HÀngepartie in Istanbul: Ukraine-GesprÀche verzögern sich
15.05.2025 - 17:32:30Die geplanten ersten direkten GesprĂ€che zwischen der Ukraine und Russland seit rund drei Jahren ĂŒber ein Ende des russischen Angriffskriegs werden zur HĂ€ngepartie. Beide Kriegsparteien betonten zwar ihre GesprĂ€chsbereitschaft, allerdings war am spĂ€ten Nachmittag nicht klar, ob und wann es zu dem Treffen kommt - noch am Donnerstag oder erst am Freitag.
Die Absage von Kremlchef Wladimir Putin hatte die Erwartungen am Mittwochabend gedĂ€mpft. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hatte Putins Anwesenheit gefordert, da er der Einzige sei, der ĂŒber den Krieg zu entscheiden habe.
Was Trump zur Lage sagt
US-PrĂ€sident Donald Trump Ă€uĂerte sich zurĂŒckhaltend. Er rechne bis zu einem persönlichen Treffen von ihm und Putin nicht mit echter Bewegung. «Es wird nichts passieren, bis Putin und ich zusammenkommen», sagte Trump nach Angaben von mitreisenden Reportern auf dem Flug von Katar in die Vereinigten Arabischen Emirate.Â
«Ich glaube nicht, dass irgendetwas passieren wird, bis er und ich zusammenkommen - ob es Ihnen gefĂ€llt oder nicht», sagte der Republikaner demnach. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine mĂŒsse aber gelöst werden, denn es kĂ€men zu viele Menschen durch den Krieg ums Leben.Â
Selenskyj kommt nicht
Trotz Putins Absage entsandte Kiew eine Delegation nach Istanbul. Selenskyj selbst, der sich in Ankara mit dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan traf, will nicht an den geplanten GesprĂ€chen teilnehmen.
Die ukrainische Delegation wird von Verteidigungsminister Rustam Umjerow geleitet, der auch zu den UnterhĂ€ndlern bei den GesprĂ€chen mit den Vertretern des WeiĂen Hauses gehörte. Die ukrainischen Diplomaten wollen auch am Freitag noch in Istanbul sein. Sie hĂ€tten das Mandat, ĂŒber eine Waffenruhe zu verhandeln, stellte Selenskyj klar.
Die russische Delegation habe den Auftrag von Kremlchef Putin, ĂŒber eine Lösung des Konflikts zu verhandeln, sagte VerhandlungsfĂŒhrer Wladimir Medinski. Es gehe da weiter, wo die GesprĂ€che vor drei Jahren abgebrochen worden seien. Russland sei auf konstruktive GesprĂ€che und Kompromisse eingestellt.
Medinski - politisches Leichtgewicht mit Verhandlungsgeschick
Der russische ChefunterhĂ€ndler gilt in Moskau als politisches Leichtgewicht. Einen Namen gemacht hat sich der frĂŒhere Kulturminister und jetzige Berater Putins mit dem Umschreiben von GeschichtslehrbĂŒchern entsprechend der aktuellen politischen Konjunktur. Im Gegensatz zu den ebenfalls der Delegation angehörenden Vertretern des MilitĂ€rs, Igor Kostjukow aus dem Generalstab und Vizeverteidigungsminister Alexander Fomin, gilt er nicht als Hardliner.
Der aus der Ukraine stammende Medinski war auch an den Verhandlungen 2022 kurz nach Kriegsbeginn beteiligt. «Er hat sich dabei als ziemlich anstÀndiger Diplomat erwiesen - in dem Sinne, dass er versucht hat, die bestehenden Differenzen nicht zu verschÀrfen, sondern zu glÀtten», bescheinigt ihm der ins Ausland geflohene russische Politologe Abbas Galljamow.
Lange Verzögerungen und weitere VorwĂŒrfe
Die GesprĂ€chsatmosphĂ€re ist aufgeladen von gegenseitigen VorwĂŒrfen. Im Tagesverlauf verstĂ€rkten beide Seiten das Störfeuer.Â
Selenskyj kritisierte die russischen Vertreter als zweitklassig «Das Niveau der russischen Delegation ist ein regelrechtes TĂ€uschungsmanöver», sagte er vor dem Treffen mit Erdogan in Ankara.Â
Derweil befeuerte der russische AuĂenminister Sergej Lawrow, der selbst nicht zu den Friedensverhandlungen anreiste, die Spannungen mit scharfen Kommentaren. Dabei bezeichnete er Selenskyj bei einem öffentlichen Auftritt in Moskau als «jĂ€mmerlichen Kerl», weil dieser die Anwesenheit Putins bei den Verhandlungen gefordert hatte.
Lawrow macht Europa rhetorisch zur Zielscheibe
Lawrow kritisierte die UnterstĂŒtzung der EuropĂ€er fĂŒr Selenskyj als Kriegstreiberei. Russland wirft dem Westen vor, den Krieg mit Waffenlieferungen am Laufen zu halten - und die Ukraine so anzutreiben, ihre besetzten Gebiete zurĂŒckzuerobern. Die von den EuropĂ€ern forcierten Initiativen fĂŒr eine Sicherung des Friedens in der Ukraine etwa durch die Stationierung von Truppen lehnte Lawrow kategorisch ab.Â
Trump bereit, zu den GesprĂ€chen zu stoĂen
US-PrĂ€sident Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach gesagt, dass Putin ihn gerne bei den GesprĂ€chen dabeihaben wolle und andernfalls wohl nicht persönlich erscheinen werde. Der US-PrĂ€sident hĂ€lt sich offen, zu einem spĂ€teren Zeitpunkt noch zu den GesprĂ€chen in der TĂŒrkei dazuzustoĂen. «Falls etwas passiert, wĂŒrde ich am Freitag hingehen, wenn es angemessen ist», sagte Trump zuvor bei seinem Besuch in Katar. Er hatte immer wieder betont, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine rasch beenden zu wollen.







