Selenskyj fordert beim Gipfel in Madrid Energiehilfe aus Lateinamerika
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 19:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSelenskyjs Bitten an mehrere Staaten
- Der ukrainische Präsident traf in Madrid Pedro Sánchez und König Felipe VI.
- Er nannte Transformatoren aus Brasilien, Mexiko, Argentinien und Kolumbien als benötigte Hilfsgüter.
- Chile soll Elektrokabel und Spanien Diesel- sowie Gasgeneratoren liefern.
Selenskyj wirbt in Madrid um Unterstützung für die Ukraine
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist in Madrid von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez und König Felipe VI. empfangen worden. Beim 30. Iberoamerika-Gipfel traf er außerdem mehrere lateinamerikanische Staats- und Regierungschefs.
Appell an Lateinamerika
Selenskyj dankte Sánchez für die Einladung und Spaniens Unterstützung. Zugleich forderte er die Teilnehmer auf, in ihren Heimatländern über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu sprechen und die Welt über die Verbrechen zu informieren.
Viele Länder Lateinamerikas haben den russischen Angriff zwar verurteilt, sich darüber hinaus aber bislang kaum an Hilfen für die Ukraine beteiligt. Sánchez betonte deshalb, die Unterstützung dürfe nicht allein von europäischen Ländern kommen.
Konkrete Bitten für die Energieversorgung
Selenskyj traf in Madrid auch den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, und die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Teresa Ribera. Vor den Gipfelteilnehmern listete er Hilfslieferungen auf, die sein Land zur Sicherung der Energieversorgung dringend benötige.
Er nannte Transformatoren aus Brasilien, Mexiko, Argentinien oder Kolumbien sowie Elektrokabel aus Chile. Spanien solle Diesel- und Gasgeneratoren bereitstellen.
Angriffe auf Infrastruktur
Die Lieferungen sollen helfen, die Folgen russischer Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur abzufedern. Diese Attacken führen zu großflächigen Stromausfällen und drohen angesichts des bevorstehenden Winters die Wärmeversorgung für Millionen Menschen zu unterbrechen.
Mit seinem Auftritt nutzt Selenskyj den Gipfel über Spanien hinaus als Plattform für Unterstützung. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl die politische Verurteilung des russischen Vorgehens als auch praktische Hilfe für die ukrainische Zivilbevölkerung.
Selenskyjs Auftritt in Madrid erweitert die bislang vor allem europäische und nordamerikanische Unterstützersuche der Ukraine um eine ausdrücklich lateinamerikanische Dimension. Viele Staaten der Region haben den russischen Angriff auf die Ukraine zwar verurteilt, leisten aber nur begrenzte praktische Hilfe. Der Gipfel bietet Kiew deshalb eine seltene Gelegenheit, seine Anliegen direkt mehreren Regierungen vorzutragen.
Lateinamerika als politischer Gesprächspartner
Die angesprochenen Länder verfügen über unterschiedliche politische Prioritäten und pflegen teils traditionell enge Beziehungen zu Russland. Eine gemeinsame Linie bei Waffenhilfe oder Sanktionen ist daher nicht zu erwarten. Politisch relevant ist bereits, wenn Regierungen den Krieg öffentlich benennen, russische Angriffe verurteilen oder humanitäre und technische Unterstützung organisieren.
Selenskyjs konkrete Bitten zur Energieversorgung zielen zugleich auf einen Bereich, in dem Hilfe leichter möglich sein kann als bei Waffenlieferungen. Transformatoren, Kabel sowie Diesel- und Gasgeneratoren lassen sich kurzfristig beschaffen und in bestehende Hilfsprogramme integrieren. Für die Ukraine ist das angesichts wiederholter Angriffe auf Kraftwerke und Netze besonders vor dem Winter entscheidend.
Energiehilfe mit unmittelbarer Wirkung
Spanien unterstützt die Ukraine politisch und soll nach Selenskyjs Angaben Generatoren bereitstellen. Brasilien, Mexiko, Argentinien, Kolumbien und Chile werden mit möglichen Lieferungen bestimmter Ausrüstung angesprochen. Ob daraus verbindliche Zusagen entstehen, hängt von den jeweiligen Regierungen, verfügbaren Beständen und der Finanzierung ab.
Der Besuch verbindet damit drei Ebenen: die internationale Ächtung des russischen Vorgehens, praktische Hilfe für die ukrainische Zivilbevölkerung und den Versuch, Europas Unterstützung durch außereuropäische Partner zu ergänzen. Für Menschen in der Ukraine entscheidet funktionierende Energieversorgung im Winter unmittelbar über Heizung, Strom und die Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Selenskyj reist überraschend nach Madrid: Treffen mit Sánchez“ (05.11.2026)
Der Beitrag ordnet Selenskyjs Reise als Versuch ein, beim Gipfel den Rückhalt für die Ukraine zu stärken und die Beziehungen zu Lateinamerika auszubauen. Er hebt neben den Gesprächen mit Sánchez und König Felipe VI. auch Selenskyjs Forderungen nach stärkerer Luftabwehr und einer engeren Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie hervor.
Gemeinsam ist der Darstellung mit der dpa-Meldung der überraschende Madrid-Besuch und die internationale Ausrichtung. Der Euronews-Bericht setzt darüber hinaus einen Schwerpunkt auf Sicherheitskooperation und den politischen Rahmen des Gipfels, während die dpa-Meldung die konkreten Bitten zur Energieversorgung in den Mittelpunkt stellt.
Damit bestätigt der Artikel den diplomatischen Zweck des Besuchs; offen bleibt, welche konkreten Zusagen die angesprochenen Staaten über politische Unterstützung hinaus machen.
