Pistorius, GesprÀchen

Pistorius zu GesprĂ€chen ĂŒber weitere MilitĂ€rhilfe in Kiew

12.06.2025 - 06:44:56

Russland hat seine Luftangriffe auf StÀdte und militÀrische Ziele in der Ukraine drastisch verstÀrkt. Die verheerenden Folgen sind klar zu sehen. In Kiew hofft man auf mehr Luftverteidigung.

Verteidigungsminister Boris Pistorius will die MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine weiter ausbauen. Bei der Ankunft zu GesprĂ€chen mit der Regierung in Kiew verurteilte der SPD-Politiker die verstĂ€rkten russischen Luftangriffe auf das Land, die «außerordentlich heftig und bedrohlich mit der großen Zahl von Marschflugkörpern und Drohnenangriffen» seien. 

«Das setzt ein klares Zeichen aus Moskau: Es gibt kein Interesse an einer friedlichen Lösung derzeit, sondern es werden mit unverminderter HÀrte und vor allen Dingen auch wieder zunehmend zivile Bereiche in der Ukraine angegriffen», sagte Pistorius auf dem Bahnhof in Kiew.

Seine Reise zeige, dass auch die neue Bundesregierung weiter an der Seite der Ukraine stehe. Pistorius sagte: «NatĂŒrlich wird es darum gehen, wie die UnterstĂŒtzung Deutschlands und auch der anderen EuropĂ€er in Zukunft aussehen wird. Was wir tun können, beispielsweise im Bereich der Industriekooperation, aber auch der sonstigen UnterstĂŒtzung.»

Die grĂ¶ĂŸten Drohnenangriffe seit Kriegsbeginn

Ungeachtet internationaler FriedensbemĂŒhungen ĂŒberzieht Russland die Ukraine seit einiger Zeit mit nochmals verstĂ€rkten Drohnen- und Raketenangriffen. Zu Wochenbeginn war gar der seit Kriegsbeginn umfangreichste russische Drohnenangriff gemeldet worden: Laut ukrainischen Angaben wurden 479 Kampfdrohnen des Typs Shahed und deren Attrappen eingesetzt - sowie 4 Hyperschallraketen des Typs Kinschal, 14 verschiedene Marschflugkörper und 2 Luft-Boden-Raketen des Typs Ch-31.

Nach Darstellung des ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj sind die verstÀrkten Attacken keine Reaktion auf den Coup zu Monatsbeginn, als den Ukrainern ein aufsehenerregender Schlag gegen die strategische Bomberflotte Russlands gelang. Der Trend sei stetig und zeuge vielmehr davon, dass Russland nicht an Frieden interessiert sei.

Deutschland und Großbritannien organisieren mehr MilitĂ€rhilfe 

Da die USA unter PrĂ€sident Donald Trump auf Distanz zur Ukraine gegangen sind und weitere UnterstĂŒtzung nicht sicher ist, haben Pistorius und sein britischer Amtskollege John Healey eine FĂŒhrungsrolle bei der MilitĂ€rhilfe ĂŒbernommen.

Pistorius hat dazu bei einem Treffen in BrĂŒssel einen neuen Anlauf fĂŒr die internationale VerstĂ€rkung und Aufrechterhaltung der ukrainischen Flugabwehr genommen. Ein weiterer Schwerpunkt ist der sogenannte elektromagnetische Kampf. Dabei geht es um die Sicherstellung der ukrainischen Kommunikation, die AufklĂ€rung und Störung der russischen Kommunikation sowie die Drohnenabwehr.

General: Russlands Bedingungen kommen Diktatfrieden gleich

Bei Selenskyjs jĂŒngstem Besuch in Berlin und seinem Treffen mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) wurde darĂŒber gesprochen, wofĂŒr fĂŒnf Milliarden Euro Hilfe aus Deutschland genutzt werden können. Deutschland sei weiter der grĂ¶ĂŸte UnterstĂŒtzer des Landes in Europa, sagte der militĂ€rische Chefkoordinator der deutschen Ukraine-Hilfe, Christian Freuding, im Bundeswehr-Format «Nachgefragt».

Der Generalmajor, der Leiter des Planungs- und FĂŒhrungsstabes im Verteidigungsministerium ist, nannte auch Schwerpunkte der weiteren deutschen Hilfe: Luftverteidigung, DurchhaltefĂ€higkeit bei Munition und Instandsetzung, auch KommunikationsfĂ€higkeiten wie Satelliten-Internet. Dazu kommt die direkte Finanzierung der ukrainischen Waffenproduktion, von der spĂ€ter auch Nato-Staaten profitieren sollen.

UnterstĂŒtzer der Ukraine machen deutlich, dass sie das Land in der schweren Lage weiter voll zu unterstĂŒtzen gedenken. Bei den letzten direkten GesprĂ€chen habe Russland Bedingungen fĂŒr einen Waffenstillstand genannt, die einem Diktatfrieden gleichkommen, sagte Freuding. So sei gefordert worden, dass sich die Ukraine aus ihren eigenen und von Russland völkerrechtswidrig annektierten Gebieten zurĂŒckziehe. Dann wĂ€ren auch die ganzen Verteidigungsstellungen in russische HĂ€nde gekommen. 

Russland habe zudem verlangt, dass die Ukraine sich einem NeutralitĂ€tsgebot unterwerfe, also auf die freie Wahl eines BĂŒndnisses und einen Beitritt zur Nato verzichte. Russland wolle den Ukrainern außerdem eine BeschrĂ€nkung bei der RĂŒstung und der StĂ€rke der StreitkrĂ€fte aufzwingen, «die sie de facto verteidigungsunfĂ€hig ließe», sagt Freuding. So verstĂ€ndlich der Wunsch nach Frieden auch sein möge, seien «diese Bedingungen nicht akzeptabel».

@ dpa.de