Steinmeier, Macron

Steinmeier in Frankreich: Deutschland bleibt „guter EuropĂ€er“

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 13:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier hat Frankreichs PrÀsident Emmanuel Macron bei einem Staatsbesuch zugesichert, dass Deutschland trotz politischer VerÀnderungen ein verlÀsslicher Partner Europas bleiben werde. Beide PrÀsidenten warnten zugleich vor den Folgen gesellschaftlicher Polarisierung und schwieriger werdender Reformen.

Steinmeier und Macron scheiden beide im kommenden Jahr aus ihren Ämtern.  - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa
Steinmeier und Macron scheiden beide im kommenden Jahr aus ihren Ämtern. - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier hat bei einem Staatsbesuch in Frankreich zugesichert, dass Deutschland trotz der jĂŒngsten Wahlergebnisse eine tragende Rolle in Europa behalten werde.

Steinmeier bekrÀftigt europÀische Bindung

Nach einem Treffen mit dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron sagte Steinmeier, auch die Deutschen wĂŒrden „gute EuropĂ€er bleiben“ – trotz VerĂ€nderungen in Wirtschaft, Politik und Sicherheitspolitik.

Deutschland könne nur als europÀisches Deutschland erfolgreich sein, eng eingebettet in die EuropÀische Union, sagte der BundesprÀsident. Diese Bindung werde bestehen bleiben.

Macron betont gemeinsame Verantwortung

Macron unterstrich die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit fĂŒr die Zukunft Europas. Wenn Deutschland und Frankreich nicht gemeinsam voranschritten, komme Europa ĂŒberhaupt nicht voran, sagte er.

Die Kooperation beider LÀnder sei zudem wichtig, um die Demokratien und ihre VitalitÀt zu stÀrken. Macron verwies dabei auf eine Zeit, in der Verschwörungstheorien und Skepsis teilweise die Oberhand gewÀnnen.

Beide PrÀsidenten vor dem Abschied

Steinmeier und Macron trafen sich zu einem doppelten Abschiedsbesuch, da beide im kommenden Jahr aus ihren Ämtern ausscheiden. Steinmeier sagte, Deutschland und Frankreich befĂ€nden sich in schwierigen Zeiten.

Die Gesellschaften seien polarisiert, die radikalen RĂ€nder wĂŒrden stĂ€rker. Das erschwere die Bildung von Regierungen und das Regieren. Aus der Wachstumskrise kĂ€men beide LĂ€nder nicht heraus, wenn alles bleibe, wie es sei. Gleichzeitig seien Reformen schwieriger geworden.

Symbolischer Besuch vor dem Amtswechsel

Der Besuch fĂ€llt in eine Übergangsphase: Steinmeiers Amtszeit endet im MĂ€rz 2027, Macron steht nach der französischen PrĂ€sidentschaftswahl im April vor dem Ausscheiden aus dem Amt. Damit richtet sich der Blick nicht nur auf die aktuelle politische Botschaft, sondern auch auf die Frage, wie belastbar die deutsch-französische Zusammenarbeit ĂŒber die beiden PrĂ€sidenten hinaus bleibt.

Die Beziehungen zwischen Berlin und Paris verbinden politische Symbolik mit konkreten gemeinsamen Projekten. In den vergangenen Monaten zeigte sich jedoch, dass Einigkeit bei europĂ€ischen Grundsatzfragen nicht automatisch zu Ergebnissen bei Industrie-, Sicherheits- und Verteidigungsvorhaben fĂŒhrt. Das Ende des gemeinsamen FCAS-Kampfjetprojekts im Sommer 2026 steht dabei fĂŒr einen erheblichen RĂŒckschlag.

EuropÀische HandlungsfÀhigkeit unter Druck

FĂŒr Deutschland und Frankreich geht es zugleich um Europas FĂ€higkeit, in einer Zeit internationaler Konflikte und wirtschaftlicher Konkurrenz eigenstĂ€ndig zu handeln. Kooperation bei Raumfahrt, Nachrichtendiensten, Spitzentechnologien und Verteidigung kann an Bedeutung gewinnen, wenn beide LĂ€nder ihre strategischen AbhĂ€ngigkeiten verringern wollen.

FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bleibt entscheidend, ob aus den politischen Bekenntnissen konkrete Fortschritte entstehen: etwa bei Sicherheit, wirtschaftlicher Erneuerung und gemeinsamen europĂ€ischen Entscheidungen. Steinmeiers Appell markiert deshalb vor allem eine politische Verpflichtung; die Umsetzung wird von der kĂŒnftigen Bundesregierung, Frankreichs nĂ€chster FĂŒhrung und den Institutionen der EuropĂ€ischen Union abhĂ€ngen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau.de: „Steinmeiers Abschiedsbesuch in Paris in stĂŒrmischen Zeiten“ (07.10.2026)

Der Bericht ordne den Besuch als Abschiedsreise ein und hebe hervor, dass Steinmeier und Macron auf persönlicher Ebene gut miteinander auskÀmen. Zugleich betone er, konkrete Projekte wie das FCAS-Kampfjetvorhaben seien an unterschiedlichen Interessen gescheitert; als offene Aufgabe bleibe eine engere Zusammenarbeit bei Sicherheit und Spitzentechnologien.

Deutschlandfunk: „Steinmeier zu Staatsbesuch in Frankreich: Empfang mit militĂ€rischen Ehren am Triumphbogen“ (08.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tige den Staatsbesuch, den Empfang durch Macron und den Charakter als Abschiedsbesuch. Anders als der ausfĂŒhrlichere Bericht richte er den Schwerpunkt auf die protokollarischen Stationen und Steinmeiers europapolitische Botschaft; zugleich stelle er die Belastung der Demokratien durch Kriege und Krisen heraus.

Beide BeitrĂ€ge stellten die Bedeutung des deutsch-französischen VerhĂ€ltnisses und den bevorstehenden Amtswechsel heraus. Unterschiedlich gewichtet wĂŒrden die praktischen Kooperationsprobleme einerseits und die symbolische sowie sicherheitspolitische Bedeutung des Treffens andererseits.

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