Chaos, US-Parlament

Chaos im US-Parlament: Rennen um Chefposten beginnt erneut

21.10.2023 - 02:55:59

Seit der Abwahl von Kevin McCarthy geht kaum noch etwas im US-ReprĂ€sentantenhaus. In mehreren AnlĂ€ufen versucht ein Trump-Vertrauter, auf den mĂ€chtigen Posten nachzurĂŒcken - ohne Erfolg. Und nun?

Das US-Parlament verstrickt sich zunehmend in Chaos. Zweieinhalb Wochen nach der dramatischen Abwahl des bisherigen Vorsitzenden des ReprÀsentantenhauses, Kevin McCarthy, beginnt die Suche nach einem Nachfolger von vorne.

Nach drei verlorenen WahlgĂ€ngen fĂŒr den mĂ€chtigen Chefposten im US-Kongress ist der Republikaner Jim Jordan aus dem Rennen. Die republikanische Fraktion ließ den Vertrauten des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump gestern als ihren Kandidaten fĂŒr das Amt fallen. Wer stattdessen antreten könnte, ist unklar. FrĂŒhestens am Dienstag könnte es erneut eine Wahl geben. Bis dahin liegt die gesetzgeberische Arbeit in der Kongresskammer weiter grĂ¶ĂŸtenteils brach.

McCarthy war Anfang Oktober in einer historischen Abstimmung von dem Posten abgewÀhlt worden. Radikale Republikaner hatten ihn aus dem Amt getrieben. Es war das erste Mal in der US-Geschichte, dass ein Vorsitzender des ReprÀsentantenhauses auf diesem Weg seinen Job verlor. Das Amt kommt in der staatlichen Rangfolge der Vereinigten Staaten an dritter Stelle nach dem PrÀsidenten und dessen Vize.

Die weitreichenden Folgen

Das Drama bei den Republikanern im ReprĂ€sentantenhaus hat das US-Parlament vorerst politisch weitgehend zum Stillstand gebracht. Denn bis ein neuer Vorsitzender der Kammer bestimmt ist, ist die gesetzgeberische Arbeit dort zum großen Teil lahm gelegt - und das mitten in einer Zeit großer internationaler Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten, die die Aufmerksamkeit des US-Parlaments brĂ€uchten.

US-PrĂ€sident Joe Biden beantragte gestern beim Kongress ein 105 Milliarden US-Dollar (gut 94 Milliarden Euro) schweres Hilfspaket mit UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine und Israel. Die Kammer hat außerdem dringend ĂŒber einen Bundeshaushalt zu entscheiden. ZunĂ€chst ist nur ein Übergangshaushalt bis Mitte November beschlossen, in dem keine UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew enthalten ist. Doch vorerst bewegt sich in der Parlamentskammer nichts.

Der erfolglose Kandidat

Jordan war gestern auch im dritten Wahlgang fĂŒr den Chefposten gescheitert und hatte dabei gegenĂŒber den vorherigen AnlĂ€ufen weitere Stimmen aus den eigenen Reihen verloren. Daraufhin wandte sich die Fraktion in einer internen Abstimmung hinter verschlossenen TĂŒren von ihm als Kandidat ab. Jordan versprach danach, er werde tun, was er könne, um bei der Suche nach einem anderen Kandidaten zu helfen.

Der rechte Hardliner hatte in den vergangenen Tagen versucht, parteiinterne Gegner auf seine Seite zu ziehen. Einige berichteten, dass sie sich von Jordans UnterstĂŒtzern bedroht und unter Druck gesetzt fĂŒhlten.

Der weitere Weg

Vorerst fungiert der Republikaner Patrick McHenry als Übergangs-Vorsitzender des ReprĂ€sentantenhauses. Er ist aber vor allem fĂŒr formale Aufgaben zustĂ€ndig, insbesondere fĂŒr die Organisation der Wahl eines McCarthy-Nachfolgers. McHenry kĂŒndigte an, die republikanische Fraktion werde am Montagabend (Ortszeit) zu einer Sitzung zusammenkommen, um ĂŒber einen neuen Kandidaten zu beraten.

Am Dienstag solle der Wahlprozess im Plenum dann erneut beginnen. AnwĂ€rter fĂŒr den Posten brĂ€uchten etwas Zeit, um mit anderen Abgeordneten zu sprechen, um UnterstĂŒtzung zu werben und Chancen fĂŒr eine Mehrheit auszuloten. Es sei wichtig, dass sich die Fraktion etwas Raum und Zeit fĂŒr einen «Neustart» nehme.

Der Frust der Abgeordneten

Republikanische Abgeordnete Ă€ußerten sich nach einer internen Sitzung gestern frustriert und verĂ€rgert ĂŒber das Chaos in den eigenen Reihen. Der Abgeordnete Dusty Johnson etwa beklagte, blinder Ehrgeiz einzelner habe den Prozess zur GenĂŒge torpediert.

Die BĂŒrger hĂ€tten das satt und die Mitglieder im Kongress auch, sagte er dem Sender CNN. Dieser «Unsinn» sei «frustrierend» und mĂŒsse aufhören. «Dies ist eine Zeit, in der wir Leute brauchen, die an Problemlösungen interessiert sind und nicht an Selbstverherrlichung.» Bis eine Lösung gefunden sei, werde es allerdings noch «ein paar Tage Chaos» geben.

Die Republikaner haben im ReprĂ€sentantenhaus nur eine knappe Mehrheit, und die Fraktion ist extrem zersplittert. Es ist unklar, wer als Kandidat die Mehrheit der republikanischen Abgeordneten hinter sich versammeln kann. Als potenzieller neuer AnwĂ€rter gilt etwa Tom Emmer aus der FĂŒhrung der Fraktion.

@ dpa.de