Schülerproteste in Italien: Ausschreitungen in Turin
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 14:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSProtestorte und Forderungen der Schüler
- In Turin richteten vermummte Demonstranten Steine, Glasflaschen und Fackeln gegen Sicherheitskräfte.
- In Rom und Mailand gingen Schüler ebenfalls auf die Straße und zeigten Solidarität mit Frankreich.
- Das umstrittene Schulgesetz soll den Anteil von Ausländern mit schlechten Italienischkenntnissen begrenzen.
Schülerproteste in Italien erreichen Turin
Bei Schülerprotesten gegen die Zustände an Italiens Schulen ist es in Turin zu Ausschreitungen gekommen. Landesweit gingen nach Schätzungen mehrere Zehntausend Jugendliche auf die Straße, die Polizei setzte in Turin Wasserwerfer und Tränengas ein.
Steine und Fackeln gegen Sicherheitskräfte
Nach Augenzeugenberichten warfen mehrere Dutzend Demonstranten in der norditalienischen Großstadt große Steine, Glasflaschen und Fackeln in Richtung der Sicherheitskräfte. In der Stadt waren nach den Berichten mehrere Hundert vermummte Demonstranten unterwegs.
Aus ihren Reihen flogen Gegenstände auf die Polizei. In den meisten anderen Städten verliefen die Kundgebungen friedlich.
Proteste in Rom und Mailand
Demonstrationen gab es unter anderem in der Hauptstadt Rom und in Mailand, dem Finanzzentrum des Landes. Mit Sprechchören und Spruchbändern bekundeten die Teilnehmer ihre Unterstützung für die Schüler in Frankreich, wo es seit Ende September wiederholt Demonstrationen gibt.
Bei den Kundgebungen waren auch französische Parolen wie «Tout le monde déteste la police» zu hören. Die Proteste richten sich gegen fehlende Lehrkräfte, eine unzureichende Ausstattung der Schulen und schlechte Lernbedingungen.
Streit über Schulgesetz der Regierung
Zugleich kritisieren die Schüler ein neues Schulgesetz der rechten Koalition von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Danach soll der Anteil von Ausländern mit schlechten Italienischkenntnissen vom nächsten Schuljahr an begrenzt werden.
In Frankreich waren in den vergangenen Wochen Hunderttausende auf den Straßen, vielfach kam es dort zu Krawallen. In Italien blieb es dagegen in der großen Mehrheit der Städte bei friedlichen Kundgebungen.
Die Proteste in Italien stehen im Zusammenhang mit einer europaweiten Mobilisierung von Schülerinnen und Schülern, die bessere Bedingungen im Bildungswesen verlangen. Im Mittelpunkt stehen fehlendes Personal, mangelhafte Ausstattung und die Frage, wie Schulen mit sozialer und sprachlicher Vielfalt umgehen.
In Italien verbindet sich der schulpolitische Protest mit Kritik an der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Das geplante Gesetz zur Begrenzung des Anteils von Schülerinnen und Schülern mit geringen Italienischkenntnissen betrifft insbesondere Schulen in Städten und Regionen mit hohem Anteil von Kindern aus Einwandererfamilien. Damit erhält die Bewegung neben bildungspolitischen auch gesellschafts- und migrationspolitische Dimensionen.
Europäischer Protestkontext
Die französischen Demonstrationen dienen italienischen Jugendlichen zugleich als Bezugspunkt. Parolen und Solidaritätsbekundungen zeigen, dass die Proteste über nationale Grenzen hinweg wahrgenommen werden. Die große Mehrheit der Kundgebungen in Italien blieb friedlich, während die Ereignisse in Turin den Konflikt sichtbar verschärften.
Für die weitere Entwicklung kommt es darauf an, ob Regierung und Schulbehörden auf die Forderungen nach mehr Lehrkräften und besserer Ausstattung reagieren. Ebenso entscheidend ist, ob der Streit über das Schulgesetz die Bildungsproteste dauerhaft in einen breiteren Konflikt über Integrationspolitik verwandelt. Für Familien und Schulen dürften zunächst vor allem mögliche Auswirkungen auf den Unterricht und die lokale Sicherheitslage relevant sein.
