Russland, Seegrenzen

Russland will Seegrenzen verschieben

22.05.2024 - 13:24:18

Seit mehr als zwei Jahren fĂŒhrt Russland Krieg in der Ukraine. Nun hat das Land mögliche Änderungen seiner Seegrenzen annonciert. Auch wenn vieles noch unklar ist: Die Nachbarn sind alarmiert.

Ein russisches Gesetzesprojekt zur möglichen Neubestimmung seiner Seegrenzen in der Ostsee hat Verwirrung und große Aufregung bei NachbarlĂ€ndern hervorgerufen. «Dies ist ein weiterer Beweis dafĂŒr, dass Russlands aggressive und revisionistische Politik eine Bedrohung fĂŒr die Sicherheit der NachbarlĂ€nder und ganz Europas darstellt», hieß es aus dem litauischen Außenministerium.

Hintergrund ist eine in der Gesetzesdatenbank der russischen Regierung veröffentlichte Initiative des Verteidigungsministeriums zur «Bestimmung geografischer Koordinaten» zur Festlegung der Grenzlinien in verschiedenen Teilen der Ostsee. BegrĂŒndet wurde das Vorhaben damit, dass die alten noch zu Sowjetzeiten festgelegten Koordinaten ungenau seien und es nicht erlaubten, eine durchgehende Grenzlinie zu ziehen.

Das Verteidigungsministerium verwies konkret auf ein Seegebiet sĂŒdlich der russischen Inseln im Finnischen Meerbusen und auf Abschnitte bei den StĂ€dten Baltijsk und Selenogradsk im Gebiet Kaliningrad. Das Vorgehen erlaube es, «das entsprechende Seegebiet als russisches Binnenmeer zu nutzen», heißt es im Dokument. Mehrere russische Agenturen meldeten dagegen unter Berufung auf eine Quelle in militĂ€risch-diplomatischen Kreisen, dass es bei dem Gesetzesprojekt doch nicht um eine Ausweitung russischen Gebietes gehe. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklĂ€rte, das Vorhaben habe keinen politischen Hintergrund.

Bei den Nachbarstaaten schrillten dennoch die Alarmglocken. Russlands Vorgehen könne als «bewusste, gezielte und eskalierende Provokation» angesehen werden, mit der die NachbarlĂ€nder und ihre Gesellschaften eingeschĂŒchtert werden sollen, hieß es aus dem litauischen Außenministerium. Demnach soll der russische Gesandte zu einer ausfĂŒhrlichen ErklĂ€rung einbestellt werden. Eine Reaktion will Litauen mit seinen Partnern koordinieren.

Finnland will auf BestÀtigung aus Moskau warten

Etwas zurĂŒckhaltender fiel die EinschĂ€tzung in Finnland aus. Dort wollen die Behörden zunĂ€chst die Informationen aus russischen Medien prĂŒfen. «Russland hat in dieser Angelegenheit keinen Kontakt mit Finnland aufgenommen. Finnland handelt wie immer: ruhig und auf der Grundlage von Fakten», schrieb der PrĂ€sident Alexander Stubb auf X.

Schwedens Armeechef Micael Byden warnte vor Moskaus Ambitionen in der Ostsee - insbesondere mit Blick auf die schwedische Insel Gotland. «Ich bin sicher, dass Putin sogar beide Augen auf Gotland geworfen hat», sagte Byden dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Putins Ziel ist es, die Kontrolle ĂŒber die Ostsee zu erlangen. (...) FĂŒr Putin ist die Ostsee genauso wichtig, wie es fĂŒr uns wichtig ist, dass sie offen und sicher bleibt.»

@ dpa.de