Folter, Misshandlung

UN: Folter und Misshandlung Gefangener aus Gaza in Israel

31.07.2024 - 08:59:38

Tausende PalĂ€stinenser wurden in KrankenhĂ€usern und auf Straßen im Gazastreifen festgenommen und nach Israel gebracht. Das UN-MenschenrechtsbĂŒro prangert unmenschliche Behandlung an.

Mindestens 10.000 PalĂ€stinenser aus dem Gazastreifen werden nach einem Bericht des UN-MenschenrechtsbĂŒros «unter erbĂ€rmlichen ZustĂ€nden» in israelischem Gewahrsam festgehalten. Es gebe Berichte ĂŒber Misshandlungen und Folter, teilte das BĂŒro in Genf mit. Mindestens 53 Menschen seien in israelischem Gewahrsam ums Leben gekommen. 

Auch die im vergangenen Oktober aus Israel in den Gazastreifen verschleppten Geiseln hĂ€tten von Misshandlungen berichtet, so das BĂŒro.

Es geht in dem Bericht um den Zeitraum seit dem 7. Oktober 2023, als Terroristen aus dem Gazastreifen Israel ĂŒberfielen, etwa 1.200 Menschen töteten und rund 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppten. ZusĂ€tzlich seien im besetzten Westjordanland und in Israel Tausende PalĂ€stinenser in Gewahrsam genommen worden. 

Berichte von GrÀueltaten in Gefangenschaft

Zur Behandlung der PalĂ€stinenser sagte der UN-Hochkommissar fĂŒr Menschenrechte, Volker TĂŒrk: «Die Zeugenaussagen, die mein BĂŒro und andere Stellen bekommen haben, deuten auf eine Reihe von GrĂ€ueltaten hin.» Demnach sind Hunde auf die Gefangenen losgelassen worden, andere hĂ€tten Waterboarding erlebt. Das ist eine Foltermethode, die Ertrinken simuliert. Beides wĂ€ren eklatante VerstĂ¶ĂŸe gegen die Menschenrechte und das humanitĂ€re Völkerrecht, so TĂŒrk. 

Die Menschen seien meist gefesselt und mit verbundenen Augen nach Israel gebracht worden. Betroffen seien vor allem MĂ€nner und Teenager, aber auch Frauen. Sie wĂŒrden ohne Anklage und ohne Kontakt zu AnwĂ€lten festgehalten. 

Menschen hĂ€tten berichtet, sie seien in kĂ€figĂ€hnlichen VerschlĂ€gen festgehalten worden, lange Zeit nackt gewesen und hĂ€tten Windeln tragen mĂŒssen. Ihnen sei Wasser und Nahrung vorenthalten worden und sie seien am Schlafen gehindert worden. Einige hĂ€tten von Elektroschocks und Verbrennungen mit Zigaretten berichtet und sexueller Gewalt berichtet.

Bislang gibt es noch keine Stellungnahme Israels zu dem Bericht.

Auch Geiseln berichteten von Misshandlungen 

Im Zuge des TerrorĂŒberfalls der Hamas und anderer Extremisten am 7. Oktober in den Gazastreifen verschleppte, spĂ€ter freigelassene Geiseln hĂ€tten berichtet, dass sie bei der Gefangennahme geschlagen worden seien und oft zu wenig zu essen und zu trinken bekommen hĂ€tten. Sie hĂ€tten auch von sexueller Gewalt berichtet. 

Der Bericht kritisiert auch die palĂ€stinensische Autonomiebehörde, die im Westjordanland Oppositionelle willkĂŒrlich festnehme und teils misshandele.

TĂŒrk verlangte die umgehende Freilassung der verbliebenen Geiseln. Auch mĂŒssten die willkĂŒrlich gefangen genommenen PalĂ€stinenser freigelassen werden. Alle VorwĂŒrfe ĂŒber Misshandlungen und Folter mĂŒssten umgehend untersucht werden.

Festnahme israelischer Soldaten

Diese Woche hatten israelische MilitĂ€rpolizisten in der MilitĂ€rbasis Sde Teiman nahe der WĂŒstenstadt Beerscheva neun Soldaten festgenommen, weil sie einen Terroristen der islamistischen Terrororganisation Hamas so schwer sexuell misshandelt haben sollen, dass er mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Nach der Festnahme der Soldaten gab es in Israel massive Unruhen.

Wegen der mutmaßlichen Misshandlung palĂ€stinensischer Gefangener erhob Israels MilitĂ€rstaatsanwaltschaft am Dienstag gegen einen Soldaten Anklage. Ihm wird vorgeworfen, zwischen Februar und Juni des laufenden Jahres bei der Sicherung von Transporten sogenannter SicherheitshĂ€ftlinge in israelische Haftanstalten «schwere Gewalt gegen die ihm anvertrauten Gefangenen» angewendet zu haben.

 

@ dpa.de