Schweiz, NeutralitÀtsinitiative

Schweiz lehnt striktere NeutralitÀt nach Hochrechnung deutlich ab

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 13:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Schweizer haben einen Vorstoß fĂŒr eine striktere NeutralitĂ€t in der Verfassung nach einer ersten Hochrechnung deutlich abgelehnt. Die Initiative hĂ€tte unter anderem Sanktionen gegen Kriegsparteien erschwert oder verhindert.

Die Initiative sollte eine striktere NeutralitÀt in der Verfassung verankern. (Archivbild) - Bild: Andreas Becker/KEYSTONE/dpa
Die Initiative sollte eine striktere NeutralitÀt in der Verfassung verankern. (Archivbild) - Bild: Andreas Becker/KEYSTONE/dpa

Die Schweizer haben bei einer Volksabstimmung den Vorstoß abgelehnt, eine striktere NeutralitĂ€t in der Verfassung zu verankern.

Deutliche Mehrheit gegen Initiative

Nach einer ersten Hochrechnung stimmten 71 Prozent der Abstimmenden mit Nein, wie der Co-Leiter des Umfrage-Instituts gfs.bern, Lukas Golder, im Schweizer Fernsehen SRF sagte.

Die Initiative stammte von der Vereinigung «Pro Schweiz», die der rechtskonservativen SVP nahesteht. Sie wollte die NeutralitĂ€t ĂŒber die bisherige militĂ€rische ZurĂŒckhaltung hinaus ausweiten.

Sanktionen im Mittelpunkt

Nach dem Vorschlag hĂ€tte die Schweiz nicht nur auf die Beteiligung an bewaffneten Konflikten und MilitĂ€rbĂŒndnissen verzichten sollen. Vorgesehen war auch, Sanktionen gegen Kriegsparteien zu verhindern.

Besonders umstritten war, dass die Schweizer Regierung nach der russischen Vollinvasion der Ukraine die Sanktionen der EuropĂ€ischen Union weitgehend ĂŒbernommen hatte. FĂŒr die Initiatoren widersprach dies dem von ihnen vertretenen VerstĂ€ndnis der NeutralitĂ€t.

Gegner setzen auf Zusammenarbeit

Die Gegner der Initiative argumentierten, die Sicherheit der Schweiz lasse sich nur durch Kooperation mit anderen LĂ€ndern gewĂ€hrleisten. Außerdem dĂŒrfe das Land TĂ€ter und Opfer eines bewaffneten Konflikts nicht gleich behandeln.

NeutralitÀt als Verfassungsfrage

Die Abstimmung betrifft nicht die grundsĂ€tzliche Bedeutung der Schweizer NeutralitĂ€t, sondern ihre Reichweite. Die Initiative wollte den Grundsatz einer immerwĂ€hrenden und bewaffneten NeutralitĂ€t schĂ€rfer in der Verfassung festschreiben und insbesondere Sanktionen gegen kriegfĂŒhrende Staaten begrenzen. Damit wĂ€re der außenpolitische Spielraum der Regierung deutlich kleiner geworden.

Auslöser der Debatte war die Entscheidung Berns, nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Sanktionen der EuropĂ€ischen Union weitgehend zu ĂŒbernehmen. Die BefĂŒrworter der Initiative sahen darin eine Abkehr vom traditionellen Nichteinmischungsgrundsatz. Die Gegner stellten dem entgegen, dass NeutralitĂ€t nicht bedeuten dĂŒrfe, Angreifer und Angegriffene gleich zu behandeln.

Bedeutung fĂŒr Außen- und Sicherheitspolitik

Das klare Nein stĂ€rkt zunĂ€chst den Kurs, internationale Maßnahmen nicht grundsĂ€tzlich mit Verweis auf die NeutralitĂ€t auszuschließen. FĂŒr die Schweiz bleibt damit die Möglichkeit erhalten, Sanktionen politisch zu ĂŒbernehmen, wenn Regierung und Parlament dies mit der außenpolitischen und sicherheitspolitischen Lage begrĂŒnden.

FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ist die Entscheidung vor allem deshalb relevant, weil sie die Rolle des Landes zwischen NeutralitĂ€t, wirtschaftlicher Verflechtung und internationaler Zusammenarbeit berĂŒhrt. Die Schweiz bleibt militĂ€risch bĂŒndnisfrei, signalisiert mit dem Abstimmungsergebnis aber zugleich, dass NeutralitĂ€t nicht automatisch politische Distanz zu jeder internationalen Reaktion auf einen Krieg bedeutet. Die konkrete Ausgestaltung kĂŒnftiger Sanktionen bleibt eine politische Einzelfallentscheidung.

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