Schröder bei Putin: Massive Kritik an Geburtstagsbesuch in Moskau
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 02:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Altkanzler Gerhard Schröder hat nach Angaben des Kremls am Mittwoch in Moskau den 74. Geburtstag des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin mitgefeiert und dafĂŒr scharfe Kritik aus Deutschland ausgelöst.
Kritik von GrĂŒnen, FDP und CDU
Die GrĂŒnen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Göring-Eckardt schrieb, Schröders Auftritt sei ein Verrat an Europa und ein BĂ€rendienst fĂŒr den Frieden.
Strack-Zimmermann nannte Schröder Deutschlands frechsten Rentner und verwies auf seine frĂŒhere Absage an einen Untersuchungsausschuss wegen einer Burnout-Erkrankung. Auch der CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke kritisierte, Schröder sei fĂŒr den Ausschuss zu krank, fĂŒr einen Besuch bei Putin aber fit genug.
Kreml spricht von spontaner Einladung
Nach Darstellung des Kremls habe Putin am Mittwochmorgen aus den Medien von Schröders Anwesenheit in Moskau erfahren. AnschlieĂend habe der PrĂ€sident seinen alten Freund zu sich nach Hause eingeladen. Fotos zeigen beide MĂ€nner lĂ€chelnd und mit ineinander verschrĂ€nkten HĂ€nden.
Vor der Geburtstagsfeier besuchte Schröder eine Filiale des russischen Globus-Ablegers Hyperglobus und hielt eine BegrĂŒĂungsrede vor Mitarbeitern. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.
Enge Verbindung zu Putin
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-JĂ€hrige ist seit Jahren eng mit Putin befreundet und war nach seiner politischen Laufbahn unter anderem fĂŒr russische Energieunternehmen tĂ€tig. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine traf er den Kremlchef wiederholt.
Debatte ĂŒber mögliche Vermittlung
Putin hatte Schröder im Mai als möglichen Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins GesprĂ€ch gebracht. In der Bundesregierung stieĂen die ĂuĂerungen auf Skepsis.
Am Tag von Putins Geburtstag griff Russland die Ukraine mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen an. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sprach von mindestens 25 Toten und mehr als 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als Geburtstagsgeschenk fĂŒr Putin.
Schröders frĂŒhere RusslandgeschĂ€fte
Schröder war unter anderem PrÀsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochter des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 jedoch nicht in Betrieb, weil die Bundesregierung die Genehmigung versagte.
Ein Besuch mit politischer Vorgeschichte
Gerhard Schröders Reise fĂ€llt in eine Zeit, in der seine Russlandkontakte in Deutschland besonders sensibel bewertet werden. Der frĂŒhere Bundeskanzler war wĂ€hrend seiner Amtszeit von 1998 bis 2005 maĂgeblich an einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Russland beteiligt und ĂŒbernahm spĂ€ter Funktionen bei russischen Staatsunternehmen sowie im Umfeld der Nord-Stream-Projekte.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hat Schröder seine Verbindung zu Wladimir Putin nicht beendet. Treffen im Kreml und seine wiederholte Weigerung, den russischen PrĂ€sidenten eindeutig zu verurteilen, fĂŒhrten zu anhaltender Kritik. Der Bundestag strich ihm deshalb unter anderem sein steuerfinanziertes BĂŒro.
Neue Rolle in Russland
ZusÀtzliche Bedeutung erhÀlt der Besuch durch Schröders Funktion im Aufsichtsrat des russischen Globus-Ablegers Hyperglobus. Der Konzern gehört zu den Unternehmen, die trotz des Krieges in Russland weiterarbeiten. Zugleich greift der russische Staat zunehmend in die Kontrolle auslÀndischer Firmen und Vermögenswerte ein. Ein Aufsichtsratsmandat eines ehemaligen deutschen Regierungschefs besitzt vor diesem Hintergrund eine politische und wirtschaftliche Signalwirkung.
Vermittlerrolle bleibt umstritten
Putin hatte Schröder zuvor als möglichen Ansprechpartner fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber eine europĂ€ische Sicherheitsordnung und als Vermittler im Ukraine-Krieg dargestellt. In Deutschland und der EuropĂ€ischen Union stieĂ dieser Vorschlag auf Skepsis. Der aktuelle Auftritt dĂŒrfte die Debatte ĂŒber die Trennlinie zwischen privaten Kontakten, wirtschaftlichen Interessen und politischer Einflussnahme erneut verschĂ€rfen. FĂŒr die deutsche Ăffentlichkeit steht damit nicht nur ein Geburtstagstreffen im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Rolle ein ehemaliger Kanzler im VerhĂ€ltnis zu einer kriegfĂŒhrenden Regierung noch beanspruchen kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht bestÀtige die Teilnahme Schröders an Putins Geburtstagsfeier und hebe hervor, dass die Einladung nach Darstellung des Kremls spontan erfolgt sei. Anders als die dpa-Meldung stelle der Artikel zusÀtzlich den zeitgleichen russischen Angriff auf Kyjiw heraus; die politische Bewertung des Besuchs bleibe jedoch offen.
n-tv: âGerhard Schröder in Moskau: Altkanzler besucht nach neuem Russland-Job eine Globus-Filialeâ (08.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tige Schröders Besuch in Moskau und setze den Schwerpunkt auf sein neues Aufsichtsratsmandat bei Hyperglobus. Er beschreibe zudem den wirtschaftlichen Hintergrund staatlicher Eingriffe in auslĂ€ndische Unternehmen und ordne Schröders Kontakte zu Putin sowie seine mögliche Vermittlerrolle ausfĂŒhrlicher ein.
Beide Berichte stimmten im Kern ĂŒber Schröders Moskau-Aufenthalt und seine Verbindung zu Putin ĂŒberein. Unterschiede lĂ€gen vor allem in der Gewichtung: Der Tagesspiegel betone das Geburtstagsreffen und den zeitgleichen Krieg, n-tv die wirtschaftliche Funktion Schröders und die Rahmenbedingungen fĂŒr auslĂ€ndische Unternehmen.
