Umstrittene Rentenreform in Frankreich tritt in Kraft
01.09.2023 - 01:04:22 | dpa.deIn Frankreich ist die umstrittene Rentenreform von PrĂ€sident Emmanuel Macron nach monatelangen und teils gewaltsamen Protesten in Kraft getreten. GroĂe Kundgebungen zum Start der Reform, mit der das Renteneintrittsalter schrittweise von 62 auf 64 Jahre steigt, gab es nicht.
Die neue Chefin der Gewerkschaft CGT, Sophie Binet, hatte Macron aber vor wenigen Tagen bei einem Treffen aufgefordert, zur Rentenreform ein Referendum zu organisieren. Arbeitsminister Olivier Dussopt besuchte anlĂ€sslich des Inkrafttretens am Freitag ein RegionalbĂŒro der Rentenversicherung im elsĂ€ssischen Mulhouse.
Geschlossen gegen die Reform
Die Gewerkschaften hatten geschlossen Front gegen die Reform gemacht und Massenproteste mit Hunderttausenden Teilnehmern organisiert. Die Kundgebungen schlugen teils in Gewalt um, nachdem die Regierung die Reform nach turbulenter Debatte ohne Abstimmung durchs Parlament gedrĂŒckt hatte. Das PrĂ€sidentenlager, das keine absolute Mehrheit hat, war sich ausreichender UnterstĂŒtzung durch andere Parteien am Ende nicht sicher gewesen, daher der ungewöhnliche Schritt. Begleitet wurden die Proteste von Streiks bei Bahnen und an den FlughĂ€fen. Wochenlang wurde in Teilen von Paris kein MĂŒll abgefahren.
Macron hatte das sensible Thema Rente eigentlich schon in seiner ersten Amtszeit auf die Agenda gehoben. Nach den sogenannten Gelbwesten-Protesten kam jedoch die Corona-Pandemie und die Reform wurde vorerst abgeblasen. Im Wahlkampf 2022 kĂŒndigte der PrĂ€sident dann einen zweiten Anlauf an und warnte die Bevölkerung vor - alle mĂŒssten etwas mehr arbeiten. UrsprĂŒnglich strebte er eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre an, entschied sich angesichts der sich abzeichnenden Proteste dann fĂŒr eine Erhöhung auf 64 Jahre.
Viele arbeitenen bereits ĂŒber 62 Jahre hinaus
Auch bisher arbeiteten bereits viele Menschen in Frankreich ĂŒber 62 Jahre hinaus, wenn sie mit Erreichen der Altersgrenze noch nicht lange genug fĂŒr eine abschlagsfreie Rente eingezahlt hatten.
Macron begrĂŒndete die Reform mit einem drohenden Defizit in der Rentenkasse. Denn angesichts einer alternden Bevölkerung mĂŒssten die BeschĂ€ftigten - Ă€hnlich wie in Deutschland - mit ihren BeitrĂ€gen fĂŒr eine steigende Zahl von Rentnern aufkommen. Um die Höhe der Rente stabil zu halten, mĂŒsse die Bevölkerung etwas lĂ€nger arbeiten.
Mit der Reform wird nun allerdings auch die monatliche Mindestrente auf etwa 1200 Euro hochgesetzt. AuĂerdem werden Sonderregelungen bei der Rente fĂŒr eine Reihe von Berufssparten abgeschafft. AuĂerdem wird die Einzahldauer fĂŒr eine volle Rente schneller angehoben, als bisher geplant war.
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