Biden macht nach TV-Debakel Wahlkampf und trifft Familie
30.06.2024 - 04:28:32 | dpa.deUS-PrĂ€sident Joe Biden setzt nach dem TV-Debakel Ă€uĂerlich unbeirrt seinen Wahlkampf fort und weist Forderungen nach einem RĂŒckzug von sich. Der 81-JĂ€hrige sammelte am Samstag in New Jersey und den Hamptons nahe New York Spenden - die Hamptons sind als Wochenendreiseziel der Reichen und Schönen bekannt. «Ich verstehe die Bedenken nach der Debatte», gestand der 81-JĂ€hrige laut mitreisender Presse bei einer der exklusiven und nichtöffentlichen Veranstaltungen ein. «Ich hatte keinen groĂartigen Abend, aber ich werde noch hĂ€rter kĂ€mpfen.» Auch sein Wahlkampfteam machte klar, dass der Demokrat im Rennen ums WeiĂe Haus bleiben will. Bei einem Treffen Bidens mit seiner Familie dĂŒrften das Debakel und mögliche Konsequenzen jedoch Thema sein.Â
Biden lieferte sich am Donnerstagabend (Ortszeit) ein TV-Duell mit seinem republikanischen Kontrahenten und AmtsvorgĂ€nger Donald Trump. Beide wollen nach der PrĂ€sidentenwahl im November wieder ins WeiĂe Haus einziehen. Umfragen zufolge lĂ€uft es bisher auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hinaus. Bidens Auftritt war allerdings ein Fiasko - er verlor den Faden, nuschelte, starrte mit offenem Mund ins Leere und konnte hĂ€ufig seine SĂ€tze nicht richtig beenden. Nach dem Duell ist in den USA eine Debatte darĂŒber entbrannt, ob der 81-JĂ€hrige der richtige Kandidat fĂŒr die Demokraten ist. «Um seinem Land zu dienen, sollte PrĂ€sident Biden aus dem Rennen aussteigen», schrieb die «New York Times» in einem MeinungsstĂŒck.
Biden kommt mit Familie in Camp David zusammen
Bidens Wahlkampfteam versuchte am Wochenende dagegenzuhalten. «Bei der Debatte gab es nur eine Person, die es nicht verdient, als PrĂ€sidentschaftskandidat anzutreten. Je frĂŒher Trump die BĂŒhne verlĂ€sst, desto besser wird es dem Land gehen», hieĂ es in einer E-Mail an ParteianhĂ€nger. Die Daten wĂŒrden zeigen, dass das Duell nichts an der Wahrnehmung der amerikanischen Bevölkerung geĂ€ndert habe. «Joe Biden wird der Kandidat der Demokraten sein, Punkt», hieĂ es in einem andrem Text. Eine «BettnĂ€sser-Brigade» wĂŒrde Biden zum RĂŒckzug auffordern.Â
Biden reiste am Samstagabend (Ortszeit) nach Camp David, dies ist der Landsitz von US-PrĂ€sidenten nahe Washington. Dort wolle Biden die Zukunft seines Wahlkampfs mit der Familie besprechen, berichtete der Sender NBC. Das WeiĂe Haus wies das zurĂŒck. Der Ansatz des Berichts sei nicht korrekt. Die Regierungszentrale betonte, dass der Trip bereits vor der Debatte geplant gewesen sei.Â
Entscheidung liegt bei Biden
Zuvor wurde Biden der mitreisenden Presse zufolge in der Stadt East Hampton bei New York auf dem Weg zu einer Spendenveranstaltung von einigen Demonstranten in Empfang genommen. Diese hielten demnach am StraĂenrand Schilder hoch, auf denen zum Beispiel «Wir lieben dich, aber es ist an der Zeit» oder «Tritt zurĂŒck fĂŒr die Demokratie» stand. Bisher steht die erste Reihe der Demokratischen Partei geschlossen hinter Biden. TatsĂ€chlich dĂŒrften aber die kommenden Tage entscheidend sein. Denn dann dĂŒrften Umfragen zeigen, ob sich Bidens schwacher Auftritt bei den WĂ€hlerinnen und WĂ€hlern niederschlĂ€gt.
Beim Parteitag im August in Chicago soll Biden offiziell zum PrĂ€sidentschaftskandidaten seiner Partei gekĂŒrt werden. Die nötigen Delegiertenstimmen dafĂŒr hat er bereits bei den Vorwahlen gesammelt - der Krönungsparteitag ist zumindest bisher reine Formsache. Theoretisch ist es aber möglich, dass die Partei kurzfristig umsattelt und Biden aus dem Rennen nimmt. DafĂŒr mĂŒsste Biden aber selbst den Weg freimachen und zurĂŒckziehen. Beobachter halten das fĂŒr unwahrscheinlich. Und selbst wenn dieser Fall eintrĂ€te, stellt sich die Frage, wer Biden nachfolgen könnte im Duell gegen den 78 Jahre alten Trump.Â
Suche nach potenzieller Alternative schwierig
Die natĂŒrliche Nachfolge wĂ€re VizeprĂ€sidentin Kamala Harris. Die 59-JĂ€hrige ist allerdings sehr unpopulĂ€r und dĂŒrfte kaum die erste Wahl sein. Ob sie freiwillig Platz machen wĂŒrde, ist völlig offen. Ein Name, der fĂ€llt, ist Gavin Newsom. Der 56 Jahre alte Gouverneur des liberalen US-Bundesstaats Kalifornien schielt schon lĂ€nger aufs WeiĂe Haus. Doch ob der eloquente Vollblutpolitiker, der einst BĂŒrgermeister von San Francisco war, bei der lĂ€ndlichen Bevölkerung punkten könnte, ist fraglich. Auch Gretchen Whitmer, die 52 Jahre alte Gouverneurin des Bundesstaats Michigan, wird als Option genannt. Die Juristin kann eine lange Karriere in der Politik vorweisen und zĂ€hlt zum FĂŒhrungszirkel der Demokratischen Partei. Wegen ihrer verhĂ€ltnismĂ€Ăig strikten Coronapolitik ist sie zum Feindbild vieler Republikaner geworden.
Als Lichtgestalt gilt fĂŒr viele Demokratinnen und Demokraten Michelle Obama, die frĂŒhere First Lady und Ehefrau von Ex-PrĂ€sident Barack Obama. Rufe danach, dass die 60-JĂ€hrige ins Rennen ums WeiĂe Haus einsteigen soll, gibt es immer wieder. Sie hat das stets zurĂŒckgewiesen. Eine plötzliche MeinungsĂ€nderung gilt als sehr unwahrscheinlich. Viele Beobachter tun die Diskussion ĂŒber eine Alternative zu Biden ohnehin als bloĂes Gedankenspiel ab. Zum einen sei es viel zu kurzfristig, rund vier Monate vor der Wahl auf ein neues Pferd zu setzen, heiĂt es. Zum anderen denke Biden gar nicht daran, das Handtuch zu werfen.Â
First Lady Jill Biden hat bedeutende Rolle
In den Fokus rĂŒckte dabei zuletzt auch First Lady Jill Biden. Ein Videoschnipsel von ihr nach der Debatte sorgte fĂŒr Spott. Darin lobte sie ihren Ehemann nach dem Duell ĂŒberschwĂ€nglich dafĂŒr, dass er «alle Fragen beantwortet» habe. Die Bidens sind seit 47 Jahren verheiratet. Jill Biden gilt als engste Vertraue des US-PrĂ€sidenten, das Wort der 73-JĂ€hrigen hat Gewicht. Sie stellte sich nach dem verpatzten TV-Duell demonstrativ hinter ihren Ehemann. «Joe ist nicht nur die richtige Person fĂŒr diesen Job», sagte sie am Samstag bei einem Spendensammel-Event. «Er ist die einzige Person fĂŒr den Job.»
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