Wladimir Putin, Hamas

Putin: US-Politik im Nahen Osten gescheitert

11.10.2023 - 02:38:25

Trotz des Hamas-Terrors in Israel will Moskau weiter gute Beziehungen zu PalĂ€stinensern pflegen. Kremlchef Putin, der einen zerstörerischen Krieg gegen die Ukraine fĂŒhrt, Ă€ußert sich nun erstmals zur Lage.

Der russische PrĂ€sident Wladimir Putin hat in einer ersten öffentlichen Reaktion auf die Angriffe der militanten Hamas gegen Israel den USA ein Scheitern im Nahen Osten vorgeworfen. «Das ist ein starkes Beispiel fĂŒr das Scheitern der Politik der Vereinigten Staaten im Nahen Osten, die versucht haben, die Regulierung dort zu monopolisieren», sagte Putin in Moskau zum Auftakt eines Treffens mit dem irakischen MinisterprĂ€sidenten Mohammed al-Sudani.

Die USA hĂ€tten sich nicht um eine Suche nach Kompromissen gekĂŒmmert, die fĂŒr beide Seiten annehmbar seien. Sie hĂ€tten vielmehr ihre eigenen Vorstellungen fĂŒr eine Lösung des Konflikts vorangetrieben und Druck auf die Seiten ausgeĂŒbt. Washington habe dabei weder RĂŒcksicht auf die Kerninteressen des palĂ€stinensischen Volkes genommen oder sich fĂŒr die Umsetzung der UN-Resolution zur Schaffung eines souverĂ€nen unabhĂ€ngigen PalĂ€stinenserstaates eingesetzt.

Putin, der selbst einen zerstörerischen Krieg gegen die Ukraine fĂŒhrt, rief die Konfliktparteien im Nahen Osten zur RĂŒcksicht auf die Zivilbevölkerung auf. Die Zahl der Opfer unter den Zivilisten mĂŒsse möglichst auf Null sinken, sagte der Kremlchef, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden.

Al-Sudani: «Internationale Gemeinschaft hat geschwiegen»

Bei dem Treffen sagte al-Sudani laut russischer Übersetzung, dass die Eskalation im Nahen Osten zur Auslöschung des Gazastreifens fĂŒhren werde. Israel hat angekĂŒndigt, die radikalislamische Hamas in Gaza zu vernichten.

«Es gibt jetzt eine schwierige und gefĂ€hrliche Entwicklung der Ereignisse in PalĂ€stina», sagte al-Sudani. «Das ist das natĂŒrliche Ergebnis dessen, dass Israel immer wieder die Rechte der PalĂ€stinenser verletzt hat. Die internationale Gemeinschaft hat geschwiegen, konnte nicht ihre Verpflichtungen im Rahmen der international anerkannten Resolutionen erfĂŒllen.»

Die russische FĂŒhrung unterhĂ€lt Kontakte zu beiden Konfliktseiten und hatte UnterstĂŒtzung bei der Lösung des Konflikts angeboten. Am Abend berichtete der Kreml zudem von einem Telefonat Putins mit dem tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan, bei dem sich beide fĂŒr eine baldige Waffenruhe im Nahen Osten ausgesprochen hĂ€tten.

Abbas in Moskau erwartet

Russland erwartet auch einen Besuch des PrĂ€sidenten Autonomiebehörde im Westjordanland, Mahmud Abbas, in Moskau. Die Visite sei schon lĂ€nger geplant gewesen, ĂŒber die diplomatischen KanĂ€le mĂŒsse nun das genaue Datum festgelegt werden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Zuvor hatte der palĂ€stinensische Botschafter in Moskau russische Medien ĂŒber den Besuch informiert.

«NatĂŒrlich setzen wir den Kontakt mit den PalĂ€stinensern fort», sagte Peskow. Die Verbindungen seien historisch und auf vielen Ebenen etabliert. Auch zu Israel gebe es Kontakte, Russland sei bereit, bei der Lösung des Konflikts zu helfen, betonte der Kremlsprecher. In Israel lebe eine große Zahl Russen, weshalb es die Verbindungen zu dem Staat gebe. Bilaterale GesprĂ€che zwischen Vertretern Israels und der Abbas-Regierung beim Treffen in Moskau schloss der palĂ€stinensische Botschafter jedoch am Vortag kategorisch aus.

PalÀstinenserprÀsident Abbas leitet die Fatah-Fraktion innerhalb der PalÀstinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Zuletzt bezeichnete er Israels Regierung bei der UN-Generaldebatte in September als «rassistisch». Im Gazastreifen gilt der Einfluss der Fatah unter Abbas als gering, seit die radikalislamische Hamas sie 2007 in blutigen MachtkÀmpfen aus der Region vertrieb.

Verbindungen zu Hamas

Russland hat nach Angaben des Außenministeriums in Moskau auch Kontakte zur Hamas, die von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft wird. So fĂŒhrte etwa der Nahost-Beauftragte des Kreml, Vizeaußenminister Michail Bogdanow, mehrfach in diesem Jahr GesprĂ€che mit Hamas-Vertretern - am Telefon und bei persönlichen Begegnungen.

Hamas-Terroristen hatten Israel am Wochenende angegriffen und Hunderte Menschen getötet. Israel rief danach den Kriegszustand aus.

@ dpa.de