Ausland, Russland

Zahl der Russen in Deutschland seit Kriegsbeginn gestiegen

05.08.2023 - 20:04:45

Seit Beginn des Ukraine-Krieges sind mehrere Zehntausend Russen nach Deutschland gezogen.

Wie das Bundesinnenministerium auf Anfrage der "Welt am Sonntag" mitteilte, lebten Ende Juni 301.511 russische Staatsangehörige in Deutschland. Das sind 32.183 mehr als Ende Februar 2022, als Russland die Ukraine ĂŒberfiel.

Die Zahlen stammen aus dem AuslĂ€nderzentralregister, dort sind AuslĂ€nder gespeichert, die sich nicht nur vorĂŒbergehend im Land aufhalten. Der Vergleich zeigt also das Resultat aus Zu- und AbgĂ€ngen, deshalb ist die Zahl nach Deutschland gekommenen Russen noch höher. Aus dem AuswĂ€rtigen Amt heißt es, dass die deutschen Konsulate seit Kriegsbeginn "circa 32.000 nationale Visa" an russische Staatsangehörige ausgestellt hĂ€tten. Diese dienen "grundsĂ€tzlich einem lĂ€ngeren Aufenthalt und der Migration" und betreffen vor allem FachkrĂ€fte, Familiennachzug oder Studenten. Zudem seien "ĂŒber 51.000" sogenannte Schengen-Visa an russische Staatsangehörige ausgestellt worden. Mit diesen sind Kurzzeitaufenthalte bis zu drei Monaten in der EU möglich. 1.665 besonders gefĂ€hrdete Personen, darunter Oppositionelle oder Journalisten, haben laut dem Bundesinnenministerium die Zusage fĂŒr ein humanitĂ€res Visum erhalten. Das Bundesinnenministerium verwies darauf, dass sich seit Kriegsbeginn die "Möglichkeit des Einschleusens von Agenten russischer Nachrichtendienste" insgesamt abstrakt erhöht habe. Auf Empfehlung der EU-Kommission gelten strengere Sicherheitskontrollen bei der Erteilung von Visa an russische Staatsangehörige. Leitlinien wurden nach der russischen Teilmobilmachung im September 2022 aktualisiert. Dass Russen weiter einreisen können, ist aus Sicht von Experten grundsĂ€tzlich sinnvoll. "Es gibt in Russland immer noch regierungskritische Menschen, die in Gefahr sind", sagte der Politologe Dmitri Stratievski, der das Osteuropa-Zentrum Berlin leitet, der Zeitung. "Diese Menschen brauchen eine Einreisemöglichkeit nach Deutschland." Ihn erreichten vor allem Nachrichten aus den Provinzen in Zentralrussland und im Osten. Hier habe es in den ersten Kriegsmonaten noch Nischen gegeben, in denen die Menschen recht frei von Repressionen gewesen seien. Zuletzt hĂ€tten die Verfolgungen aber zugenommen. So wĂŒrden Wissenschaftler, die sich zu Beginn weigerten, eine Petition fĂŒr den Krieg zu unterschreiben, plötzlich doch unter Druck gesetzt.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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