teilwaffenruhe verstoĂen und damit einen neuen Verhandlungsansatz nötig gemacht zu haben. US-PrĂ€sident Donald Trump mag hingegen keinen Wortbruch des Kremls erkennen - im Gegenteil.
Eine erste trilaterale GesprÀchsrunde hatte Mitte Januar stattgefunden. Ein Termin am vergangenen Sonntag wurde dann verschoben. Nun ist die russische Delegation bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingetroffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warf Kremlchef Wladimir Putin wegen der Luftangriffe vor, weiter auf Krieg und die Zerstörung der Ukraine zu setzen, nicht auf Diplomatie. «Die Arbeit unseres Verhandlungsteams wird entsprechend angepasst», kĂŒndigte er an, ohne Details zu nennen.Â
In der Nacht auf Dienstag, einer der kĂ€ltesten des Winters, gab es eine weitere Welle schwerer Luftangriffe auf Kiew, Charkiw und andere ukrainische StĂ€dte. Erneut saĂen Millionen Menschen bei strengem Frost ohne Strom und Heizung da. Die Reparaturarbeiten an dem seit Monaten beschĂ€digten Netz wurden zurĂŒckgeworfen.
Selenskyj verlangt Reaktion aus WashingtonÂ
Selenskyj warf Moskau vor, damit gegen die von Trump erwirkte Teilwaffenruhe verstoĂen zu haben. «Es war ein Vorschlag der USA: wĂ€hrend der diplomatischen Verhandlungen und bei solch kaltem Winterwetter die Angriffe auf die Energieversorgung einzustellen. Es war eine persönliche Bitte des PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten», sagte Selenskyj abends in seiner Videobotschaft. Russland habe auf diese Bitte mit einer Rekordzahl eingesetzter Raketen reagiert.Â
Der ukrainische PrĂ€sident verlangte eine Reaktion aus Washington. Absagen will die Ukraine die GesprĂ€che nicht, weil sie fĂŒr kĂŒnftige Sicherheitsgarantien auf Trumps Wohlwollen angewiesen ist. Moskau wiederum stellte die Angriffe als Reaktion auf ukrainische Attacken auf zivile Ziele in Russland dar.
Trump: Putin hat sein Wort gehalten
Trump machte am Dienstag (Ortszeit) vor laufenden Kameras klar, dass er in den russischen Luftangriffen keinen VerstoĂ gegen seine Absprache mit Putin sieht. Der Kremlchef habe sein Wort gehalten und eine Woche lang auf Angriffe verzichtet, sagte Trump. Am 29. Januar hatte der US-PrĂ€sident verkĂŒndet, Putin habe seiner Bitte um eine begrenzte Waffenruhe von einer Woche zugestimmt - ohne dabei auszufĂŒhren, ab wann dieser Verzicht gelten solle.Â
Delegationen aus Kiew, Moskau und Washington
AngefĂŒhrt wird die ukrainische Delegation in Abu Dhabi erneut vom SekretĂ€r des Sicherheitsrates, Rustem Umjerow. Auch die russische Delegation bleibt nach Angaben aus dem Kreml unverĂ€ndert. FĂŒr Moskau nahmen im Januar der Leiter des MilitĂ€rgeheimdienstes, Igor Kostjukow, und andere GenerĂ€le teil.Â
Die weitgehend vor der Ăffentlichkeit abgeschirmten GesprĂ€che sollen bis Donnerstag dauern. Dabei wird kein Durchbruch erwartet. Zwischen den MilitĂ€rvertretern beider Kriegsparteien könnte es aber unter anderem um einen weiteren Austausch von Gefangenen gehen.
Das WeiĂe Haus bestĂ€tigte, dass der US-Sondergesandte Steve Witkoff sowie Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an dem Treffen teilnehmen werden. Trump versuche, «das Unmögliche möglich zu machen» und den Krieg zu beenden, sagte seine Sprecherin Karoline Leavitt.
Tote in Saporischschja, Stromausfall in Belgorod
Am Abend vor den Verhandlungen tötete ein weiterer russischer Drohnenangriff auf die sĂŒdukrainische Stadt Saporischschja nach örtlichen Angaben mindestens zwei Zivilisten. Gebietsgouverneur Iwan Fedorow sprach von einem 18-jĂ€hrigen Mann und einer gleichaltrigen Frau. AuĂerdem seien acht Menschen verletzt worden.Â
Auf russischer Seite verursachte ukrainischer Raketenbeschuss laut Medienberichten einen Stromausfall in der grenznahen GroĂstadt Belgorod. Demnach wurden zwei Umspannwerke getroffen. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow sprach auf Telegram von SchĂ€den an der Infrastruktur. Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion und beschieĂt dabei auch Ziele im Land des Angreifers.
Rotes Kreuz warnt vor lebensbedrohlicher Lage in Kiew
In der Drei-Millionen-Stadt Kiew hat der neuerliche russische Angriff die Lage fĂŒr die Bevölkerung noch einmal verschĂ€rft. Das Deutsche Rote Kreuz sieht dort zunehmend lebensbedrohliche ZustĂ€nde. «Bei zweistelligen Minusgraden mĂŒssen viele Menschen seit Tagen ohne Heizung und Strom ums Ăberleben kĂ€mpfen», sagte der Leiter der internationalen Zusammenarbeit des DRK, Christof Johnen, der «Augsburger Allgemeinen».Â
«Die KĂ€lte kann besonders fĂŒr besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen wie kranke, Ă€ltere oder obdachlose Menschen sogar lebensgefĂ€hrlich werden», warnte Johnen. Die Gefahr verschiedener Krankheiten wachse durch die Ăberlastung des Immunsystems. Das DRK verstĂ€rke seine Hilfslieferungen.
Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte besuchte Kiew und bekam von MinisterprĂ€sident Denys Schmyhal eine Folge des jĂŒngsten Angriffs gezeigt - ein zerstörtes Heizkraftwerk, das sonst etwa 1.100 Wohnblocks versorgt. «Kein militĂ€risches Ziel - die Angriffe sollen nur die Menschen leiden lassen», schrieb Rutte im Netzwerk X.
Macron: Europa knĂŒpft GesprĂ€chsfaden nach Moskau
Neben dem GesprĂ€chsstrang zwischen den USA und Russland bereitet auch Europa nach Angaben von Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron eine Wiederaufnahme direkter GesprĂ€che mit Moskau vor. Der französische Staatschef betonte zwar, dass die jĂŒngsten russischen Angriffe auf die Ukraine keine wahre Bereitschaft erkennen lieĂen, ĂŒber Frieden zu verhandeln. Doch man bereite den Dialog fĂŒr den Tag danach vor. «In diesem Rahmen ist es tatsĂ€chlich wichtig, dass die EuropĂ€er ihre eigenen GesprĂ€chskanĂ€le wiederherstellen», sagte Macron. «Das wird aus technischer Sicht vorbereitet.»





