Israel, Hisbollah

Israel und libanesische Hisbollah im Eskalations-Modus

09.10.2024 - 05:08:56

Seit einem Jahr eskaliert der Konflikt zwischen den NachbarlÀndern. Auf Angriff folgt Vergeltung. Erstmals seit knapp zwei Monaten will heute Biden voraussichtlich mit Netanjahu telefonieren.

  • MinisterprĂ€sident Netanjahu hat die geplante US-Reise von Verteidigungsminister Galant nicht genehmigt. - Foto: Shachar Yurman/GPO/dpa

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  • Seit Beginn der Gefechte vor einem Jahr wurden laut Gesundheitsministerium mehr als 2.000 Menschen im Libanon getötet, ĂŒber 10.000 Weitere verletzt. - Foto: Hassan Ammar/AP

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  •  Das GebĂ€ude soll hĂ€ufig von AnfĂŒhrern der iranischen Revolutionsgarden und der Hisbollah aufgesucht worden sein. - Foto: Omar Sanadiki/AP

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MinisterprĂ€sident Netanjahu hat die geplante US-Reise von Verteidigungsminister Galant nicht genehmigt. - Foto: Shachar Yurman/GPO/dpaSeit Beginn der Gefechte vor einem Jahr wurden laut Gesundheitsministerium mehr als 2.000 Menschen im Libanon getötet, ĂŒber 10.000 Weitere verletzt. - Foto: Hassan Ammar/AP Das GebĂ€ude soll hĂ€ufig von AnfĂŒhrern der iranischen Revolutionsgarden und der Hisbollah aufgesucht worden sein. - Foto: Omar Sanadiki/AP

Nahezu tĂ€glich beschießen sich die libanesische Hisbollah-Miliz und die israelischen StreitkrĂ€fte - ein Jahr nach Beginn der Gefechte verschĂ€rft sich die Lage weiter: Mindestens 36 Menschen wurden allein am Dienstag bei israelischen Angriffen auf den Libanon getötet, 150 weitere verletzt, wie das libanesische Gesundheitsministerium mitteilte. Unterdessen feuerte die Schiiten-Miliz Hisbollah nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs rund 180 Raketen vom Libanon auf Israel ab. Angesichts eines möglichen Vergeltungsschlags Israels gegen den Iran will US-PrĂ€sident Joe Biden heute voraussichtlich mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu telefonieren. Netanjahu soll sich einem Bericht zufolge am Dienstagabend mit israelischen Ministern und MilitĂ€rs ĂŒber Art und Umfang eines Angriffs abgestimmt haben.

Ministerium: Über 2.000 Menschen im Libanon getötet 

Die mit dem Iran verbĂŒndete Hisbollah hatte einen Tag nach dem von der islamistischen Hamas und anderen Extremisten verĂŒbten Massaker am 7. Oktober 2023 begonnen, Raketen auf Israel abzufeuern. Bei dem Beschuss am Dienstag wurden HĂ€user und Autos beschĂ€digt. In der drittgrĂ¶ĂŸten Stadt Haifa wurde eine Frau leicht verletzt. Das israelische MilitĂ€r nahm seinerseits immer wieder Stellungen der Schiiten-Miliz unter Beschuss. Zuletzt weitete die Luftwaffe ihre Angriffe erheblich aus. Allein am Dienstag registrierte der Notfallausschuss der geschĂ€ftsfĂŒhrenden libanesischen Regierung 137 israelische Luftangriffe im Libanon.

Seit Ausbruch der Gefechte vor einem Jahr wurden laut offiziellen Angaben im Libanon mindestens 2.119 Menschen getötet und 10.019 weitere verletzt. Das Gesundheitsministerium unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Hisbollah-KÀmpfern.

Aktivisten: Mehrere Tote bei Luftangriff auf Damaskus

Bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff auf die syrische Hauptstadt Damaskus kamen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten und syrischen Staatsmedien mehrere Menschen ums Leben. Ziel des Angriffs sei ein GebĂ€ude gewesen, das hĂ€ufig von AnfĂŒhrern der iranischen Revolutionsgarden und der Hisbollah aufgesucht worden sei, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien. Unter den Opfern seien keine iranischen StaatsbĂŒrger, berichtete die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf Irans Botschaft in Damaskus. Im April waren bei einem mutmaßlich israelischen Angriff in der syrischen Hauptstadt zwei GenerĂ€le der Revolutionsgarden getötet worden.

Bericht: Biden will mit Netanjahu telefonieren

Nach knapp zweimonatiger Funkstille will Biden einem Bericht zufolge heute voraussichtlich mit Netanjahu telefonieren. Das berichtete das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf drei US-Beamte. Netanjahu habe sich am Dienstagabend mit Ministern und den Leitern des israelischen MilitĂ€rs und Geheimdienstes getroffen, um eine Entscheidung ĂŒber den Umfang und den Zeitpunkt der israelischen Angriffe zu treffen, hieß es unter Berufung auf zwei israelische Beamte. Demnach sollen Israels Vergeltungsmaßnahmen «voraussichtlich erheblich sein» und eine Kombination aus Luftangriffen auf militĂ€rische Ziele im Iran und verborgenen Angriffen sein.

US-Reise von Israels Verteidigungsminister Galant verschoben

Zuvor hatte die israelische Regierung einen Besuch von Verteidigungsminister Joav Galant in den USA noch kurzfristig abgesagt. «Wir wurden darĂŒber informiert, dass Minister Galant seine Reise nach Washington verschiebt», sagte die stellvertretende Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh. Laut einem Bericht von Axios wollte Netanjahu die Reise seines Verteidigungsministers nicht genehmigen, solange das Sicherheitskabinett nicht ĂŒber eine Reaktion auf den iranischen Raketenangriff entschieden und der Regierungschef nicht mit Biden gesprochen habe. Aufgrund der US-Kritik an der israelischen KriegsfĂŒhrung waren die Beziehungen zwischen Washington und Tel Aviv zuletzt angespannt.

Medien: GeheimgesprĂ€che mit Iran ĂŒber Waffenstillstand an allen Fronten

Laut einem Bericht des israelischen Fernsehsenders Channel 12 haben die USA und mehrere arabische Staaten geheime GesprĂ€che mit dem Iran ĂŒber einen Waffenstillstand an allen Fronten aufgenommen. Israel sei gegenwĂ€rtig nicht an den GesprĂ€chen beteiligt, aber darĂŒber informiert worden. Der Iran hatte in der vergangenen Woche Israel mit rund 200 Raketen direkt angegriffen. Außerdem unterstĂŒtzt die Regierung in Teheran die Schiiten-Miliz Hisbollah im Libanon und die Huthi-Miliz im Jemen, die ihrerseits immer wieder Israel angreifen. «Wir befinden uns derzeit in einer Position der StĂ€rke. Ein Waffenstillstand mĂŒsste zu unseren Bedingungen vereinbart werden», zitierte Channel 12 einen ranghohen israelischen Beamten.

@ dpa.de