DĂŒsterer Kriegsjahrestag fĂŒr Ukraine: EU kann nicht liefern
Veröffentlicht am: 24.02.2026 um 15:12 Uhr | dpa.deDie Ukraine ist unter dĂŒsteren Vorzeichen in das fĂŒnfte Jahr ihres Kampfes gegen den russischen Angriffskrieg gestartet. Wegen eines Vetos Ungarns konnte die EU nicht wie geplant den finalen Beschluss fĂŒr Finanzhilfen in Höhe von 90 Milliarden Euro fassen. Zudem bekrĂ€ftigte Ungarn gemeinsam mit der Slowakei seine Blockade von neuen EU-Russland-Sanktionen. Moskau hingegen, das die Invasion am 24. Februar 2022 begonnen hatte, rĂ€umte zwar ein, seine Kriegsziele bisher nicht erreicht zu haben. Ablassen von seinen Absichten will Russland aber nicht.
Eigentlich hĂ€tten zum Jahrestag die neuen StrafmaĂnahmen in Kraft treten und ein starkes Signal an Russlands PrĂ€sidenten Wladimir Putin senden sollen. Den Druck spĂŒrt aber Russlands Kriegswirtschaft auch so zunehmend - durch die bisherigen 19 Sanktionspakete der EU.
Angesichts der absehbaren Fortsetzung des Kriegs rief der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj die Menschen im Land zum Durchhalten auf. «Wenn wir uns an den Beginn der Invasion erinnern und auf die heutige Situation blicken, können wir mit Fug und Recht sagen: Wir haben unsere UnabhÀngigkeit verteidigt, wir haben unsere Staatlichkeit nicht verloren», sagte das Staatsoberhaupt in einer Videobotschaft. Putin habe seine Ziele nicht erreicht und die Ukrainer nicht gebrochen.
Selenskyj: Ukraine verteidigt ihre Existenz
Zu den von US-PrĂ€sident Donald Trump initiierten FriedensgesprĂ€chen sagte Selenskyj: «Fraglos wollen wir alle, dass dieser Krieg endet, doch niemand lĂ€sst zu, dass die Ukraine zu existieren aufhört.» Es werde alles dafĂŒr getan, damit die Kriegsjahre nicht umsonst waren.Â
Selenskyj spielte damit darauf an, dass Trump ihn seit Monaten immer wieder zu gröĂeren ZugestĂ€ndnissen in den Verhandlungen aufruft. Besonders brisant ist dies, weil er gleichzeitig die US-MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine drastisch zurĂŒckgefahren hat. Geliefert werden in der Regel nur noch RĂŒstungsgĂŒter, die von LĂ€ndern wie Deutschland finanziert werden.
EU-Spitze in Kiew sichert Ukraine UnterstĂŒtzung zu
UnterstĂŒtzung bekam Selenskyj von EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa, die gemeinsam mit mehreren europĂ€ischen Staats- und Regierungschefs zum Jahrestag nach Kiew gereist waren. Von der Leyen sagte, der Besuch solle zeigen, dass Europa auch durch diesen harten Winter hindurch finanziell und militĂ€risch unerschĂŒtterlich zur Ukraine stehe.
Der nicht nach Kiew gereiste deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) warnte Ungarn und die Slowakei vor möglichen Konsequenzen ihrer Blockade-Politik. «Das Schicksal der Ukraine ist unser Schicksal», erklÀrte Merz aus der Ferne vor einer geplanten Reise nach China. Der Krieg könne nur mit gemeinsamer StÀrke beendet werden.
Kritik an Ungarns Blockadehaltung
Von Geschlossenheit und HandlungsfĂ€higkeit konnte an diesem Dienstag allerdings keine Rede sein. Dies wurde vor allem bei einem EU-Ministertreffen in BrĂŒssel deutlich, wo eigentlich das neue 90-Milliarden-Euro-Darlehen fĂŒr die Ukraine hĂ€tte finalisiert werden sollen. Ungarn warf der Ukraine dort erneut vor, aus politischen GrĂŒnden die Durchleitung von russischem Ăl durch die Druschba-Pipeline zu blockieren und kĂŒndigte an, bis zur Wiederaufnahme des Betriebs keine EU-Entscheidungen zugunsten der Ukraine mitzutragen.
Der ungarische MinisterprĂ€sident Viktor Orban schrieb in einem Brief an Costa: «Fakten sind Fakten». Es gebe keine technischen Hindernisse fĂŒr eine Wiederaufnahme der Ăltransfers ĂŒber die Druschba-Pipeline nach Ungarn. Die Regierung in Kiew machte Zerstörungen durch russische Luftangriffe fĂŒr den Lieferstopp verantwortlich. Zugleich macht die Ukraine keinen Hehl daraus, Russlands Ălindustrie, die fĂŒr die Finanzierung des Kriegs wichtig ist, zu bekĂ€mpfen.
Kreml sieht Kriegsziele bisher nicht erreicht
Zum Jahrestag rÀumte Russland ein, seine anfÀnglich gesteckten Aufgaben bisher nicht umgesetzt zu haben. Deshalb gehe der Krieg weiter, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Zugleich sagte er, dass Russland bereit sei, eine diplomatische Lösung bei den Verhandlungen mit der Ukraine zu finden. «Jetzt hÀngt alles von den Handlungen des Kiewer Regimes ab.» Russland habe seine Bedingungen auf den Tisch gelegt, sie seien hinreichend bekannt.
Moskau verlangt etwa, dass Kiew seine Truppen auch aus jenen Teilen des Gebiets Donezk abzieht, die unter ukrainischer Kontrolle stehen. In Kiew lehnte PrÀsident Selenskyj das mehrfach kategorisch ab. Zwar sollen die Verhandlungen nach ukrainischen Angaben womöglich noch diese Woche in Genf wieder aufgenommen werden. Peskow bestÀtigte aber weder einen Ort noch einen Termin. Die GesprÀche gelten als festgefahren.
Hunderttausende Tote bisher
Derweil ging das Töten in dem Krieg weiter. Selenskyj zufolge hat die Ukraine seit 2022 rund 55.000 Soldaten verloren. Beobachter gehen von weitaus höheren ukrainischen Verlustzahlen aus. Zudem sind nach UN-Angaben seitdem mehr als 15.000 Zivilisten getötet worden. FĂŒr die russische Seite gehen SchĂ€tzungen auf Grundlage russischer öffentlicher Daten von etwa 220.000 getöteten Soldaten aus. Die russische FĂŒhrung Ă€uĂert sich nicht zu den Verlusten.
