US-Regierung: 90 Prozent von Geisel-Deal steht
04.09.2024 - 23:40:32Nach Angaben der US-Regierung steht eine Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas fĂŒr eine Waffenruhe und Geisel-Freilassung zu 90 Prozent. «Der Deal hat insgesamt 18 AbsĂ€tze. 14 dieser AbsĂ€tze sind fertig», sagte ein hochrangiger Vertreter der US-Regierung. 90 Prozent des Abkommens seien vereinbart. Es hake allerdings noch bei den Bedingungen fĂŒr einen Austausch von israelischen Geiseln und palĂ€stinensischen HĂ€ftlingen und bei Fragen rund um einen Abzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen.
Vorgesehen sei, dass mehrere Hundert palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikĂ€men im Gegenzug fĂŒr jene Geiseln aus Israel, die noch in den HĂ€nden der Hamas seien, sagte der US-Regierungsbeamte. «FĂŒr jede Geisel wird eine bestimmte Anzahl palĂ€stinensischer Gefangener freigelassen.» Darunter seien euch «bedeutsame» HĂ€ftlinge, die zu lebenslanger Haft verurteilt worden seien. Er betonte, die Tatsache, dass vor einigen Tagen sechs Geiseln getötet worden seien, habe die Verhandlungen extrem erschwert. Es gebe nun weniger Geiseln zum Austausch. «Das ist tragisch und furchtbar.» AuĂerdem drohe die Hamas damit, weitere Geiseln hinzurichten.Â
Laut Israel noch mehr als 100 Geiseln in Hand der Hamas
Der US-Regierungsbeamte sagte, in einer ersten Phase sollten von den Geiseln alle Frauen, alle Verletzten und alle MĂ€nner ĂŒber 50 Jahren freigelassen werden. Vorgesehen sei auch eine Regelung fĂŒr eine geschĂŒtzte Ausreise verwundeter Hamas-KĂ€mpfer aus dem Gazastreifen.Â
Beim Angriff auf Israel im vergangenen Oktober hatten Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer PalĂ€stinenserorganisationen mehr als 1.200 Menschen getötet und etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel reagierte darauf mit Luftangriffen und einer Bodenoffensive in Gaza. Nach israelischer ZĂ€hlung sind noch 101 Menschen in der Hand der Hamas. Wie viele von ihnen noch leben, ist unklar.Â
Seit Monaten laufen indirekte Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas, bei denen neben den USA auch Katar und Ăgypten vermitteln, um eine Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln zu erreichen. Die GesprĂ€che kommen jedoch nicht voran.
Netanjahu unter Druck
Nach dem Tod der sechs weiteren Geiseln steht Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu unter erhöhtem Druck. Er will von strategischen Interessen seiner Regierung jedoch nicht abrĂŒcken und beharrt auf einer Kontrolle des sogenannten Philadelphi-Korridors, einem etwa 14 Kilometer langen Streifen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ăgypten. Sowohl die Hamas als auch Ăgypten verlangen jedoch, dass Israel seine Truppen zurĂŒckzieht.
Der US-Regierungsvertreter betonte, im Abkommen werde der Philadelphi-Korridor nicht explizit erwĂ€hnt. Vorgesehen sei darin aber der RĂŒckzug des israelischen MilitĂ€rs aus allen dicht besiedelten Gebieten im Gazastreifen, und es sei zu einem Streit darĂŒber gekommen, ob der Philadelphi-Korridor dazu gehöre. «Aufgrund dieser Meinungsverschiedenheit haben die Israelis in den vergangenen Wochen einen Vorschlag unterbreitet, mit dem sie ihre PrĂ€senz in diesem Korridor erheblich reduzieren wĂŒrden», betonte er. Erst in der zweiten Phase des Deals sei ein kompletter Abzug der israelischen KrĂ€fte vorgesehen.Â


