Jordan scheitert bei Wahl zu Chefposten im US-Kongress
17.10.2023 - 20:16:32Der Republikaner Jim Jordan ist bei der Wahl zum Vorsitzenden des US-ReprĂ€sentantenhauses im ersten Anlauf gescheitert. Aufgrund von Gegenstimmen aus seiner eigenen Fraktion kam der Vertraute des frĂŒheren US-PrĂ€sidenten Donald Trump bei der Abstimmung am Dienstag nicht auf die nötige Mehrheit.
Jordan war am Freitag hinter verschlossenen TĂŒren von seiner Fraktion zum Kandidaten gekĂŒrt worden - das Abstimmungsergebnis fiel dort aber denkbar knapp aus. Der Trump-Loyalist hatte zunĂ€chst nicht als mehrheitsfĂ€hig gegolten, in den vergangenen Tagen allerdings einige Gegner auf seine Seite gezogen. FĂŒr eine Mehrheit reichte es zunĂ€chst trotzdem nicht. 20 Parteikollegen stellten sich bei der Abstimmung am Dienstag gegen ihn.
McCarthy wurde Anfang Oktober abgewÀhlt
Der bisherige Vorsitzende der Parlamentskammer, Kevin McCarthy, war Anfang Oktober in einer historischen Abstimmung von dem mÀchtigen Posten abgewÀhlt worden. Radikale Republikaner hatten ihn aus dem Amt getrieben. Es war das erste Mal in der US-Geschichte, dass ein Vorsitzender des ReprÀsentantenhauses auf diesem Weg seinen Job verlor. Das Amt kommt in der staatlichen Rangfolge der Vereinigten Staaten an dritter Stelle nach dem PrÀsidenten und dessen Vize.
Das Drama bei den Republikanern im ReprĂ€sentantenhaus hat das US-Parlament vorerst weitestgehend zum Stillstand gebracht. Denn bis ein neuer Vorsitzender der Kammer bestimmt ist, liegt die gesetzgeberische Arbeit dort zum gröĂten Teil brach - und das mitten in einer Zeit groĂer internationaler Konflikte in der Ukraine und in Israel, die die Aufmerksamkeit des US-Parlaments brĂ€uchten. Der Kongress hat unter anderem ĂŒber weitere mögliche Hilfen fĂŒr Kiew zu entscheiden, wie auch ĂŒber einen Bundeshaushalt insgesamt. Vorerst ist nur ein Ăbergangshaushalt bis Mitte November beschlossen, in dem keine UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew enthalten ist.
Die republikanische Fraktion im ReprĂ€sentantenhaus ist extrem zersplittert und nur schwer auf einen Nenner zu bringen. McCarthy schaffte es im Januar erst im 15. Wahlgang auf den Vorsitzenden-Posten. Nach dessen Abwahl bestimmte die Fraktion zunĂ€chst den rechtskonservativen Steve Scalise als möglichen McCarthy-Nachfolger. Doch Scalise konnte sich in den eigenen Reihen nicht die nötige Mehrheit sichern und zog seine Kandidatur noch vor einer Abstimmung im Plenum zurĂŒck.
VerbĂŒndeter von Trump
Die Republikaner haben im ReprĂ€sentantenhaus nur eine dĂŒnne Mehrheit. Deshalb haben republikanische Abweichler bei Abstimmungen ein machtvolles Druckmittel in der Hand. Die Fraktion stellt derzeit 221 Sitze in der Parlamentskammer, die Demokraten haben 212 Sitze. FĂŒr eine Mehrheit hĂ€tte Jordan 217 Stimmen benötigt. Er konnte sich also nur vier Abweichler in den eigenen Reihen leisten - es stellten sich aber 20 Parteikollegen gegen ihn. Auf Stimmen der Demokraten von US-PrĂ€sident Joe Biden konnte Jordan bei dem Votum nicht zĂ€hlen.
Der Abgeordnete aus Ohio gehört zum rechten Rand der Fraktion, vertritt extreme Positionen und steht seit Jahren stramm an der Seite Trumps. Der Ex-PrĂ€sident hatte vor der Abstimmung offensiv fĂŒr Jordan geworben. Die Demokraten dagegen hatten vor dem Votum gewarnt, es wĂŒrde eine «schreckliche Botschaft» aussenden, wenn das ReprĂ€sentantenhaus einen BefĂŒrworter eines landesweiten Abtreibungsverbotes, einen Wahlleugner und einen Insider der Attacke auf das US-Kapitol zum Vorsitzenden der Kammer mache.


