Hamas, Israelische

Hamas behauptet: Israelische BodeneinsÀtze im Gazastreifen

27.10.2023 - 23:26:52

Seit Tagen wird mit dem Beginn einer israelischen Bodenoffensive gerechnet. Nun kĂŒndigt das MilitĂ€r nach massiven Bombenangriffen eine Ausweitung seines Einsatzes gegen die Hamas an.

  • Die KĂ€mpfe zwischen der israelischen Armee und der palĂ€stinensischen Terrororganisation Hamas geh weiter: Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen auf. - Foto: Francisco Seco/AP/dpa

    Francisco Seco/AP/dpa

  • Israelische Grenzpolizisten stehen wĂ€hrend der Freitagsgebete vor der Altstadt Jerusalems. - Foto: Mahmoud illean/AP/dpa

    Mahmoud illean/AP/dpa

  • PalĂ€stinenser stehen Schlange, um Trinkwasser aus einer Wasseraufbereitungsanlage zu holen. - Foto: Hassan Eslaiah/AP/dpa

    Hassan Eslaiah/AP/dpa

  • Angehörige von Hamas-Geiseln mit Bildern der EntfĂŒhrten. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa

    Ohad Zwigenberg/AP/dpa

  • PalĂ€stinenser trauern in Dair al-Balah um ein Kind, das bei der israelischen Bombardierung des Gazastreifens getötet wurde. - Foto: Ali Mahmoud/AP/dpa

    Ali Mahmoud/AP/dpa

  • SchĂ€den an einem Wohnhaus in Tel Aviv, das von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

    Ilia Yefimovich/dpa

  • Auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv wir der Opfer der Hamas-AnschlĂ€ge gedacht. - Foto: Francisco Seco/AP/dpa

    Francisco Seco/AP/dpa

  • Explosionen im nördlichen Gazastreifen, verursacht durch israelische Luftangriffe. - Foto: Abed Khaled/AP/dpa

    Abed Khaled/AP/dpa

Die KĂ€mpfe zwischen der israelischen Armee und der palĂ€stinensischen Terrororganisation Hamas geh weiter: Rauch steigt nach einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen auf. - Foto: Francisco Seco/AP/dpaIsraelische Grenzpolizisten stehen wĂ€hrend der Freitagsgebete vor der Altstadt Jerusalems. - Foto: Mahmoud illean/AP/dpaPalĂ€stinenser stehen Schlange, um Trinkwasser aus einer Wasseraufbereitungsanlage zu holen. - Foto: Hassan Eslaiah/AP/dpaAngehörige von Hamas-Geiseln mit Bildern der EntfĂŒhrten. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpaPalĂ€stinenser trauern in Dair al-Balah um ein Kind, das bei der israelischen Bombardierung des Gazastreifens getötet wurde. - Foto: Ali Mahmoud/AP/dpaSchĂ€den an einem Wohnhaus in Tel Aviv, das von einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete getroffen wurde. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaAuf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv wir der Opfer der Hamas-AnschlĂ€ge gedacht. - Foto: Francisco Seco/AP/dpaExplosionen im nördlichen Gazastreifen, verursacht durch israelische Luftangriffe. - Foto: Abed Khaled/AP/dpa

Nach Darstellung des militĂ€rischen Arms der islamistischen Hamas im Gazastreifen gibt es dort an zwei verschiedenen Orten israelische BodeneinsĂ€tze. Es gebe gewalttĂ€tige ZusammenstĂ¶ĂŸe in dem Ort Beit Hanun im Norden sowie östlich des FlĂŒchtlingslagers Al-Bureidsch im Zentrum des Gazastreifens, teilten die Al-Kassam-Brigaden gestern am spĂ€ten Abend mit. Beides sind Orte in GrenznĂ€he. UnabhĂ€ngig waren die Angaben der Islamistenorganisation, die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft wird, nicht zu ĂŒberprĂŒfen. Israels Armee wollte den Bericht nicht kommentieren.

Israels Armee hatte zuvor angekĂŒndigt, ihre BodeneinsĂ€tze im Gazastreifen auszuweiten. Es blieb zunĂ€chst unklar, ob die AnkĂŒndigung den Beginn der weithin erwarteten Bodenoffensive darstellte. Das israelische MilitĂ€r hatte zuvor bereits vereinzelte, zeitlich eng begrenzte VorstĂ¶ĂŸe am Boden gemacht. In den letzten Stunden habe das MilitĂ€r seine Angriffe im Gazastreifen bereits verstĂ€rkt, teilte MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari am Abend auf der Plattform X, vormals Twitter, mit. Es wĂŒrden vermehrt unterirdische Ziele und terroristische Infrastruktur angegriffen, erklĂ€rte er weiter.

Medienberichte deuteten unterdessen auf massive israelische Bombenangriffe im Gazastreifen hin. Ein MilitÀrsprecher teilte dazu auf Anfrage lediglich mit, die StreitkrÀfte griffen in ihrem Kampf gegen die Hamas «laufend» Ziele im Gazastreifen an.

Tausende protestieren im Westjordanland

Nach Israels AnkĂŒndigung, die BodeneinsĂ€tze ausweiten zu wollen, protestierten im Westjordanland Berichten zufolge zahlreiche PalĂ€stinenser. Die «Times of Israel» meldete Tausende Demonstranten, die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete von Hunderten allein in der Stadt Nablus. Auch in Ramallah, Hebron und vielen anderen Orten im Westjordanland gingen den Berichten zufolge Menschen auf die Straßen, um ihre SolidaritĂ€t mit den Einwohnern des Gazastreifens zu zeigen. Laut Wafa kam es auch zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit israelischen Soldaten.

Internet im Gazastreifen ausgefallen

Unterdessen fielen im Gazastreifen nach Angaben der PalÀstinensischen Telekommunikationsgesellschaft alle Kommunikations- und Internetdienste aus. Schuld sei die heftige Bombardierung durch die israelische Armee, teilte das im Westjordanland ansÀssige palÀstinensische Telekommunikationsunternehmen «Paltel» mit.

Auch die Organisation Netblocks, die fĂŒr die Beobachtung von Internetsperren bekannt ist, bestĂ€tigte auf der Plattform X einen Zusammenbruch der Internetverbindungen im Gazastreifen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das UN-Kinderhilfswerk (Unicef) haben laut eigenen Angaben keinen Kontakt mehr zu Mitarbeitern, Gesundheitseinrichtungen und anderen Partnern im Gazastreifen.

Neue Raketenangriffe auf Ziele in Israel

Die israelische Armee hatte bereits am Freitagmorgen mitgeteilt, binnen 24 Stunden mehr als 250 Ziele im Gazastreifen angegriffen zu haben. Darunter seien Tunnel der Hamas sowie Kommandozentren und Raketenabschussrampen gewesen, erklÀrte die Armee.

PalÀstinensische Extremisten im Gazastreifen feuerten am Freitag auch erneut Raketen auf Israel ab, vielerorts ertönten Sirenen. Beim Einschlag einer Rakete in der Metropole Tel Aviv wurden Helfern zufolge drei Menschen verletzt. Nach Angaben Israels wurden seit Kriegsbeginn bereits mehr als 8000 Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert. Die allermeisten davon werden von Israels Raketenabwehrsystem abgefangen.

Bei einem Terrorangriff der Hamas im Grenzgebiet zum Gazastreifen am 7. Oktober waren in Israel mehr als 1400 Menschen getötet worden. Mehr als 200 Geiseln wurden in den Gazastreifen verschleppt. Seither bombardiert Israel massiv Ziele im Gazastreifen. Zudem mobilisierte das MilitĂ€r rund 300.000 Reservisten und zog fĂŒr eine mögliche Bodenoffensive KrĂ€fte in der NĂ€he des Gazastreifens zusammen.

Zahl der Todesopfer im Gazastreifen weiter angestiegen

Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser im Gazastreifen stieg seit Kriegsbeginn nach Darstellung des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums auf 7326 an. Darunter sollen 3038 Kinder und Jugendliche sowie 1792 Frauen sein, wie das Ministerium mitteilte. Die Zahlen waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen.

Das UN-NothilfebĂŒro OCHA erklĂ€rte unter Berufung auf Hamas-Behörden, dass fast die HĂ€lfte aller HĂ€user im Gazastreifen durch israelische Angriffe zerstört, unbewohnbar oder beschĂ€digt worden sei.

Israel lehnt humanitÀre Feuerpausen «derzeit» weiter ab

Die Forderung der Staats- und Regierungschefs der EU vom Donnerstagabend nach «humanitĂ€ren Korridoren und Pausen fĂŒr humanitĂ€re Zwecke» im Gazastreifen wies Israel zurĂŒck. «Israel lehnt einen humanitĂ€ren Waffenstillstand derzeit ab», sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Dazu zĂ€hle «jegliche Art geforderter Feuerpausen». Die Hamas wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.

Israels Armee: Hamas-Kommandozentrale unter grĂ¶ĂŸter Gaza-Klinik

Erkenntnissen israelischer Geheimdienste zufolge missbraucht die im Gazastreifen herrschende Hamas die grĂ¶ĂŸte Klinik in dem KĂŒstengebiet als Kommando- und Kontrollzentrum. «Hamas-Terroristen operieren innerhalb und unter dem Schifa-Krankenhaus», sagte MilitĂ€rsprecher Daniel Hagari. Zu der unterirdischen Basis fĂŒhrten Tunnel von außerhalb, zudem gebe es innerhalb der Klinik einen Eingang. Die Hamas nutze zudem auch verschiedene Abteilungen des Krankenhauses, um «TerroraktivitĂ€ten» und RaketenabschĂŒsse zu befehlen und zu kontrollieren, sagte er. Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Die Hamas bestritt die Aussagen des MilitĂ€rs. Das Krankenhaus werde nicht fĂŒr «militĂ€rische Zwecke» genutzt. Die Islamistenorganisation warf Israel PlĂ€ne vor, die gesamte medizinische Versorgung in dem KĂŒstengebiet zerstören zu wollen.

UN-MenschenrechtsbĂŒro sieht Kriegsverbrechen aufseiten Israels

Das UN-MenschenrechtsbĂŒro wirft Israel Kriegsverbrechen vor. Den mehr als zwei Millionen Menschen im Gazastreifen Strom und Treibstoff vorzuenthalten, sei eine kollektive Bestrafung. «Kollektive Bestrafungen sind ein Kriegsverbrechen», sagte die Sprecherin, Ravina Shamdasani, in Genf. Der Treibstoffmangel zwinge zur Schließung von KrankenhĂ€usern und BĂ€ckereien.

Die Menschen lebten unter verheerenden Bedingungen, es mangele an sauberem Trinkwasser und die sanitĂ€ren Einrichtungen seien unzureichend. «FĂŒr die 2,2 Millionen Menschen, die im Gazastreifen eingeschlossen sind und kollektiv bestraft werden, bahnt sich eine humanitĂ€re Katastrophe an», sagte Shamdasani. Sie fĂŒgte hinzu, dass auch die EntfĂŒhrung von Zivilisten ein Kriegsverbrechen sei.

Zahl der Geiseln höher als bisher angenommen

Die Zahl der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln ist höher als bisher von Israel angenommen. Man habe bis Freitag die Familien von 229 Geiseln informiert, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari. Das waren fĂŒnf mehr als noch am Vortag. Es werde erwartet, dass die Zahl noch steigen könnte. Die vier von der islamistischen Hamas bereits freigelassenen Geiseln sind nach MilitĂ€rangaben bei der Zahl nicht mit eingerechnet. Nach israelischen Informationen sind unter den Geiseln BĂŒrger aus 25 Staaten, darunter auch Deutsche.

Israel: «Dutzende» Hamas-KÀmpfer getroffen

Bei den Luftangriffen seit Donnerstag seien «Dutzende» Hamas-Mitglieder getroffen worden, hieß es von israelischer Seite. Auch ein ranghoher Hamas-Befehlshaber sei getötet worden. Der Kommandeur Madhat Mubaschar sei an mehreren Sprengstoff- und ScharfschĂŒtzenangriffen auf israelische Zivilisten und Soldaten beteiligt gewesen.

WHO: Diskussion ĂŒber Opferzahlen nicht angebracht

Die WHO hĂ€lt die Diskussion ĂŒber die VerlĂ€sslichkeit der Opferzahlen, die von der im Gazastreifen herrschenden PalĂ€stinenserorganisation Hamas stammen, fĂŒr zynisch. Die WHO habe ĂŒber Jahre keinen Anlass fĂŒr Zweifel an Zahlen dieser Gesundheitsbehörden gehabt, sagte der WHO-Vertreter fĂŒr die besetzten palĂ€stinensischen Gebiete, Richard Peeperkorn.

Es mache auch keinen Unterschied, ob es tausend mehr oder weniger Opfer gebe - die humanitĂ€re Lage im Gazastreifen sei katastrophal, die Zahl der Opfer durch israelische Angriffe enorm. Nach Angaben von Peeperkorn funktionieren noch 23 der insgesamt 35 KrankenhĂ€user im Gazastreifen teilweise. Es mĂŒsse auch auf dem Fußboden operiert werden, sagte er.

Dritter EU-Hilfsflug fĂŒr Gaza gestartet

Ein dritter von der EU finanzierter Flug mit 51 Tonnen HilfsgĂŒtern fĂŒr die Menschen im Gazastreifen hat sich auf den Weg in die Region gemacht. Am Freitag sei eine Maschine in Kopenhagen gestartet, teilte die EU-Kommission mit. Sie bringe unter anderem Medikamente nach Ägypten. Die EU finanziere die Gesamtkosten aller FlĂŒge, hieß es.

Aus Ägypten sollen die HilfsgĂŒter weiter nach Gaza transportiert werden. Die GĂŒter werden den Angaben zufolge ĂŒber Partnerorganisationen wie das Internationale Rote Kreuz abgewickelt. Bislang kommen allerdings nur sehr wenig HilfsgĂŒter in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet an.

@ dpa.de