USA-Wahlrecht, Supreme Court

Supreme Court stoppt Trumps strengere Briefwahlregeln vor Zwischenwahlen 2026

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 02:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Oberste Gerichtshof der USA hat den Versuch der Trump-Regierung gestoppt, kurz vor den Zwischenwahlen neue, strengere Regeln fĂŒr die Briefwahl durchzusetzen. Damit bleiben die bisherigen Standards fĂŒr die Zustellung der Wahlunterlagen durch die US-Post in Kraft.

Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa

Im Streit um verschĂ€rfte Regeln fĂŒr die Briefwahl in den USA ist die Regierung von PrĂ€sident Donald Trump vor dem Obersten Gerichtshof gescheitert.

Supreme Court lĂ€sst VerfĂŒgung der Vorinstanz bestehen

Der Supreme Court lehnte es ab, eine Entscheidung einer niedrigeren Instanz auszusetzen, die die Trump-Regierung bislang daran hindert, neue Briefwahlregeln umzusetzen. In der knappen BegrĂŒndung heißt es, es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung mit ihrer Anfechtung der einstweiligen VerfĂŒgung der unteren Instanz Erfolg haben werde. Damit bleibt die VerfĂŒgung der Bundesrichterin in Kraft.

Folgen fĂŒr Briefwahl vor den Zwischenwahlen

Die US-Regierung wollte erreichen, dass ihre strikteren Briefwahlregeln noch vor den Zwischenwahlen Anfang November eingefĂŒhrt werden. Da der Oberste Gerichtshof die Anordnung der unteren Instanz nun bestehen lĂ€sst, können die Bundesstaaten ihre Briefwahlunterlagen weiter nach den bisherigen Standards verschicken. In einigen Regionen sind die Unterlagen bereits versendet worden.

Trumps Erlass zur Rolle der US-Post

Trump hatte Ende MĂ€rz verfĂŒgt, dass die US-Post Briefwahlunterlagen nur noch an Personen ĂŒbermitteln soll, die zuvor von den Bundesstaaten auf einer WĂ€hlerliste erfasst wurden. Kritiker bemĂ€ngeln, die Post werde damit von einer reinen Zustellerin der Unterlagen zu einer Kontrollinstanz im Ablauf der Wahl, was Folgen fĂŒr den Zugang zur Briefwahl haben könnte.

Bundesrichterin stoppt Regelung fĂŒr Wahl 2026

Der Vorstoß der US-Regierung fĂŒhrte zu einem lĂ€ngeren Rechtsstreit. Eine Bundesrichterin in Boston stoppte die PlĂ€ne des PrĂ€sidenten Ende August per einstweiliger VerfĂŒgung. Sie bezeichnete den Erlass als "wahrscheinlich verfassungswidrige Regelung", deren Einhaltung im Hinblick auf die Zwischenwahlen 2026 praktisch unmöglich sei. Zudem sei es unrealistisch, die Vorgaben so kurz vor der Wahl noch umzusetzen.

Knappe Mehrheiten im Kongress auf dem Spiel

Am 3. November entscheiden die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler in den USA unter anderem ĂŒber alle Sitze im ReprĂ€sentantenhaus und einen Teil der Senatssitze im US-Kongress. Die Republikaner verfĂŒgen derzeit in beiden Kammern ĂŒber eine knappe Mehrheit und wollen diese verteidigen. Sollte Trumps Partei Mandate verlieren, hĂ€tte der PrĂ€sident in den verbleibenden gut zwei Jahren seiner Amtszeit geringere Chancen, seine politischen Vorhaben im Kongress durchzusetzen.

Briefwahl als Streitpunkt im US-Wahlrecht

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs fĂ€llt in eine Phase, in der die Briefwahl in den USA seit Jahren Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen ist. Republikanische Vertreter stellen Verfahren zur Stimmabgabe per Post hĂ€ufiger als potenziell anfĂ€llig fĂŒr UnregelmĂ€ĂŸigkeiten dar, wĂ€hrend demokratische Politikerinnen und Politiker vor allem auf die Bedeutung der Briefwahl fĂŒr die Beteiligung von BerufstĂ€tigen, Menschen mit Behinderung oder im Ausland lebenden BĂŒrgern verweisen. Vor diesem Hintergrund gewinnt jede rechtliche Änderung des Ablaufs, insbesondere kurz vor einer bundesweiten Wahl, besondere Brisanz.

Rolle der Post und föderale ZustÀndigkeiten

Der von Trump angeordnete Erlass zielt auf eine stĂ€rkere Kontrolle durch die US-Post und berĂŒhrt damit das Zusammenspiel zwischen Bundesbehörden und den fĂŒr die DurchfĂŒhrung von Wahlen zustĂ€ndigen Bundesstaaten. Traditionell legen die Staaten eigenstĂ€ndig fest, wer wahlberechtigt ist und welche Fristen und Formulare gelten. Wenn eine Bundesbehörde wie die Post nicht mehr nur als technische Zustellerin der Unterlagen agiert, sondern de facto darĂŒber entscheidet, welche Sendungen weitergeleitet werden, verĂ€ndert dies die Machtbalance im Wahlsystem. Der Eingriff wĂ€re zudem in einer Phase erfolgt, in der viele Staaten ihre Briefwahlunterlagen bereits nach bislang geltenden Regeln verschickt haben.

Verfassungsrechtliche Dimension und mögliche Folgen

Die Bundesrichterin in Boston spricht von einer wahrscheinlich verfassungswidrigen Regelung und verweist auf praktische Umsetzungsschwierigkeiten kurz vor der Wahl. Damit ist der Konflikt nicht nur politisch, sondern auch verfassungsrechtlich aufgeladen. Sollte der Erlass spĂ€ter in einem Hauptsacheverfahren endgĂŒltig fĂŒr unzulĂ€ssig erklĂ€rt werden, wĂ€re dies ein weiterer PrĂ€zedenzfall dafĂŒr, dass tiefgreifende Änderungen im Wahlrecht unmittelbar vor einem nationalen Urnengang enge Grenzen haben. FĂŒr die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler bedeutet die aktuelle Entscheidung, dass sie sich auf die vertrauten Verfahren der Briefwahl stĂŒtzen können und nicht damit rechnen mĂŒssen, dass ihre Unterlagen aus formalen GrĂŒnden an der Poststelle hĂ€ngenbleiben.

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