Regenbogen-Ohrringen, Arrest

Wegen Regenbogen-Ohrringen: Arrest fĂŒr Frau in Russland

01.02.2024 - 18:31:14 | dpa.de

Seit einigen Monaten werden queere Menschen in Russland als «Extremisten» gebrandmarkt und verfolgt. Nun wurde gegen eine junge Frau wegen des Tragens von Regenbogen-Symbolik eine Haftstrafe verhÀngt.

In Russland wurde eine Frau zu einer mehrtĂ€gigen Haft verurteilt, nachdem sie in der Öffentlichkeit mit Regenbogen-Ohrringen gesehen wurde. - Foto: Markus Heine/dpa
In Russland wurde eine Frau zu einer mehrtĂ€gigen Haft verurteilt, nachdem sie in der Öffentlichkeit mit Regenbogen-Ohrringen gesehen wurde. - Foto: Markus Heine/dpa

Inmitten zunehmender Repressionen gegen queere Menschen in Russland muss eine junge Frau fĂŒr das Tragen von Ohrringen in Regenbogenfarben fĂŒnf Tage lang in Haft. Ein Gericht in der Stadt Nischni Nowgorod östlich von Moskau habe die Arreststrafe mit dem Zurschaustellen «extremistischer Symbolik» begrĂŒndet, teilte die Hilfsorganisation «Egida» unter Berufung auf einen Anwalt der Frau mit.

Auch unabhĂ€ngige russische Medien berichteten ĂŒber die Verurteilung. Es war demnach der erste bekannt gewordene Fall einer Haftstrafe wegen Regenbogen-Symbolik, seit Russland im vergangenen November die LGBTQI+-Community unter internationalem Protest als «extremistisch» eingestuft und damit die Rechte lesbischer, schwuler und queerer Menschen radikal eingeschrĂ€nkt hatte.

Die englische AbkĂŒrzung LGBTQI+ steht fĂŒr Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans, queere sowie intergeschlechtliche Menschen. Das Pluszeichen sowie das Sternchen sind Platzhalter fĂŒr weitere IdentitĂ€ten und Geschlechter. Die Regenbogen-Flagge ist eines der Community-Symbole.

Vor wenigen Tagen war in sozialen Netzwerken ein Video aufgetaucht, das die nun verurteilte junge Frau zeigen soll, wie sie mit dem Regenbogen-Schmuck an den Ohren in einem Café sitzt. Ihr Begleiter trÀgt eine kleine ukrainische Flagge als Anstecker am Pullover. Zu sehen und zu hören ist, wie beide von einem unbekannten Mann aggressiv bedrÀngt und zum Abnehmen der Symbole aufgefordert werden. Einen Tag spÀter sei die Frau festgenommen worden. Was mit ihrem Freund passierte, war zunÀchst nicht bekannt.

Kein Einzelfall in Russland

Stattdessen sorgte in unabhĂ€ngigen russischen Online-Medien noch ein anderer Fall fĂŒr Empörung: In der Stadt Saratow wurde Medien zufolge wegen eines Regenbogen-Posts auf Instagram ein Verfahren gegen die Fotografin und KĂŒnstlerin Inna Mossina eingeleitet. 

Insbesondere seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine vor fast zwei Jahren geht Russland auch im eigenen Land immer repressiver gegen gesellschaftliche Vielfalt vor. Queere Menschen sind dabei ein besonders beliebtes Ziel russischer Propagandisten, die immer wieder einen vermeintlich aus dem Westen importierten «Werteverfall» anprangern. Menschenrechtler haben bereits davor gewarnt, dass die Einstufung der LGBTQI+-Community als «extremistisch» darauf abziele, dass queere Aktivisten in der russischen Öffentlichkeit komplett mundtot gemacht werden sollen.

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