Polen, Russland

Russische Drohnen machen Polen und RumÀnen nervös

14.09.2025 - 04:08:49

Russlands Luftraumverletzungen stellen die Abwehrstrategie der OsteuropÀer auf die Probe. Dort geht man von gezielten Provokationen aus. Die US-Regierung spricht von einem «gefÀhrlichen» Vorfall.

  • Polens Regierungschef Tusk glaubt nicht an Versehen der Russen - und lĂ€sst erneut Kampfjets aufsteigen. (Archivbild) - Foto: Marian Zubrzycki/PAP/dpa

    Marian Zubrzycki/PAP/dpa

  • TrĂŒmmer werden vom zerstörten Dach eines Hauses gerĂ€umt. (Archivbild) - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

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Polens Regierungschef Tusk glaubt nicht an Versehen der Russen - und lĂ€sst erneut Kampfjets aufsteigen. (Archivbild) - Foto: Marian Zubrzycki/PAP/dpaTrĂŒmmer werden vom zerstörten Dach eines Hauses gerĂ€umt. (Archivbild) - Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

Nach dem Abschuss russischer Drohnen in Polen ist es dort und in RumĂ€nien am Samstag zu weiteren VorfĂ€llen gekommen. Russland steht im Verdacht, die im Ukraine-Krieg in den Grenzregionen eingesetzten Drohnen gezielt auf Nato-Gebiet oder in dessen NĂ€he gelenkt zu haben. Wie das FĂŒhrungskommando der polnischen Armee mitteilte, stiegen wegen der angenommenen Gefahr eines russischen Drohnenangriffs auf Regionen in Nachbarschaft der Ukraine am Nachmittag Kampfjets in die Luft. Die bodengestĂŒtzten Luftabwehrsysteme wurden in höchste Bereitschaft versetzt. 

In der ostrumĂ€nischen Region Tulcea am Donaudelta nahe der ukrainischen Grenze sichtete RumĂ€niens Armee ebenfalls am Samstag eine Drohne. Zwei F-16-Kampfjets stiegen von der Luftwaffenbasis Fetesti zu einer Beobachtungsmission auf. Die Nato alarmierte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in RumĂ€nien zudem zwei deutsche Eurofighter, die dort den Luftraum schĂŒtzen sollen.

Selenskyj glaubt nicht an Versehen

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hĂ€lt Moskau angesichts der jĂŒngsten VorfĂ€lle eine Eskalation des Kriegs vor. Die russischen MilitĂ€rs wĂŒssten genau, wohin ihre Drohnen fliegen, und es wĂŒrden auch keine untergeordneten Kommandeure eigenmĂ€chtig handeln, schrieb Selenskyj auf Telegram. «Das ist eine offensichtliche Ausweitung des Kriegs durch Russland.» Dieses Vorgehen mache prĂ€ventive Handlungen des Westens erforderlich. «Wartet nicht erst auf Dutzende Shahed(-Drohnen) und ballistische Raketen, um endlich Entscheidungen zu treffen», appellierte Selenskyj an die EuropĂ€er.

US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete die Reaktion der Nato als angemessen - und das Eindringen russischer Drohnen in den Luftraum der NachbarlĂ€nder als «inakzeptabel, bedauerlich und gefĂ€hrlich». Die Flugroboter seien zweifellos mit Absicht eingesetzt worden. Jetzt mĂŒsse geklĂ€rt werden, ob sie auch gezielt auf polnisches Gebiet gesteuert wurden. «Wenn das der Fall ist, wenn die Beweise uns zu der Erkenntnis fĂŒhren, dann wĂ€re das natĂŒrlich eine höchst eskalatorische Aktion», sagte Rubio. Es seien aber auch andere ErklĂ€rungen denkbar.

US-PrĂ€sident Donald Trump hatte zuvor gesagt, dass es sich bei dem Vorfall um ein Versehen der Russen gehandelt haben könnte - eine Deutung, der andere Alliierte wie Polen vehement widersprachen. Auch in MilitĂ€rkreisen wird das fĂŒr unwahrscheinlich gehalten. Die polnische Regierung sprach von einem «militĂ€rischen und politischen Test nicht nur fĂŒr Polen, sondern fĂŒr die gesamte Nato». Das BĂŒndnis startete nach den Luftraumverletzungen durch Russland eine neue MilitĂ€roperation zum Schutz der Ostflanke.

Mehrheit befĂŒrchtet russischen Angriff auf Nato-Staat

Eine Mehrheit der Deutschen ist einer Umfrage zufolge in Sorge vor einem Angriff Russlands auf einen Nato-Staat wie Polen oder Litauen in naher Zukunft. Nach der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der «Bild am Sonntag» befĂŒrchten 62 Prozent der 1.002 Befragten einen solchen Angriff. 28 Prozent tun das nicht, 10 Prozent Ă€ußerten sich unentschlossen. 

Tusk spricht von «prÀventiver Operation»

Der polnische Regierungschef Donald Tusk hatte am Samstag bei X mitgeteilt: «Aufgrund der Bedrohung durch russische Drohnen, die ĂŒber der Ukraine nahe der polnischen Grenze operieren, hat eine prĂ€ventive Operation der LuftstreitkrĂ€fte begonnen, sowohl der polnischen als auch verbĂŒndeter.» Der Flughafen in Lublin im SĂŒdosten des Landes wurde nach Angaben der Agentur PAP vorĂŒbergehend fĂŒr den zivilen Luftverkehr geschlossen. Nach rund zwei Stunden gab die polnische Armee bekannt, dass die Operation der LuftstreitkrĂ€fte und die erhöhte Alarmbereitschaft beendet seien. 

Zwar gab es solche Alarme in Polen und RumĂ€nien seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 hĂ€ufiger. Doch bei einem russischen Luftangriff auf die Ukraine in der Nacht auf Mittwoch war eine große Zahl an Drohnen in den Luftraum Polens und damit der Nato geflogen, und die polnische Luftwaffe und andere Nato-VerbĂŒndete schossen erstmals einige der Flugkörper ab. Seitdem erhĂ€lt Polen verstĂ€rkte UnterstĂŒtzung von Nato-VerbĂŒndeten.

Drohne in RumÀnien verschwindet vom Radar

In RumĂ€nien habe die Drohne am Samstag keine bewohnten Gebiete ĂŒberflogen und keine Gefahr dargestellt, teilte das Verteidigungsministerium in Bukarest mit. Die Region ist dĂŒnn besiedelt. Dennoch warnte der Katastrophenschutz die Bevölkerung vor der Gefahr möglicherweise herabfallender GegenstĂ€nde aus der Luft. Die rumĂ€nischen Kampfjets hĂ€tten die Drohne etwa 20 Kilometer weit bis zum rumĂ€nischen Donau-Ort Chilia Veche verfolgt, erklĂ€rte das Ministerium. Danach sei das Objekt vom Radar verschwunden. 

Seit Kriegsbeginn waren im Donaudelta mehrmals TrĂŒmmer russischer Drohnen auf rumĂ€nisches Territorium gefallen, meistens nach russischen Angriffen auf die dort in Sichtweite befindlichen HĂ€fen am ukrainischen Donau-Ufer. Jedes Mal erklĂ€rten RumĂ€niens Behörden sowie die Nato, dass dahinter keine Absicht Russlands gestanden habe.

Ukraine greift Ölanlagen tief in Russland an

In der russischen Teilrepublik Baschkortostan an der Wolga ging nach Behördenangaben unterdessen eine Raffinerie des Ölkonzerns Baschneft nach einem ukrainischen Drohnenangriff in Flammen auf. Nach Angaben von Republikchef Radi Chabirow wurde die Anlage von mindestens zwei Drohnen attackiert, eine sei dabei auf das BetriebsgelĂ€nde gestĂŒrzt. 

Drohnenattacken auf russische Ölanlagen sind inzwischen fester Bestandteil der ukrainischen Abwehrstrategie. Damit soll einerseits die Kraftstoffversorgung des MilitĂ€rs selbst unterbrochen, andererseits Russland eine wichtige Einnahmequelle zur Kriegsfinanzierung genommen werden.

Neu ist, dass die Angriffe inzwischen auch bei Tag erfolgen - und das tief im russischen Hinterland. Baschkortostan liegt rund 1.400 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. SpÀter wurde eine weitere Drohnenattacke im Gebiet Perm nahe dem Uralgebirge bekannt. Hier betrÀgt die Entfernung sogar mehr als 1.500 Kilometer.

@ dpa.de