Ende des Schulden-Dramas in USA in Sicht
01.06.2023 - 15:45:41Die USA sind einen groĂen Schritt weiter, um eine drohende ZahlungsunfĂ€higkeit des Staates in letzter Minute abzuwenden. Das US-ReprĂ€sentantenhaus billigte einen Gesetzentwurf, mit dem ein Zahlungsausfall der Regierung verhindert werden soll.
Eine parteiĂŒbergreifende Mehrheit in der Parlamentskammer stimmte fĂŒr den Entwurf, mit dem die Schuldenobergrenze bis 2025 ausgesetzt werden soll, wĂ€hrend zugleich die staatlichen Ausgaben in den kommenden zwei Jahren beschrĂ€nkt werden.
Nun muss der Senat dem Vorhaben noch möglichst rasch zustimmen, und PrÀsident Joe Biden muss das Gesetz unterzeichnen, damit der Regierung nicht das Geld ausgeht. Finanzministerin Janet Yellen hatte gewarnt, dies könnte am kommenden Montag eintreten.
In den USA legt das Parlament in unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden eine Schuldenobergrenze fest und bestimmt, wie viel Geld sich der Staat leihen darf. Diesmal artete das Prozedere aus in erbittertes parteipolitisches Gezerre und ideologische GrabenkĂ€mpfe zwischen Demokraten und Republikanern.
Zahlungsausfall könnte globale Finanzkrise auslösen
Die Republikaner verweigerten eine Anhebung der Schuldenobergrenze und verlangten deutliche KĂŒrzungen der staatlichen Ausgaben. Die Auseinandersetzung löste sowohl national als auch international groĂe Sorgen aus. Denn ein Zahlungsausfall der weltgröĂten Volkswirtschaft könnte eine globale Finanzkrise und einen wirtschaftlichen Abschwung auslösen.
Bidens Regierung und die Republikaner, die im ReprĂ€sentantenhaus eine knappe Mehrheit haben, hatten in den vergangenen Wochen in langen und schwierigen Verhandlungen um einen parteiĂŒbergreifenden Kompromiss gerungen. Biden und der republikanische Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses, Kevin McCarthy, hatten schlieĂlich am Wochenende einen Deal prĂ€sentiert. Mit dem Resultat sind viele Politiker sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern unzufrieden.
Linke Demokraten monieren, dass die Einigung Einsparungen etwa im sozialen Bereich vorsieht oder auch die Genehmigung im Schnellverfahren einer umstrittenen Gaspipeline im US-Bundesstaat West Virginia. Rechten Republikanern gehen die Einsparungen hingegen nicht weit genug.
Und richtig zufrieden sind auch jene Moderaten in der Mitte nicht, die dem Deal am Ende zustimmten. Angesichts der drohenden dramatischen Konsequenzen durch einen Zahlungsausfall versammelten sich jedoch Abgeordnete aus der Mitte beider Parteien hinter dem Deal und sorgten fĂŒr eine nötige Mehrheit bei den Abstimmung - wenn auch zum Teil zĂ€hneknirschend.
Entwurf soll bis Freitagbabend verabschiedet werden
Nun steht das Votum im Senat noch aus. Der demokratische MehrheitsfĂŒhrer der Kammer, Chuck Schumer, sagte zu, den Entwurf dort möglichst schnell zur Abstimmung zu bringen, um der Frist eines drohenden Zahlungsausfalls am Montag zuvorzukommen. Doch Verzögerungen einer Abstimmung in der Kammer sind möglich - etwa durch ĂnderungsantrĂ€ge. Ziel beider Parteien ist es, den Entwurf bis Freitagabend zu verabschieden. Es ist aber durchaus möglich, dass sich das Prozedere bis ins Wochenende zieht.
Im ReprĂ€sentantenhaus stimmten 314 Abgeordnete fĂŒr den Gesetzentwurf: 149 Republikaner und 165 Demokraten. FĂŒr McCarthy war das Votum eine wichtige BewĂ€hrungsprobe. Der Republikaner sah sich vorab mit dem Widerstand radikaler Mitglieder seiner Fraktion konfrontiert. McCarthy wurde erst zu Beginn des Jahres nach einem historischen Wahlchaos von seiner Fraktion zum Vorsitzenden der Kammer gewĂ€hlt. Die Turbulenzen schwĂ€chten seine Position sehr.
McCarthy versammelte bei dem Votum nun knappe zwei Drittel seiner Fraktion hinter sich - die Demokraten hatten dies als Latte angesetzt fĂŒr den AnfĂŒhrer der Mehrheitsfraktion in der Kammer. Wie erwartet verweigerten zugleich Dutzende Republikaner dem Deal ihre Zustimmung, genau 71 Abgeordnete. Am Ende stimmten mehr demokratische als republikanische Abgeordnete fĂŒr den Kompromiss und verhalfen dem Vorhaben damit zu einer satten parteiĂŒbergreifenden Mehrheit.
FĂŒr Biden und McCarthy ist das zunĂ€chst ein Erfolg. Die noch immer beachtliche Zahl an republikanischen Abweichlern könnte McCarthy innerhalb seiner ohnehin zerrissenen Fraktion dennoch Diskussionen bescheren. Einer seiner Kritiker ist der republikanische Abgeordnete Dan Bishop, der zuletzt ein Misstrauensvotum gegen McCarthy ins Spiel gebracht hatte. Er schrieb nach der Abstimmung auf Twitter: «So sieht es aus, wenn das Einparteienkartell das amerikanische Volk verrĂ€t.»
«Keine der beiden Seiten hat alles bekommen, was sie wollte»
Bei der Debatte im ReprÀsentantenhaus brachten viele Abgeordnete beider Fraktionen ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck. Sie sagten, es handele sich keineswegs um einen perfekten, aber dennoch um einen notwendigen Kompromiss. Mehrere Demokraten mahnten, es gehe darum, das Land vor einem Desaster zu bewahren, das die Republikaner durch ihren Widerstand hinaufbeschworen hÀtten. Mehrere Republikaner sagten dagegen, der Entwurf sei der erste Schritt in die richtige Richtung, um das unkontrollierte Schuldenmachen im Land einzudÀmmen.
Der Kompromiss sieht vor, dass der Umfang des Bundeshaushaltes, den die Demokraten unter Biden vergröĂern wollten, faktisch eingefroren wird. DafĂŒr wĂŒrden die Budgets vieler Bundesbehörden und Ministerien angepasst. Die Republikaner konnten auch durchsetzen, dass EmpfĂ€nger bestimmter Sozialleistungen einen Job nachweisen mĂŒssen. Die Demokraten wollten die staatlichen Einnahmen eigentlich durch die stĂ€rkere Besteuerung von Reichen erhöhen. Dagegen stemmten sich die Republikaner.
Biden erklĂ€rte: «Keine der beiden Seiten hat alles bekommen, was sie wollte.» Es handele sich um einen parteiĂŒbergreifenden Kompromiss. Das ReprĂ€sentantenhaus habe nun aber einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht, um einen Zahlungsausfall zu verhindern.


