Grönland, USA

Truppen in Grönland erwartet - USA zeigen sich unbeeindruckt

16.01.2026 - 04:24:32

Soldaten aus mehreren Nato-Staaten sollen heute in Grönland ankommen. Ist das ein Signal der StÀrke an US-PrÀsident Donald Trump? Klar wird zumindest, was auf die EU-Staaten zukommen könnte.

  • Mit Blick auf die Erkundungsmission deutscher Soldaten in Grönland ruft Verteidigungsminister Boris Pistorius zu Gelassenheit auf. - Foto: Soeren Stache/dpa

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  • Die Soldaten aus Nato-LĂ€ndern werden am Freitag erwartet. - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

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  • Der dĂ€nische Außenminister Rasmussen sieht nach dem GesprĂ€ch mit US-Vertretern fundamentale Meinungsverschiedenheiten.  - Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa

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Mit Blick auf die Erkundungsmission deutscher Soldaten in Grönland ruft Verteidigungsminister Boris Pistorius zu Gelassenheit auf. - Foto: Soeren Stache/dpaDie Soldaten aus Nato-LĂ€ndern werden am Freitag erwartet. - Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpaDer dĂ€nische Außenminister Rasmussen sieht nach dem GesprĂ€ch mit US-Vertretern fundamentale Meinungsverschiedenheiten.  - Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa

Die US-Regierung zeigt sich von der Ankunft von Soldaten aus Nato-Staaten in Grönland unbeeindruckt. «Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des PrĂ€sidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben», sagte die Regierungssprecherin von US-PrĂ€sident Donald Trump, Karoline Leavitt, im Weißen Haus. 

Mehrere Nato-VerbĂŒndete DĂ€nemarks senden derzeit im Rahmen einer militĂ€rischen Erkundungsmission Soldaten auf die Arktisinsel. Es handelt sich bei der Erkundung unter der FĂŒhrung DĂ€nemarks nicht um eine Mission der Nato - die beteiligten LĂ€nder sind aber Mitgliedsstaaten der Verteidigungsallianz. 

Das weitgehend autonome Grönland gehört zum Hoheitsgebiet des Nato-Mitglieds DÀnemark. An der Mission beteiligt sich auch die Bundeswehr. Vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen startete am Donnerstag ein Transportflugzeug vom Typ A400M mit etwas mehr als einem Dutzend Soldaten an Bord. Nach einem Stopp in DÀnemark sollen die Soldaten heute zusammen mit weiteren Partnern mit einem zivilen dÀnischen Flugzeug in Grönland eintreffen. 

Unter anderem Norwegen, Schweden, Finnland, Großbritannien, Frankreich und die Niederlande schicken Soldaten. Einige sind Berichten zufolge bereits eingetroffen.

Im Fall der FĂ€lle mĂŒssten EU-Staaten DĂ€nemark zu Hilfe kommen

Eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas stellte klar: Im Fall eines gewaltsamen Konflikts um Grönland könnten Deutschland und die anderen EU-Staaten auf Antrag DĂ€nemarks hin Beistand leisten mĂŒssen. 

Grönland sei Teil des Hoheitsgebiets des Königreichs DĂ€nemark und fiele daher grundsĂ€tzlich unter die gegenseitige SolidaritĂ€tsklausel in Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags, sagte die Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte sie, dass sich die Frage einer Anwendung derzeit nicht stelle. GrundsĂ€tzlich gilt eine militĂ€rische Konfrontation als sehr unwahrscheinlich, weil sich vermutlich niemand mit der mĂ€chtigsten MilitĂ€rmacht der Welt anlegen wĂŒrde.

Pistorius: Zeitpunkt der Entsendung ist «Zufall»

Verteidigungsminister Boris Pistorius ruft derweil zu Gelassenheit auf. «Hier geht es fĂŒr uns als europĂ€ische Mitglieder der Nato vor allem darum, deutlich zu machen, dass wir zu unseren Verpflichtungen stehen. Etwas, das wir bis vor einigen Jahren nicht ausdrĂŒcklich genug getan haben», sagte der SPD-Politiker im ZDF-«heute journal». An dieser Stelle tĂ€ten Gelassenheit und SouverĂ€nitĂ€t gut.

Angesprochen auf den Zeitpunkt der Entsendung der deutschen Soldaten sagte Pistorius in den ARD-«Tagesthemen», dies sei «ein zeitlicher Zufall». «Das ist ja schon deshalb Zufall, weil wir, als wir die Planung dafĂŒr aufgesetzt haben, noch gar nicht wissen konnten, erstens, dass das GesprĂ€ch am Mittwoch stattfindet und wie es ausgehen wĂŒrde.» An dem Tag war es zu einem weitgehend ergebnislosen KrisengesprĂ€ch zwischen den USA, DĂ€nemark und Grönland gekommen. 

Bislang sei man zu See unterwegs gewesen, sagte Pistorius - jetzt gehe es um die Frage, wie an Land gemeinsam mit anderen StreitkrĂ€ften der Nato geĂŒbt werden könne. Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner bezeichnete die Mission in der «Rheinischen Post» als «Symbolpolitik». 

Russischer Botschafter wirft Nato Militarisierung der Arktis vor

Der russische Botschafter in DĂ€nemark wirft der Nato angesichts der US-AnsprĂŒche auf Grönland vor, in der Arktis militĂ€risch aufrĂŒsten zu wollen. Nato-Staaten, einschließlich DĂ€nemark, nutzten das Schreckgespenst einer russischen oder chinesischen Bedrohung in großem Stil, um die Arktis zu militarisieren, sagte Wladimir Barbin der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Das Nato-Mitglied DĂ€nemark verfolge «durch das Hineinziehen der Nato» in die Arktis einen konfrontativen Ansatz, der zu steigenden militĂ€rischen Spannungen in der Region fĂŒhre. 

Russland mit seiner langen NordkĂŒste am Polarmeer betrachtet die Arktis als seine InteressensphĂ€re. Es nutzt verstĂ€rkt die Seewege in der Region und baut seine militĂ€rische PrĂ€senz aus.

USA sprechen von einem «produktiven Treffen»

Ein KrisengesprĂ€ch zwischen den USA, DĂ€nemark und Grönland hatte am Mittwoch keine Lösung im Konflikt um die BesitzansprĂŒche der USA gebracht. Dem dĂ€nischen Außenminister Lars LĂžkke Rasmussen zufolge offenbarte das Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio und US-VizeprĂ€sident JD Vance «fundamentale» Meinungsverschiedenheiten. Trump war nicht dabei.

US-Regierungssprecherin Leavitt sprach indes von einem «produktiven Treffen». Sie sagte, man habe sich darauf geeinigt, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die technische GesprĂ€che ĂŒber den Kauf Grönlands fĂŒhren solle. Es sei ihr gesagt worden, dass diese Treffen alle zwei bis drei Wochen stattfinden sollen, ergĂ€nzte Leavitt.

Schon direkt vor dem Treffen hatte der US-PrĂ€sident noch einmal deutlich gemacht, dass er nicht daran denke, sein Interesse an dem rohstoffreichen Grönland aufzugeben. Er verwies dabei erneut auf strategische Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten, die sich angeblich nicht ĂŒber die Nato schĂŒtzen ließen.

FĂŒr Aufsehen und Beunruhigung sorgt Trumps Äußerungen vor allem, weil er bislang auch militĂ€rischen Zwang nicht ausschließt, um Kontrolle ĂŒber Grönland zu erlangen. Die Insel ist zu vier FĂŒnfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.

@ dpa.de