Kommunalwahl, TĂŒrkei

Kommunalwahl in der TĂŒrkei: Erdogans AKP droht RĂŒckschlag

31.03.2024 - 20:43:30

StaatsprĂ€sident Erdogan hatte sich zum Ziel gesetzt, Istanbul mit seiner AKP zurĂŒckzugewinnen. Doch nun liegt die Opposition vorn. Auch landesweit steuert die AKP auf einen Stimmverlust zu.

  • Gut zehn Monate nach seiner Wiederwahl gilt die Abstimmung als Stimmungstest fĂŒr den PrĂ€sidenten und seine AKP: Recep Tayyip Erdogan. - Foto: Francisco Seco/AP/dpa

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  • Gut zehn Monate nach seiner Wiederwahl gilt die Abstimmung als Stimmungstest fĂŒr den PrĂ€sidenten und seine AKP: Recep Tayyip Erdogan. - Foto: Marton Monus/dpa

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Gut zehn Monate nach seiner Wiederwahl gilt die Abstimmung als Stimmungstest fĂŒr den PrĂ€sidenten und seine AKP: Recep Tayyip Erdogan. - Foto: Francisco Seco/AP/dpaGut zehn Monate nach seiner Wiederwahl gilt die Abstimmung als Stimmungstest fĂŒr den PrĂ€sidenten und seine AKP: Recep Tayyip Erdogan. - Foto: Marton Monus/dpa

Bei den Kommunalwahlen in der TĂŒrkei zeichnet sich landesweit ein starker Stimmverlust der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan ab. Die Opposition kann zudem darauf hoffen, die Kontrolle ĂŒber die wichtigsten StĂ€dte des Landes zu behalten, darunter auch die Millionenmetropole Istanbul und die Hauptstadt Ankara.

Nach AuszĂ€hlung von rund einem Drittel der Stimmen lag die grĂ¶ĂŸte Oppositionspartei CHP landesweit mit rund 39 Prozent knapp vor der AKP (rund 37 Prozent), wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf inoffizielle vorlĂ€ufige Zahlen berichtete. Bei den vorigen Kommunalwahlen 2019 hatte die AKP 44 Prozent der Stimmen erreicht. Inoffizielle Ergebnisse zeigten der staatlichen Agentur zufolge, dass Erdogans AKP in den fĂŒnf bevölkerungsreichsten StĂ€dten, einschließlich Istanbul und Ankara, auf eine Niederlage zusteuerte. Mit ersten offiziellen Ergebnissen wurde am spĂ€teren Abend gerechnet.

Tödliche Auseinandersetzungen im SĂŒdosten

Rund 61 Millionen Menschen in 81 Provinzen waren dazu aufgerufen, BĂŒrgermeister, GemeinderĂ€te und andere Kommunalpolitiker zu wĂ€hlen. Die Abstimmung galt als bedeutendes Stimmungsbarometer und als Weichensteller fĂŒr die politische Zukunft des Landes. Im SĂŒdosten kam es im Zusammenhang mit der Abstimmung zu tödlichen Auseinandersetzungen.

Erdogan hatte sich vor allem zum Ziel gesetzt, die Metropole Istanbul mit seiner AKP zurĂŒckzugewinnen. Ekrem Imamoglu von der grĂ¶ĂŸten Oppositionspartei CHP hatte Erdogans regierender AKP 2019 die Macht in Istanbul entrissen und damit 25 Jahre der Regierung islamisch-konservativer Parteien beendet. Die AKP ließ die Wahl damals annullieren. In der zweiten Runde gewann Imamoglu mit noch grĂ¶ĂŸerem Abstand - der Erfolg gilt als schwerster RĂŒckschlag in Erdogans bisheriger politischer Karriere. In Istanbul hatte einst auch Erdogans politischer Aufstieg seinen Anfang genommen, als er 1994 zum BĂŒrgermeister gewĂ€hlt wurde.

In der sĂŒdosttĂŒrkischen Metropole Diyarbakir wurde ein Mensch getötet, elf weitere wurden verletzt, nachdem ein Streit ĂŒber die Wahl eines Gemeindevorstehers ausgeartet war, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Auch in der Provinz Siirt sei ein Streit rund um die Wahl eskaliert und dabei ein Mensch getötet worden.

Wahl unter schwierigen Vorzeichen

Die hohe Inflationsrate und die wirtschaftliche Lage dĂŒrften Erdogans Partei Stimmen gekostet haben. Die Opposition wiederum, die bei der Parlaments- und PrĂ€sidentenwahl 2023 noch im BĂŒndnis antrat, galt als zerstritten und trat nicht mehr geschlossen an.

Der Wahlkampf galt als unfair - ein Großteil der Medien in der TĂŒrkei steht unter direkter oder indirekter Kontrolle der Regierung. GrĂ¶ĂŸere UnregelmĂ€ĂŸigkeiten bei der Abstimmung wurden zunĂ€chst nicht gemeldet. Die Partei DEM teilte mit, in der sĂŒdosttĂŒrkischen Provinz Sanliurfa hĂ€tten Beamte versucht, an mehr als einer Urne abzustimmen. Man habe dies verhindert und dokumentiert.

Eine Delegation des Europarats und der Partei die Linke beobachtete die Wahlen vor Ort. Einen geordneten Ablauf sollten auch Tausende Freiwillige gewĂ€hrleisten. Der Verein Oy ve Ötesi erklĂ€rte kurz vor der Abstimmung, man habe 30 000 Menschen rekrutieren können. Das seien mehr als bei den Kommunalwahlen 2019, aber deutlich weniger als bei den Parlaments- und PrĂ€sidentschaftswahlen 2023, zu denen sich 200.000 Menschen als Wahlhelfer gemeldet hĂ€tten.

@ dpa.de