Taiwan, Ergebnis

Taiwan wĂ€hlt: Ergebnis entscheidend fĂŒr VerhĂ€ltnis zu China

13.01.2024 - 05:05:11

Taiwan wĂ€hlt einen neuen PrĂ€sidenten und entscheidet damit auch ĂŒber seinen Umgang mit China. Die Kandidaten wollen unterschiedlich mit Peking umgehen - doch sind sich in einem Punkt einig.

Überschattet vom angespannten VerhĂ€ltnis mit dem mĂ€chtigen Nachbarn China haben in Taiwan am Samstag die PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahlen begonnen. Der Kandidat der regierenden und fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans stehenden Demokratischen Fortschrittspartei (DPP), William Lai, hat die stĂ€rkste Konkurrenz wohl in den Bewerbern der chinafreundlichen konservativen Partei Kuomintang (KMT) sowie der erst 2019 gegrĂŒndeten Taiwanischen Volkspartei (TPP). PrĂ€sidentin Tsai Ing-wen darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Insgesamt sind rund 19,5 Millionen Wahlberechtigte im In- und Ausland aufgerufen, auf der ostasiatischen Insel ihre Stimmen abzugeben.

Das Ergebnis, mit dem am spĂ€ten Samstagabend gerechnet wird, gilt als richtungsweisend fĂŒr die weitere Beziehung zu China. Dessen regierende kommunistische Partei betrachtet Taiwan als Teil des Festlandgebiets. Peking drohte mehrfach militĂ€rische Mittel einzusetzen, sollte eine friedliche Wiedervereinigung nicht zustande kommen. Chinas MilitĂ€r demonstriert fast tĂ€glich mit Kampfjets, die in die taiwanische Luftverteidigungszone eindringen, seine militĂ€rische Macht.

Ein möglicher Konflikt in der Taiwanstraße, der Meerenge zwischen China und Taiwan, wĂŒrde die USA als Taipehs VerbĂŒndeten wohl auch in den Konflikt hineinziehen. Washington hatte Taipeh zugesichert, die Verteidigung der Insel zu unterstĂŒtzen. Außerdem wĂŒrden laut Experten enorme Auswirkungen auf die Weltwirtschaft drohen, da die Taiwanstraße eine sehr wichtige Schifffahrtsroute ist und Taiwan wichtige Produkte fĂŒr den Weltmarkt herstellt.

Schlechteres VerhÀltnis zu China

Die DPP regiert seit 2016 mit PrĂ€sidentin Tsai. Die Partei steht fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans. Deshalb brach die chinesische Regierung den Kontakt mit Taipeh ab. Im Wahlkampf war der Umgang mit China eines der wichtigsten Themen.

Innenpolitisch ging es um hohe Mietpreise, wenig gestiegene Löhne und Taiwans Gesundheitssystem fĂŒr Senioren. Der PrĂ€sidentschafts-AnwĂ€rter der DPP, William Lai, zieht eine offizielle ErklĂ€rung der UnabhĂ€ngigkeit nicht in Betracht. Die Kandidaten der KMT und TPP setzen auf AnnĂ€herung zum Festland, etwa durch Kultur- oder Wirtschaftsaustausch.

Abschreckung durch AufrĂŒstung

Die PrĂ€sidentschaftskandidaten der Parteien setzen auf mehr Ausgaben fĂŒr die landeseigene Verteidigung, um Peking vor einer Invasion abzuschrecken. Lai sagte bei einer Wahlkampfkundgebung in Taipeh vor Zehntausenden AnhĂ€ngern: «Frieden beruht auf StĂ€rke und nicht auf dem Wohlwollen der Invasoren.» Ko Wen-je von der Volkspartei TPP sagte, Taiwan mĂŒsse China wissen lassen, dass es eine Invasion mit einem hohen Preis bezahle mĂŒsste.

Weil nur sehr wenige Staaten Taiwan mit seinen rund 23 Millionen Einwohnern anerkannt haben, hat die Inselrepublik keine offiziellen Auslandsvertretungen, in denen Ausgewanderte ihre Stimmen abgeben könnten. Deshalb reisten die Chens, ein Ehepaar um die 70, von Los Angeles in den USA extra zur Stimmabgabe nach Taipeh. «Taiwan muss gewinnen», sagte Frau Chen der Deutschen Presse-Agentur bei einer Wahlkampfveranstaltung der DPP. Ko Hsiu-hisa aus Taipeh sagte, sie habe ihre Stimme der DPP gegeben. Deren Vertreter hÀtten positivere Worte in ihrem Wahlkampf verwendet, sagte die 66-JÀhrige nach ihrer Stimmabgabe der dpa.

Auch Parlamentswahl

Taiwan wĂ€hlt außerdem ein neues Parlament, in dem bislang die DPP die absolute Mehrheit hatte. Sollte keine Partei die 50-Prozent-Marke knacken, wĂ€re die Arbeit der kommenden Regierung durch nötige Kompromissfindungen ĂŒber politische Vorhaben deutlich erschwert.

In Taiwan ernennt der PrÀsident, der auch Oberbefehlshaber der StreitkrÀfte ist, den MinisterprÀsidenten und auf dessen Empfehlung auch das Regierungskabinett. In der Vergangenheit kam es bereits vor, dass auch Politiker anderer Parteien mit einem Ministeramt betraut wurden.

@ dpa.de