Wolodymyr Selenskyj, Donald Trump

Selenskyj nennt Trumps Sicherheitsplan für Europa gefährlich

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 13:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der ukrainische Präsident warnt, dass eine neue Sicherheitsordnung ohne vorherige Waffenruhe und Garantien die Ukraine und Europa spalten könnte. In Abu Dhabi sollen kommende Woche Vertreter der Ukraine und Russlands unter US-Vermittlung über das weitere Vorgehen sprechen.

Geplante Gespräche und europäische Sicherheitsordnung

  • Selenskyj verlangt vor Gesprächen über Europas Sicherheitsarchitektur zunächst ein Ende des Krieges.
  • Jared Kushner orientiert den US-Rahmen an der KSZE von 1975 und der Nato-Russland-Grundakte von 1997.
  • Vertreter der Ukraine und Russlands sollen kommende Woche unter US-Vermittlung in Abu Dhabi zusammentreffen.
Selenskyj will erst über Frieden sprechen, dann über eine künftige Sicherheitsarchitektur für Europa. (Archivbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Selenskyj warnt vor Sicherheitsordnung ohne Kriegsende

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält den US-Vorschlag für eine neue europäische Sicherheitsordnung als Ausweg aus dem russischen Angriffskrieg für gefährlich. In einem vorab veröffentlichten Ausschnitt eines CNN-Interviews warnte er, Russland könne den Ansatz nutzen, um Europa zu spalten.

Ukraine verlangt zuerst Waffenruhe

Selenskyj schrieb auf der Plattform X, zunächst müsse darüber gesprochen werden, wie der Krieg beendet werde. Danach brauche die Ukraine Sicherheitsgarantien, erst in einem dritten Schritt könne über eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa beraten werden.

Die Ukraine sei zu einer Waffenruhe und Deeskalation bereit, erklärte Selenskyj. Aus Moskau gebe es jedoch keine Signale des Einlenkens; deshalb sei es gefährlich, wenn die Gespräche mit einer neuen Sicherheitsstruktur für Europa begännen.

Trump wirbt für ein großes Abkommen

US-Präsident Donald Trump spricht seit Donnerstag von einem großen, bislang wenig konkretisierten Abkommen zwischen Russland, der Ukraine und Europa. Sein Schwiegersohn und Unterhändler Jared Kushner beschrieb auf X eine Sicherheitsordnung, die auf Kommunikation, militärischer Transparenz und der Verringerung von Eskalationsrisiken beruhen solle.

Kushner hatte zuvor in Brüssel mit europäischen Partnern, der Nato und der EU über mögliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine gesprochen. Sein Rahmen ähnelt Vereinbarungen der KSZE von 1975 und der Nato-Russland-Grundakte von 1997, die jeweils nach langen Verhandlungen und nicht während eines aktuellen Krieges entstanden.

Abu Dhabi wird zum nächsten Gesprächsort

Kommende Woche sollen Vertreter der Ukraine und Russlands unter US-Vermittlung in Abu Dhabi zusammentreffen. Kurz danach will Trump beim Apec-Gipfel in China den chinesischen Präsidenten Xi Jinping und Kremlchef Wladimir Putin treffen; zum G20-Gipfel in Florida hat er Putin persönlich eingeladen.

Selenskyj warnte vor Absprachen der Großmächte zulasten der EU, der Nato und der Ukraine. „Wir wollen kein Jalta, kein zweites Jalta haben“, sagte er mit Blick auf die Konferenz von 1945, bei der die Sowjetunion, die USA und Großbritannien Einflussbereiche in Deutschland und Europa festlegten.

Selenskyjs Warnung fällt in eine Phase, in der Washington die Beendigung des russischen Angriffskriegs mit einer umfassenderen europäischen Sicherheitsordnung verknüpfen will. Der Ansatz geht damit über eine reine Waffenstillstandsregelung hinaus: Er berührt die Beziehungen zwischen Russland, der Ukraine, den USA, der Nato und der Europäischen Union.

Der zentrale Konflikt liegt in der Reihenfolge und Zusammensetzung der Gespräche. Kiew verlangt zunächst ein Ende der Kämpfe und anschließend belastbare Sicherheitsgarantien. Erst danach soll über eine neue Architektur gesprochen werden. Russland und die USA setzen dagegen nach der dpa-Meldung auf einen breiteren Rahmen, der Sicherheitsfragen des gesamten Kontinents einbezieht.

Europas Rolle und offene Fragen

Die Debatte erinnert an frühere Vereinbarungen wie die KSZE-Schlussakte von 1975 und die Nato-Russland-Grundakte von 1997. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass diese Abkommen nicht während eines laufenden großen Krieges ausgehandelt wurden. Dadurch steigt das Risiko, dass Sicherheitsregeln zugleich als Instrument für die Kriegsbeendigung und als Grundlage einer neuen Machtordnung dienen sollen.

Für die Ukraine hängt die Bedeutung der geplanten Gespräche in Abu Dhabi deshalb davon ab, ob eine Waffenruhe, Sicherheitsgarantien und die europäische Beteiligung miteinander verbunden werden. Die angekündigten Treffen mit Putin und Xi könnten den diplomatischen Rahmen erweitern, ersetzen aber nicht die offene Frage, welche Staaten über Europas Sicherheit entscheiden dürfen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „EU lehnt Trumps "großen Sicherheitsdeal“ mit Russland ab“ (07.11.2026)

Der Beitrag berichtet über den Widerstand europäischer Regierungen gegen eine Neuordnung der kontinentalen Sicherheit ohne ihre Beteiligung. Er setzt den Schwerpunkt stärker auf die Positionen der EU und Polens und stellt heraus, dass eine Vereinbarung über Europas Zukunft ohne Europa politisch und praktisch auf Widerstand stoßen würde.

ZDFheute: „Trump kündigt "große Übereinkunft" mit Russland an - Kreml bremst“ (06.11.2026)

Der Artikel berichtet, Trump habe ein Abkommen mit Russland in Aussicht gestellt, das ganz Europa betreffen könne, während der Kreml zurückhaltend reagiere. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich stärker auf Trumps Ankündigung, die russische Reaktion und die geplanten Gespräche in Abu Dhabi.

Beide Beiträge bestätigen den breiteren europäischen Bezug des US-Vorstoßes und verorten die geplanten Gespräche als nächsten diplomatischen Schritt. Unterschiede bestehen vor allem beim Blickwinkel: Während Euronews die europäische Beteiligung betont, stellt ZDFheute die Zurückhaltung Moskaus und die amerikanische Vermittlungsrolle heraus.

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