Angriffe auf Ghom und Atom-Einrichtung in Isfahan
21.06.2025 - 10:45:22Im Krieg zwischen Israel und dem Iran erscheint eine diplomatische Lösung zunehmend ungewiss. In der Nacht lieferten sich die Erzfeinde erneute Angriffe. Die israelische Armee startete nach eigenen Angaben eine Serie von Attacken gegen Raketenlager, Abschusseinrichtungen im Landesinneren des Irans sowie eine Atom-Einrichtung in der Stadt Isfahan.Â
Das der iranischen Regierung nahestehende Onlineportal «Iran Nuances» berichtete, in der zentraliranischen Stadt Isfahan sei es zu einer Explosion gekommen. Ein israelischer MilitĂ€rreprĂ€sentant bestĂ€tigte Angriffe auf eine Atom-Einrichtung in Isfahan. Ziel der Angriffe seien die Fertigungsanlagen fĂŒr Uran-Zentrifugen in der Anlage gewesen. Bereits zu Beginn der israelischen Offensive im Iran wurden Einrichtungen der Nuklearindustrie dort angegriffen.
Israel: Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden in Ghom getötet
Bei einem israelischen Angriff auf die iranische Stadt Ghom wurde nach Angaben von Israels MilitĂ€r ein Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden getötet. Nach Angaben von Verteidigungsminister Israel Katz handelte es sich dabei um den AnfĂŒhrer des sogenannten PalĂ€stina-Korps der Auslandseinheit der Elitestreitmacht des Irans Said Isadi.
Staatsnahe Medien im Iran meldeten zuvor einen israelischen Angriff auf Ghom. Dabei seien mindestens eine 16-jÀhrige Person getötet und zwei Menschen verletzt worden, berichtete «Iran Nuances». Es sei ein WohngebÀude getroffen worden. Ghom liegt rund 50 Kilometer nördlich der Uran-Anreicherungsanlage in Fordo. Die Anlage gilt als das wichtigste Ziel Israels in dem aktuellen Krieg.
US-PrĂ€sident Donald Trump hatte am Donnerstag erklĂ€ren lassen, dass er innerhalb der nĂ€chsten zwei Wochen entscheiden will, ob die USA als wichtigster VerbĂŒndeter Israels in den Krieg eingreifen werden.Â
Trotz des wachsenden Drucks lehnt der Iran nach den Worten von AuĂenminister Abbas Araghtschi Verhandlungen ab, so lange Israels Angriffe andauern. Israels FĂŒhrung zeigt jedoch keine Anzeichen, die vor einer Woche begonnene MilitĂ€rkampagne im Iran einzustellen. «Wir mĂŒssen uns auf einen lĂ€nger dauernden Einsatz einstellen», sagte Israels Generalstabschef Ejal Zamir. «Wir haben den komplexesten Einsatz unserer Geschichte begonnen.»
Israel schĂ€tzt, dass seine Angriffe im Iran die Entwicklung einer Atombombe durch die Islamische Republik um Jahre verzögert haben. «Ich glaube, laut den EinschĂ€tzungen, die wir hören, haben wir die Möglichkeit fĂŒr sie, eine Atombombe zu erlangen, bereits um mindestens zwei oder drei Jahre verzögert», sagte der israelische AuĂenminister Gideon Saar in einem «Bild»-Interview. Israel habe viel erreicht, werde aber «nicht aufhören, bis wir alles getan haben, was möglich ist, um diese Bedrohung zu beseitigen», sagte Saar.Â
Israels AuĂenminister: Iran tĂ€uscht die WeltÂ
In einem anderen Interview mit dem japanischen Fernsehsender NHK sagte er: «Wir werden nicht zulassen, dass der Iran wie Nordkorea wird. Der Iran hat versucht, den Weg Nordkoreas einzuschlagen, weil er glaubt, dass die Sicherheit seines Regimes durch Atomwaffen gewĂ€hrleistet wird. Aber wir werden das im Iran nicht zulassen». Auf die Frage von NHK, ob Israel bereit sei, eine diplomatische Lösung im Konflikt mit dem Iran zu akzeptieren, sagte Saar: «Persönlich glaube ich nicht, dass der Iran eine (diplomatische) Lösung anstrebt. Der Iran versucht, die internationale Gemeinschaft zu tĂ€uschen».Â
Trump hĂ€lt die jĂŒngsten VermittlungsbemĂŒhungen der EuropĂ€er fĂŒr nicht zielfĂŒhrend. «Der Iran will nicht mit Europa sprechen. Sie wollen mit uns sprechen. Europa kann dabei nicht helfen», sagte Trump auf die Frage eines Journalisten, ob die GesprĂ€che der EuropĂ€er hilfreich gewesen seien. Es gebe aktuell Kontakte der USA mit dem Iran, und man werde sehen, was passiere. Die AuĂenminister von Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien hatten sich am Freitag in Genf mit ihrem iranischen Kollegen Araghtschi getroffen. Die EuropĂ€er und auch Teheran wollen die GesprĂ€che fortsetzen.
Irans AuĂenminister ist derweil nach Istanbul gereist, um dort heute an einer Sitzung des AuĂenministerrats der Organisation fĂŒr Islamische Zusammenarbeit (OIC) teilzunehmen.
Trump: Israel «gewinnt» den Krieg aktuell
Araghtschi betonte allerdings: «Solange die Angriffe Israels andauern, werden wir mit keiner Partei verhandeln.» Zu einer Forderung aus Teheran, wonach es vor Verhandlungen eine Waffenruhe brĂ€uchte, sagte Trump, es sei schwierig, das von Israel zu verlangen, weil Israel in dem Krieg aktuell gewinne. Eine solche Forderung wĂ€re einfacher, wenn die eine Seite nicht die Oberhand hĂ€tte.Â
Trump will diplomatischen BemĂŒhungen eigenen Angaben vom Donnerstag zufolge noch rund zwei Wochen Zeit geben, bevor er eine Entscheidung ĂŒber eine mögliche Kriegsbeteiligung der USA trifft. Auf dem Weg in sein Wochenende sagte Trump vor Journalisten am Freitag am Flughafen in Morristown im Bundesstaat New Jersey, «zwei Wochen sind das Maximum».
Iran: Wissen nicht, ob wir USA noch vertrauen könnenÂ
In einem GesprĂ€ch mit dem US-Sender NBC News in Genf zweifelte Irans AuĂenminister daran, dass Washington an diplomatischen BemĂŒhungen zur Beendigung des Krieges interessiert ist. Araghtschi Ă€uĂerte den Verdacht, dass die USA vorherige Verhandlungen mit der Islamischen Republik nur als Deckmantel fĂŒr Israels Offensive nutzten. «Sie hatten vielleicht diesen Plan im Kopf und brauchten die Verhandlungen nur, um ihn zu verschleiern», sagte Araghtschi. «Wir wissen nicht, wie wir ihnen noch vertrauen können. Was sie getan haben, war in Wirklichkeit ein Verrat an der Diplomatie», sagte er.
Erneute Angriffe
Kurz vor den neuen israelischen Angriffen auf den Iran hatte der Iran seinerseits Israel mit Raketen angegriffen, die jedoch anscheinend abgefangen werden konnten. Es gab keine Berichte ĂŒber EinschlĂ€ge. TrĂŒmmer einer abgefangenen Rakete verursachten Medien zufolge zwar ein Feuer auf dem Dach eines Wohnhauses, SchĂ€den in Wohnungen gebe es aber wohl nicht.
Die Bevölkerung könne die SchutzrĂ€ume wieder verlassen, teilte das MilitĂ€r mit. Am Vortag waren bei einem iranischen Raketenbeschuss in der israelischen Mittelmeerstadt Haifa laut dem Rettungsdienst mindestens 23 Menschen verletzt worden, drei davon schwer.Â
Deutsche aus Israel ausgeflogen
Die Bundeswehr flog unterdessen erstmals seit Beginn des Krieges deutsche StaatsbĂŒrger direkt aus Israel aus. Zwei Maschinen mit 64 RĂŒckkehrern an Bord landeten in der Nacht am Flughafen Köln/Bonn in Nordrhein-Westfalen. Wegen des Krieges zwischen Israel und dem Iran ist der Luftraum in beiden LĂ€ndern fĂŒr den Luftverkehr gesperrt.









