Deutsch-britisches, Freundschaftsabkommen

Deutsch-britisches Freundschaftsabkommen unterzeichnet

17.07.2025 - 13:22:51

StĂ€rkere RĂŒstungskooperation, EindĂ€mmung irregulĂ€rer Migration, aber auch konkrete Reiseerleichterungen und eine Bahnverbindung - so soll die deutsch-britische Freundschaft erneuert werden.

  • Der Vertrag umfasst 27 Seiten und wird von einem Aktionsplan mit 17 Punkten flankiert. - Foto: Michael Kappeler/dpa

    Michael Kappeler/dpa

  • Es ist der Antrittsbesuch von Kanzler Merz in London - einer seiner bisher wichtigsten. - Foto: Leon Neal/Getty Images Europe Pool via AP/dpa

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Der Vertrag umfasst 27 Seiten und wird von einem Aktionsplan mit 17 Punkten flankiert. - Foto: Michael Kappeler/dpaEs ist der Antrittsbesuch von Kanzler Merz in London - einer seiner bisher wichtigsten. - Foto: Leon Neal/Getty Images Europe Pool via AP/dpa

FĂŒnf Jahre nach dem Brexit haben Deutschland und Großbritannien ihre Beziehungen mit einem umfassenden Freundschaftsvertrag auf eine neue Grundlage gestellt. Bundeskanzler Friedrich Merz und der britische Premierminister Keir Starmer unterzeichneten bei einer feierlichen Zeremonie im Victoria und Albert Museum in London das 27 Seiten starke Dokument, das von einem Aktionsplan mit 17 Punkten flankiert wird. 

«Das ist ein historischer Tag fĂŒr die deutsch-britischen Beziehungen», sagte Merz. «Es ist ĂŒberfĂ€llig, dass wir einen solchen Vertrag miteinander abschließen.» Es gebe «so viele Bereiche, in denen das Vereinigte Königreich und wir eng zusammenarbeiten können, noch enger als in der Vergangenheit».

Mit dem Vertrag soll die Zusammenarbeit in der Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik, bei der EindĂ€mmung irregulĂ€rer Migration und der BekĂ€mpfung der grenzĂŒberschreitenden KriminalitĂ€t vertieft werden. Es sind aber auch konkrete Reiseerleichterungen wie Visafreiheit fĂŒr Klassenfahrten von SchĂŒlergruppen geplant sowie eine direkte Bahnverbindung zwischen beiden LĂ€ndern.

Beide LĂ€nder seien «von dem Wunsch geleitet, angesichts grundlegender VerĂ€nderungen des geopolitischen Umfelds ihre KrĂ€fte zu bĂŒndeln, um ihren BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern sowie ihren offenen, demokratischen Gesellschaften eine von Wohlstand, Sicherheit und Nachhaltigkeit geprĂ€gte Zukunft zu bieten», heißt es in PrĂ€ambel des Vertrags. Großbritannien war 2020 nach einem Referendum aus der EU ausgetreten und versucht nun, die Verbindung zu einzelnen Mitgliedstaaten durch bilaterale Abkommen zu stĂ€rken.

Das sind die wichtigsten Punkte aus dem Vertrag und Aktionsplan mit Deutschland:

MobilitÀt: Visafreiheit und Bahnverbindung

Die Visafreiheit fĂŒr deutsche SchĂŒlergruppen, die auf Klassenfahrt nach Großbritannien reisen, soll ab Ende des Jahres gelten. Probleme bereitet etwa, dass SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ohne deutschen Pass - also beispielsweise aus Syrien oder Afghanistan - ein Visum fĂŒr Großbritannien beantragen mĂŒssen, was sich oft schwierig gestaltet. Um diese Kinder nicht effektiv von der Klassenfahrt auszuschließen, verzichten manche Schulen derzeit ganz auf den Großbritannien-Austausch.

ZusĂ€tzlich soll eine Expertengruppe nach Lösungen fĂŒr weitere durch den Brexit entstandene «MobilitĂ€tsprobleme» suchen - gerade fĂŒr die Bereiche Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie fĂŒr politische Organisationen.

In zehn Jahren sollen die ersten ZĂŒge direkt von Deutschland nach Großbritannien rollen - unter den Ärmelkanal hindurch. Bisher ist das, auch bedingt durch die nötige Passkontrolle, nur mit Umsteigen möglich. Zur Realisierung der Bahnverbindung wird eine Task-Force eingesetzt.

Bereits ab Ende August sollen erste britische Reisende automatisierte Grenzkontrollstellen (E-Gates) nutzen können. Die Nutzung dieser Systeme soll anschließend so schnell ausgebaut werden, wie es die technischen Möglichkeiten hergeben.

Verteidigung: Beistand und RĂŒstungskooperation

Die beiden LĂ€nder unterstreichen die durch ihre Nato-Mitgliedschaft schon bestehende militĂ€rische Beistandspflicht im Angriffsfall. Sie ist nicht zuletzt von Bedeutung, weil Großbritannien eine Atommacht ist.

Innerhalb eines Jahrzehnts soll ein europÀisches Waffensystem unter Beteiligung beider LÀnder entwickelt werden, mit dem Ziele in 2.000 Kilometern Entfernung getroffen werden können. Ein solches System gibt es bisher nicht aus europÀischer Produktion. Russland hat aber Mittelstreckenraketen. Die EuropÀer wollen mit den Waffen ein Gleichgewicht bei Abschreckung und VerteidigungsfÀhigkeit herstellen.

Auch der Export gemeinsam produzierter RĂŒstungsgĂŒter soll erleichtert werden. Deutschland stand dabei bisher wegen sehr strikter Regeln oft auf der Bremse. Die Briten erhoffen sich von einem Kurswechsel zusĂ€tzliche Ausfuhren in Milliardenhöhe.

Migration: BekÀmpfung der SchleuserkriminalitÀt

Zur EindĂ€mmung der irregulĂ€ren Migration wollen die beiden LĂ€nder einen Aktionsplan auflegen. Der Kampf gegen SchleuserkriminalitĂ€t soll unter anderem durch gegenseitige Rechtshilfe, UnterstĂŒtzung bei der Verfolgung von StraftĂ€tern und effektive Grenzkontrollen vorangetrieben werden.

Die Labour-Regierung von Premierminister Starmer steht innenpolitisch massiv unter Druck, die zuletzt wieder gestiegene Zahl der Bootsmigranten am Ärmelkanal zu senken. Das Thema gilt als entscheidend, um der in Umfragen derzeit fĂŒhrenden Reform-Partei des Rechtspopulisten Nigel Farage den Wind aus den Segeln zu nehmen. 

Mit mehr als 20.000 Menschen, die in diesem Jahr bereits die gefĂ€hrliche Meerenge ĂŒberquerten, ist 2025 auf dem Kurs, ein Rekordjahr zu werden. Deutschland gilt als Umschlagplatz fĂŒr Schlauchboote und anderes Equipment sowie als Durchgangsstation fĂŒr Migranten.

Auch die Zusammenarbeit im Kampf gegen grenzĂŒberschreitende KriminalitĂ€t soll verstĂ€rkt werden. Das betrifft vor allem GeldwĂ€sche, illegale Finanzströme und Drogenhandel.

@ dpa.de