USA-Wahlrecht, Donald Trump

Supreme Court stoppt Trumps verschÀrfte Briefwahlregeln vor den Midterms 2026

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 04:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Oberste Gerichtshof der USA stoppt Trumps PlĂ€ne fĂŒr strengere Briefwahlregeln vor den Midterms 2026. Die Bundesstaaten dĂŒrfen ihre Wahlunterlagen weiter nach den bisherigen Standards verschicken.

  • Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa
    Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa
  • Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
    Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa
Der Supreme Court beschert der Trump-Regierung im Rechtsstreit um ihre PlĂ€ne fĂŒr striktere Briefwahlregeln eine Niederlage. (Archivbild) - Bild: Susan Walsh/AP/dpa Der Postdienstleister spielt eine wichtige Rolle bei den Trump-PlĂ€nen fĂŒr verschĂ€rfte Briefwahlregeln. (Archivbild) - Bild: Anna Ringle/dpa

Die Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump ist mit ihrem Versuch gescheitert, kurz vor den Zwischenwahlen 2026 strengere Regeln fĂŒr die Briefwahl durchzusetzen.

Supreme Court lÀsst Blockade der neuen Regeln bestehen

Im Streit um verschĂ€rfte Vorschriften bei der Briefwahl hat der Oberste Gerichtshof der USA einen Antrag der Trump-Regierung abgewiesen. Der Supreme Court lehnte es ab, eine Entscheidung einer unteren Instanz außer Kraft zu setzen, die die Umsetzung der neuen Regeln bislang stoppt. In der knappen BegrĂŒndung heißt es, es sei unwahrscheinlich, dass die Regierung mit ihrer Anfechtung der einstweiligen VerfĂŒgung in der Sache Erfolg haben werde.

Bestehende Briefwahlstandards gelten fĂŒr Midterms weiter

Die US-Regierung wollte erreichen, dass die strengeren Briefwahlregeln noch vor den Zwischenwahlen Anfang November in Kraft treten. Dass der Supreme Court die Anordnung der unteren Instanz nun bestehen lĂ€sst, bedeutet, dass die Bundesstaaten ihre Briefwahlunterlagen weiterhin nach den bisher geltenden Standards verschicken dĂŒrfen. In einigen Regionen sind die Unterlagen bereits verschickt worden, sodass die Entscheidung unmittelbare praktische Wirkung entfaltet.

Trump-Erlass macht aus der Post eine Kontrollinstanz

Trump hatte Ende MĂ€rz verfĂŒgt, dass die US-Post Briefwahlunterlagen nur noch an Personen zustellen soll, die auf zuvor von den Bundesstaaten erstellten WĂ€hlerlisten stehen. Kritiker sehen darin eine VerĂ€nderung der Rolle der Post: Statt ausschließlich Zustellerin der Wahlunterlagen wĂŒrde sie zu einer Kontrollinstanz im Ablauf der Wahl. Der Vorstoß der Regierung löste einen lĂ€ngeren Rechtsstreit vor mehreren Gerichten aus.

Bundesrichterin hĂ€lt Regelung fĂŒr wahrscheinlich verfassungswidrig

Eine Bundesrichterin in Boston hatte die PlĂ€ne Ende August per einstweiliger VerfĂŒgung gestoppt. Sie bezeichnete den Erlass des PrĂ€sidenten als "wahrscheinlich verfassungswidrige Regelung", deren Einhaltung mit Blick auf die Zwischenwahlen 2026 praktisch unmöglich sei. Außerdem sei es unrealistisch, die Vorgaben so kurz vor der Wahl noch umzusetzen. Trump rief daraufhin ein Berufungsgericht an, legte die Frage jedoch schon vor dessen Entscheidung dem Obersten Gerichtshof vor.

Kavanaugh verweist auf knappen Zeitrahmen

Der Supreme Court gab zu dem Eilantrag keine ausfĂŒhrliche BegrĂŒndung ab. Der von Trump ernannte Richter Brett Kavanaugh erklĂ€rte in einer zustimmenden Stellungnahme, seiner Ansicht nach sei die Zeit zu knapp, um die neuen Regeln vor den Zwischenwahlen angemessen umzusetzen. Bereits im August hatte das Gericht in demselben Rechtsstreit eine frĂŒhere gerichtliche Anordnung gegen Trumps BriefwahlplĂ€ne aufgehoben, damals jedoch aus verfahrenstechnischen GrĂŒnden.

VorwĂŒrfe der Benachteiligung demokratischer WĂ€hler

Kritiker werfen Trump vor, er wolle mit den strengeren Briefwahlregeln die Stimmabgabe per Brief erschweren und so die Demokratische Partei benachteiligen. Deren WĂ€hlerschaft entscheidet sich traditionell hĂ€ufiger fĂŒr die Briefwahl. Zudem sieht sich der PrĂ€sident mit dem Vorwurf konfrontiert, durch die kurzfristig vorangetriebenen PlĂ€ne Verwirrung und Chaos vor den Wahlen zu stiften. Die Regierung verteidigt ihr Vorhaben mit dem Ziel, angeblichen Wahlbetrug zu verhindern.

Bedeutung der Midterms fĂŒr Trumps Amtszeit

Am 3. November stimmen die US-BĂŒrgerinnen und -BĂŒrger unter anderem ĂŒber alle Sitze im ReprĂ€sentantenhaus und einen Teil der Sitze im Senat ab. Derzeit verfĂŒgen die Republikaner in beiden Kammern ĂŒber knappe Mehrheiten, die sie verteidigen wollen. Sollte Trumps Partei diese verlieren, hĂ€tte der PrĂ€sident schlechtere Chancen, seine politischen Vorhaben in den verbleibenden gut zwei Jahren seiner Amtszeit durchzusetzen.

Newsom spricht von Angriffen auf die Demokratie

Trump hat wiederholt Misstrauen gegenĂŒber der Fairness von Wahlen in den USA geschĂŒrt und behauptet seit Jahren fĂ€lschlicherweise, bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2020 um seinen Sieg betrogen worden zu sein. Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom wirft ihm "Angriffe auf die Demokratie" vor und begrĂŒĂŸt die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs. Kalifornien gehört zu den Bundesstaaten, die wegen des Vorstoßes der Trump-Regierung vor Gericht gezogen waren. Auf der Plattform X schrieb Newsom, das amerikanische Volk habe nun Gewissheit ĂŒber den Wahlprozess, die Briefwahl stehe allen offen, die sie benötigten.

Signalwirkung fĂŒr den US-Wahlkampf 2026

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs setzt kurz vor den Midterms 2026 ein deutliches Zeichen gegen tiefgreifende Änderungen im Wahlrecht auf den letzten Metern des Wahlkampfs. Sie festigt die bisherige Praxis der Briefwahl und verhindert, dass die Post kurzfristig eine zusĂ€tzliche Kontrollrolle ĂŒbernimmt. FĂŒr WĂ€hlerinnen und WĂ€hler bedeutet dies, dass vertraute AblĂ€ufe erhalten bleiben und bereits versandte Unterlagen ihre GĂŒltigkeit behalten.

Gleichzeitig zeigt der Vorgang, wie stark der Streit um Wahlregeln inzwischen Teil des politischen Konflikts in den USA ist. Trumps Erlass zielte darauf, die Zustellung von Briefwahlunterlagen an zuvor registrierte WĂ€hlerlisten zu koppeln und damit den Ablauf stĂ€rker zu regulieren. Kritiker sehen darin eine strukturelle HĂŒrde fĂŒr WĂ€hlergruppen, die besonders hĂ€ufig per Brief wĂ€hlen – darunter viele AnhĂ€nger der Demokraten. Die Gerichte betonen hingegen die praktische DurchfĂŒhrbarkeit und die verfassungsrechtlichen Grenzen kurzfristiger Eingriffe.

Konfliktlinie: Wahlbetrug versus Zugang zur Wahl

Der Streit spiegelt eine grundsĂ€tzliche Konfliktlinie wider: Auf der einen Seite steht das von Trump immer wieder beschworene Narrativ eines angeblichen Wahlbetrugs, auf der anderen Seite die Sorge vieler Bundesstaaten, dass zusĂ€tzliche Vorgaben den Zugang zur Wahl einschrĂ€nken. Die Entscheidung der Bundesrichterin in Boston und die nun bestĂ€tigte Blockade durch den Supreme Court werten diese Bedenken höher als das von der Regierung angefĂŒhrte Betrugsrisiko. Bemerkenswert ist, dass mit Brett Kavanaugh ein von Trump nominierter Richter betont, dass allein der Faktor Zeit gegen eine Umsetzung vor der Wahl spreche.

Folgen fĂŒr die Machtbalance in Washington

Die Midterms entscheiden ĂŒber die Mehrheiten im ReprĂ€sentantenhaus und Teilen des Senats und damit ĂŒber Trumps politische Gestaltungsmöglichkeiten in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit. Eine reibungslos laufende Briefwahl ist gerade in umkĂ€mpften Bundesstaaten ein zentraler Faktor fĂŒr die Wahlbeteiligung. FĂŒr die demokratisch regierten Staaten, darunter Kalifornien, bedeutet die Entscheidung Planungssicherheit: Sie können ihre Wahlorganisation wie vorgesehen fortfĂŒhren. FĂŒr europĂ€ische Beobachter verdeutlicht der Streit, wie stark institutionelle Fragen des Wahlrechts den politischen Wettbewerb in den USA prĂ€gen.

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