Frankreich, KriminalitÀt

Gericht entscheidet: Bleibt Sarkozy vorerst hinter Gittern?

10.11.2025 - 05:00:09

Todesdrohungen, Einzelhaft und Thunfisch aus der Dose: Wie Sarkozy seine Tage im Hochsicherheitsbereich verbringt und warum er trotzdem auf baldige Freiheit hoffen darf.

  • Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sarkozy das GefĂ€ngnis vorerst wieder verlassen kann (Archivbild). - Foto: Julien De Rosa/AFP/dpa

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  • Hinter Gittern erhielt Sarkozy regelmĂ€ĂŸig Besuch von seiner Frau Carla Bruni (Archivbild). - Foto: Thibault Camus/AP/dpa

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Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Sarkozy das GefĂ€ngnis vorerst wieder verlassen kann (Archivbild). - Foto: Julien De Rosa/AFP/dpaHinter Gittern erhielt Sarkozy regelmĂ€ĂŸig Besuch von seiner Frau Carla Bruni (Archivbild). - Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Bleibt Frankreichs Ex-PrĂ€sident Nicolas Sarkozy nach seiner Verurteilung zu fĂŒnf Jahren GefĂ€ngnis wegen der Libyen-AffĂ€re weiter in Haft, oder kommt er bis zum Berufungsprozess im nĂ€chsten Jahr raus? DarĂŒber entscheidet heute ein Gericht in Paris. Wie sind die Aussichten fĂŒr den Ex-PrĂ€sidenten - und wie verlief seine Zeit hinter Gittern bisher?

Wieso sitzt Sarkozy in Haft?

In der AffĂ€re um mutmaßliche illegale Finanzhilfen aus Libyen fĂŒr den PrĂ€sidentschaftswahlkampf 2007 hatte ein Pariser Gericht Sarkozy wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ging davon aus, dass Sarkozy und enge Vertraute versucht hatten, sich Gelder des damaligen libyschen Machthabers Muammar Gaddafi zu verschaffen. Ein Zeuge hatte 2016 von Koffern mit insgesamt fĂŒnf Millionen Euro gesprochen, die er ins Pariser Innenministerium gebracht hĂ€tte, das damals von Sarkozy gefĂŒhrt wurde. Das Gericht erließ einen Haftbefehl und ordnete an, die Strafe vorlĂ€ufig zu vollstrecken. Sarkozy ging in Berufung, er bestreitet die VorwĂŒrfe.

Wieso könnte er jetzt wieder aus dem GefÀngnis kommen?

Weil Sarkozy das Urteil anficht, gilt er nicht als verurteilter StraftÀter, sondern lediglich als VerdÀchtiger. In Haft musste er wegen des Haftbefehls mit vorlÀufiger Vollstreckung trotzdem. Mit Haftantritt konnten seine AnwÀlte dann aber einen Antrag stellen, dass Sarkozy vorerst wieder aus dem GefÀngnis kommt.

Wie stehen denn die Chancen des AltprÀsidenten?

Fachleute halten es fĂŒr sehr wahrscheinlich, dass Sarkozy seine Zelle bald wird verlassen können. Das liegt daran, dass fĂŒr den Haftbefehl mit vorlĂ€ufiger Vollstreckung und die Entlassung aus der Haft unterschiedliche Rechtsgrundlagen gelten. Das Gericht hatte seine Entscheidung mit der Schwere der Taten und der Störung der öffentlichen Ordnung begrĂŒndet. 

Die Schwere der Tat ist kein Grund, einen Menschen in Gewahrsam zu behalten. Stattdessen geht es bei dieser Frage um das Fluchtrisiko, die Gefahr, dass VerdĂ€chtige sich untereinander absprechen, ihre Taten erneut begehen, Beweise vernichten, Zeugen oder Opfer unter Druck setzen oder nicht vor Gericht erscheinen. Da die Ermittlungen gegen Sarkozy abgeschlossen sind und der frĂŒhere Staatschef stets vor Gericht erschienen ist, stehen seine Chancen nicht schlecht, das GefĂ€ngnis La SantĂ© bald zu verlassen.

Steht Sarkozy dann weiter unter Aufsicht?

Vermutlich. Medien spekulieren, dass er unter Justizaufsicht stĂŒnde. Demnach könnte er eine Fußfessel bekommen und sein Haus nur zu bestimmten Zeiten verlassen dĂŒrfen. Auch andere Auflagen könnten gelten, etwa, dass er sich regelmĂ€ĂŸig bei den Behörden melden muss.

Wie wird Sarkozys Sicherheit hinter Gittern gewÀhrleistet?

Der 70-JĂ€hrige ist in einem isolierten und besonders geschĂŒtzten Bereich des GefĂ€ngnisses untergebracht, was jeden Kontakt mit anderen HĂ€ftlingen verhindert. In einer Nachbarzelle sind zwei bewaffnete Polizisten zu seinem Schutz positioniert.

Trotzdem gab es Todesdrohungen gegen Sarkozy im GefÀngnis?

Bei der Ankunft von Sarkozy im GefÀngnis riefen HÀftlinge aus anderen Zellen Beleidigungen und Bedrohungen. Davon kursieren in den sozialen Medien Videos, die HÀftlinge mit illegal genutzten Handys aufgenommen haben. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Todesdrohungen ein.

Wie verbringt der Ex-PrÀsident seine Zeit hinter Gittern?

Sarkozy bleibt praktisch rund um die Uhr in seiner Zelle, wie der Sender Europe 1 berichtete. Bis zu sieben Stunden am Tag schreibt er demnach an dem Buch, das er ĂŒber seine Haftzeit verfassen will. Eine Stunde pro Tag macht er Sport, seine sonst ĂŒbliche morgendliche Joggingrunde kann er im GefĂ€ngnis aber nicht drehen. Ein einziges Mal hat Sarkozy laut dem Sender die Möglichkeit des Hofgangs genutzt. Der Hof sei aber eine Art KĂ€fig und Sarkozy sei dort nicht wieder hingegangen. Um seine Zelle sauber zu halten, habe Sarkozy sich einen kleinen Besen beschaffen lassen, berichtete das Magazin «Paris Match».

Von wem hat Sarkozy bislang in der Haft Besuch erhalten?

Wer ihn neben seiner Ehefrau, der SĂ€ngerin Carla Bruni, aus der Familie besucht hat, ist nicht bekannt. FĂŒr kritische Kommentare sorgte, dass Justizminister GĂ©rald Darmanin dem prominenten HĂ€ftling, der einst sein politischer Mentor war, einen Besuch abstattete - wie er vorher sagte, um zu gucken, ob die Sicherheitsbedingungen angemessen sind. 

Was bekommt der Ex-PrÀsident im GefÀngnis zu essen?

Als ehemaliger PrĂ€sident verfĂŒgte Sarkozy bislang ĂŒber einen vom Staat bezahlten Koch. Mit so viel Luxus ist hinter Gittern Schluss. FĂŒr den HĂ€ftling Sarkozy gibt es Anstaltsessen. Ansonsten kann er sich im GefĂ€ngnisladen weiteres Essen kaufen. Laut «Paris Match» hat Sarkozy sich Konserven mit Thunfisch in Öl sowie Joghurt bestellt, um das GefĂ€ngnismenĂŒ ein wenig aufzuwerten. Wie der Sender RTL berichtete, hat Carla Bruni ihm auch Sandwiches mit ins GefĂ€ngnis gebracht.

@ dpa.de