Israels, Luftwaffe

Israels Luftwaffe legt Flughafen im Jemen lahm

06.05.2025 - 18:32:00

Siebenfach wolle Israel zurĂŒckschlagen – so hatte es Verteidigungsminister Katz nach einem Huthi-Angriff auf den Tel Aviver Flughafen angekĂŒndigt. Nun griff Israels Luftwaffe massiv im Jemen an.

  • Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat sich auf einer Siedlerkonferenz im Westjordanland zur Zukunft des Gazastreifens geĂ€ußert. (Archivbild) - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • Nach dem Willen der israelischen Regierung soll die Armee den Gazastreifen erobern und auf Dauer besetzt halten. (Archivbild) - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

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  • Rauchschwaden steigen nach israelischen Luftangriffen auf Flughafen in Sanaa und auf ein Kraftwerk auf.  - Foto: Osamah Abdulrahman/AP/dpa

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Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat sich auf einer Siedlerkonferenz im Westjordanland zur Zukunft des Gazastreifens geĂ€ußert. (Archivbild) - Foto: Ilia Yefimovich/dpaNach dem Willen der israelischen Regierung soll die Armee den Gazastreifen erobern und auf Dauer besetzt halten. (Archivbild) - Foto: Ariel Schalit/AP/dpaRauchschwaden steigen nach israelischen Luftangriffen auf Flughafen in Sanaa und auf ein Kraftwerk auf.  - Foto: Osamah Abdulrahman/AP/dpa

Zwei Tage nach dem Huthi-Raketenangriff auf den Tel Aviver Flughafen hat Israels Luftwaffe wiederum einen wichtigen Flughafen im Jemen bombardiert. Der Huthi-nahe TV-Sender Al-Masirah meldete mehrere Angriffe auf den internationalen Flughafen in Sanaa. Dabei seien drei Menschen getötet und 38 Personen verletzt worden. 

Der Sender sprach von Angriffen Israels und der USA. Auch eine Zementfabrik und ein Kraftwerk nahe dem Flughafen seien angegriffen worden. Die Huthi drohten, die Angriffe wĂŒrden nicht unbeantwortet bleiben, wie es in einer ErklĂ€rung des politischen BĂŒros der proiranischen Miliz hieß. Die USA Ă€ußerten sich zunĂ€chst nicht zu den Angriffen. 

Israels Armee: Flughafen vollstÀndig lahmgelegt

Israels Armee teilte mit, die Luftwaffe habe als Reaktion auf den Angriff auf den Flughafen am Sonntag in Tel Aviv die Infrastruktur der Huthi-Miliz auf dem Flughafen in Sanaa angegriffen und zerstört. Der Flughafen sei vollstĂ€ndig lahmgelegt worden. Getroffen wurden demnach auch Start- und Landebahnen sowie Flugzeuge. «Ähnlich wie der gestern angegriffene Hafen von Hudaida diente der Flughafen der Huthi-Terrororganisation als zentrale Drehscheibe fĂŒr den Transport von Waffen und Mitgliedern.» 

Das israelische MilitĂ€r habe zudem mehrere wichtige Kraftwerke im Raum Sanaa angegriffen. Die Huthi nutzten diese ebenfalls fĂŒr ihre Zwecke. Ein weiteres Ziel sei eine Betonfabrik gewesen, die die Miliz etwa fĂŒr den Bau von Tunneln brauche.

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte zu dem Angriff im Jemen, dies sei auch eine Warnung an Teheran und sprach dabei von der «iranischen Krake». Katz drohte: «Ihr tragt die direkte Verantwortung fĂŒr jeden Angriff des Krakenarms der Huthi auf den Staat Israel – und ihr werdet auch die Konsequenzen dafĂŒr tragen.»

Flugzeuge zerstört und beschÀdigt

Quellen am Flughafen bestĂ€tigten der Deutschen Presse-Agentur, dass der Flugbetrieb eingestellt wurde. Zwei Flugzeuge seien zerstört worden. Ein weiteres sei beschĂ€digt worden. Insgesamt seien an dem Flughafen nur vier Maschinen im Einsatz. Eine davon habe sich zum Zeitpunkt der Angriffe in der jordanischen Hauptstadt Amman befunden und sei wegen der Angriffe zunĂ€chst nicht zurĂŒckgekehrt.

Der UN-Sondergesandte fĂŒr den Jemen, Hans Grundberg, bezeichnete die jĂŒngsten Angriffe zwischen der Huthi-Miliz im Jemen und dem israelischen MilitĂ€r als gefĂ€hrliche Eskalation.

Israels Armee forderte Evakuierung des Flughafens in Sanaa

Ein Sprecher des israelischen MilitÀrs hatte zuvor alle «Anwesenden im Bereich des internationalen Flughafens» in Sanaa dazu aufgerufen, das FlughafengelÀnde sofort zu verlassen. Rund um den Flughafen befinden sich mehrere Wohngebiete.

Israel hatte am Montagabend bereits Dutzende Ziele der Huthi im Land angegriffen. Dabei gab es nach Angaben des von den Huthi kontrollierten Gesundheitsministeriums mindestens vier Tote und 35 Verletzte.

Eine Rakete der Huthi-Miliz war am Sonntag in der NĂ€he des Tel Aviver Flughafens Ben Gurion in Israel eingeschlagen. Israel drohte daraufhin mit Vergeltung.

Israel griff bereits zuvor den Flughafen in Sanaa an

Das US-MilitĂ€r greift bereits seit Monaten Ziele der Huthi-Miliz im Jemen an, mit dem erklĂ€rten Ziel, die internationale Schifffahrt im Roten Meer zu schĂŒtzen. Die Huthi greifen dort immer wieder Handels- und MilitĂ€rschiffe an und wollen diese Angriffe erst bei einem Ende des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der ebenfalls vom Iran unterstĂŒtzten Hamas beenden.

Auch Israels Luftwaffe hat seit Ausbruch des Gaza-Kriegs bereits mehrmals im Jemen angegriffen. Ende Dezember hatte das MilitÀr dabei schon einmal den Flughafen in Sanaa unter Beschuss genommen.

Die Huthi-Miliz kontrolliert große Gebiete im Norden des Landes samt der Hauptstadt Sanaa und der Hafenstadt Hudaida. Seitdem Israels Armee die Angriffe im Gazastreifen am 18. MĂ€rz wieder aufgenommen hat, feuert auch die Huthi-Miliz aus SolidaritĂ€t mit der islamistischen Hamas wieder regelmĂ€ĂŸig Geschosse Richtung Israel.

Hamas: GesprĂ€che ĂŒber Gaza-Waffenruhe haben keinen Sinn

Die islamistische Terrorgruppe Hamas hĂ€lt weitere GesprĂ€che mit Israel ĂŒber eine neue Waffenruhe im Gazastreifen und die Freilassung von Geiseln fĂŒr zwecklos. «Angesichts des Hungerkriegs, den Israel im Gazastreifen fĂŒhrt, haben Verhandlungen oder die Auseinandersetzung mit neuen VorschlĂ€gen keinen Sinn», teilte Basim Naim, hochrangiges Mitglied des PolitbĂŒros der Hamas, mit. Er ließ offen, ob die Hamas die GesprĂ€che mit Israel wieder aufnehmen will, wenn Israel die seit rund zwei Monaten andauernde Blockade von Hilfslieferungen beendet.

Israel wirft der Hamas vor, die HilfsgĂŒter abzugreifen und gewinnbringend an die Zivilbevölkerung zu verkaufen, um so wiederum ihre Mitglieder und Waffen zu finanzieren.

Israels Finanzminister droht mit «totaler Zerstörung» Gazas

Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich drohte unterdessen eine vollstĂ€ndige Zerstörung des Gazastreifens und die Vertreibung der Einwohner an. Smotrich sprach auf einer Siedlerkonferenz im Westjordanland und antwortete auf die Frage, wie fĂŒr ihn ein Sieg im Gaza-Krieg aussehe: «Gaza total zerstört.» Er beschrieb den KĂŒstenstreifen als «eine einzige große Terrorinfrastruktur, ĂŒber und unter der Erde». 

Die Einwohner sollten ganz im SĂŒden des KĂŒstenstreifens, sĂŒdlich der ehemaligen israelischen Siedlung Morag, in einer «humanitĂ€ren Zone» konzentriert werden, forderte Smotrich. Von dort aus sollten die Einwohner dann in großer Zahl den Gazastreifen verlassen und in DrittlĂ€nder gehen. Innerhalb eines halben Jahres werde es im Gazastreifen keine Hamas mehr geben, meinte der Minister. Die Organisation werde dann «aufhören, als militĂ€risches oder ziviles Gebilde zu funktionieren». 

Die israelische Armee soll nach dem Willen der Regierung den Gazastreifen erobern und auf Dauer besetzt halten. FĂŒr die großangelegte Offensive werden Zehntausende Reservisten mobilisiert.

@ dpa.de