USA-Wahlrecht, Supreme Court

Supreme Court stoppt Trumps PlĂ€ne fĂŒr strengere Briefwahlregeln vor US-Zwischenwahlen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 04:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Oberste Gerichtshof der USA stoppt einen zentralen Vorstoß von PrĂ€sident Donald Trump zu schĂ€rferen Briefwahlregeln. FĂŒr die Bundesstaaten bedeutet das: Die Vorbereitung der Zwischenwahlen kann nach bisherigen Standards weiterlaufen.

  • Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa
    Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa
  • Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
    Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa

Im Streit um verschÀrfte Regeln bei der Briefwahl in den USA ist die Regierung von PrÀsident Donald Trump vor dem Obersten Gerichtshof gescheitert.

Supreme Court lÀsst Entscheidung niedrigerer Instanz bestehen

Der Supreme Court lehnte es ab, eine Entscheidung eines untergeordneten Gerichts außer Kraft zu setzen, die die Umsetzung der neuen Regeln bislang blockiert. Nach der knappen BegrĂŒndung des Gerichtshofs ist es unwahrscheinlich, dass die Regierung mit ihrer Anfechtung der einstweiligen VerfĂŒgung letztlich Erfolg hat. Damit bleibt die Anordnung der niedrigeren Instanz in Kraft.

Die US-Regierung hatte versucht, ĂŒber den Supreme Court zu erreichen, dass die strengeren Briefwahlregeln noch vor den Zwischenwahlen Anfang November eingefĂŒhrt werden. Da das höchste Gericht dies verweigert, können die Bundesstaaten ihre Briefwahlunterlagen weiterhin nach den bisher geltenden Standards verschicken; in einigen Regionen ist dies bereits im Gange.

Trump-Erlass stÀrkt Rolle der US-Post im Wahlprozess

Trump hatte Ende MĂ€rz verfĂŒgt, dass die US-Post Briefwahlunterlagen nur noch an Personen ĂŒbermitteln soll, die auf einer zuvor von den Bundesstaaten erstellten WĂ€hlerliste stehen. Kritiker bemĂ€ngeln, die Post werde damit von einem reinen Zusteller zu einer Kontrollinstanz im Ablauf der Wahl. Der Erlass fĂŒhrte in der Folge zu einem lĂ€ngeren Rechtsstreit vor mehreren Gerichten.

Eine Bundesrichterin in Boston stoppte Trumps PlĂ€ne Ende August per einstweiliger VerfĂŒgung. Sie bezeichnete die Regelung als wahrscheinlich verfassungswidrig und verwies darauf, dass ihre Einhaltung im Hinblick auf die Zwischenwahlen 2026 praktisch unmöglich sei. Zudem sei es unrealistisch, die Vorgaben so kurz vor der Wahl noch umzusetzen.

Juristische Schritte der Regierung ohne Erfolg

Nach der Blockade durch die Bundesrichterin schaltete die Trump-Regierung ein Berufungsgericht ein, zog dann aber bereits vor dessen Entscheidung vor den Supreme Court. Dort blieb der Vorstoß nun erfolglos. Zuvor hatte das höchste Gericht im August bereits eine andere gerichtliche Anordnung gegen die Briefwahl-PlĂ€ne aus verfahrenstechnischen GrĂŒnden aufgehoben.

Damit ist der Versuch der Regierung vorerst gescheitert, kurz vor den Zwischenwahlen neue HĂŒrden fĂŒr die Briefwahl einzufĂŒhren. Die bisherige Praxis bleibt in den Bundesstaaten bestehen, wĂ€hrend der Rechtsstreit in den unteren Instanzen weiterlĂ€uft.

VorwĂŒrfe der Benachteiligung von Demokraten

Kritiker werfen Trump vor, mit den strengeren Briefwahlregeln die Stimmabgabe per Post bewusst zu erschweren und so die Demokratische Partei zu benachteiligen, deren WÀhlerschaft traditionell hÀufiger per Briefwahl abstimmt. Aus der demokratischen Seite kommt zudem der Vorwurf, die kurzfristig vorangetriebenen PlÀne hÀtten Verwirrung und Chaos vor den Wahlen erzeugen sollen.

Die US-Regierung verteidigt ihr Vorgehen hingegen mit dem Argument, man wolle angeblichen Wahlbetrug verhindern. Trump sĂ€t seit Jahren Misstrauen gegenĂŒber der Fairness von Wahlen in den USA und behauptet weiterhin fĂ€lschlicherweise, bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2020 um seinen Sieg betrogen worden zu sein.

Zwischenwahlen mit Signalwirkung fĂŒr Trumps Macht

Am 3. November stimmen die Amerikanerinnen und Amerikaner unter anderem ĂŒber alle Sitze im ReprĂ€sentantenhaus und einen Teil der Sitze im Senat ab. Der Ausgang entscheidet darĂŒber, ob die Republikaner ihre derzeit knappen Mehrheiten im Kongress verteidigen können. Ein Verlust wĂŒrde die Möglichkeit des PrĂ€sidenten einschrĂ€nken, seine politischen Vorhaben in den verbleibenden gut zwei Jahren seiner Amtszeit durchzusetzen.

Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom wirft Trump im Zusammenhang mit dessen Vorstoß «Angriffe auf die Demokratie» vor und begrĂŒĂŸt die Entscheidung des Supreme Court. Kalifornien gehört zu den zahlreichen Bundesstaaten, die gegen die neuen Regeln geklagt haben. Newsom erklĂ€rte auf der Plattform X, das amerikanische Volk habe nun Gewissheit ĂŒber den Wahlprozess, und die Briefwahl stehe allen offen, die sie benötigten.

Brisante Entscheidung in aufgeheiztem Umfeld

Die Entscheidung des Supreme Court fĂ€llt in eine Phase, in der WahlablĂ€ufe und insbesondere die Briefwahl in den USA stark politisiert sind. Die Zwischenwahlen Anfang November gelten als wichtige Richtungsentscheidung fĂŒr die nationale Politik, weil sie ĂŒber die Mehrheiten im Kongress und damit ĂŒber den Handlungsspielraum des PrĂ€sidenten entscheiden. Vor diesem Hintergrund ist jede VerĂ€nderung der Regeln zur Stimmabgabe von erheblicher Bedeutung fĂŒr Parteien, Wahlbehörden und WĂ€hlerschaft.

Der gestoppte Vorstoß der Trump-Regierung zielte darauf, die Rolle des Postdienstes im Wahlprozess grundlegend zu verĂ€ndern. Indem die US-Post nur noch an Personen auf zuvor geprĂŒften WĂ€hlerlisten hĂ€tte zustellen dĂŒrfen, wĂ€re sie von einer logistischen Dienstleisterin zu einem faktischen Kontrollorgan geworden. Juristisch berĂŒhrt dies zentrale verfassungsrechtliche Fragen: die ZustĂ€ndigkeit der Bundesstaaten fĂŒr die Organisation von Wahlen, den gleichberechtigten Zugang zur Stimmabgabe und den Schutz vor kurzfristigen RegelĂ€nderungen, die die praktische DurchfĂŒhrbarkeit einer Wahl gefĂ€hrden könnten.

Konfliktlinie: Wahlbetrug versus Wahlzugang

Die Auseinandersetzung spiegelt eine tiefe politische Konfliktlinie wider. Konservative Akteure verweisen seit Jahren auf die Gefahr angeblichen Wahlbetrugs und fordern strengere Kontrollen, wĂ€hrend zahlreiche Demokraten und BĂŒrgerrechtsorganisationen vor einer faktischen EinschrĂ€nkung der Wahlbeteiligung warnen, die vor allem bestimmte WĂ€hlergruppen treffen könnte. Da Briefwahl in den USA ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig von urbanen, Ă€lteren oder mobilitĂ€tseingeschrĂ€nkten Menschen und von Teilen der demokratischen WĂ€hlerschaft genutzt wird, haben RegelverschĂ€rfungen unmittelbare Auswirkungen auf die Zusammensetzung der WĂ€hlerschaft.

FĂŒr Leserinnen und Leser bedeutet die Entscheidung, dass bestehende Briefwahlpraxis vorerst stabil bleibt und kurzfristige Änderungen durch die Bundesregierung ausgebremst werden. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie eng Wahlorganisation, föderale Kompetenzen und parteipolitische Interessen miteinander verflochten sind. Der Supreme Court setzt mit seiner ZurĂŒckhaltung ein Signal, dass weitreichende Eingriffe in WahlablĂ€ufe kurz vor einem Urnengang an hohen rechtlichen HĂŒrden scheitern können – ein Aspekt, der ĂŒber den konkreten Streit hinaus Bedeutung fĂŒr kĂŒnftige Wahlrechtsdebatten hat.

Disclaimer...

de | ausland | 70102542 |