Atomstrom, Fukushima

Japan fÀhrt Àltesten Atomreaktor wieder hoch

28.07.2023 - 11:17:06

Trotz Fukushima will Japan nicht auf Atomstrom verzichten. Jetzt geht ein jahrzehntealter Reaktor wieder in Betrieb - das Land will weniger abhÀngig sein.

Japan hat einen 48 Jahre alten Atomreaktor wieder angefahren. Der Reaktorblock Nummer 1 im Kernkraftwerk Takahama in der PrĂ€fektur Fukui ist damit der Ă€lteste operierende Kernreaktor des Landes. Er war 1974 in Betrieb genommen worden, bevor er im Januar 2011 fĂŒr regelmĂ€ĂŸige Inspektionen vom Netz genommen wurde.

Als es kurz darauf im MÀrz infolge eines Erdbebens und massiven Tsunamis zu Kernschmelzen im Atomkraftwerk Fukushima kam, blieb der Reaktor auch danach abgeschaltet. Der Betreiberkonzern Kansai Electric Power fuhr ihn nun wieder an. Der Reaktor soll ab nÀchsten Mittwoch Strom erzeugen, bevor er am 28. August den vollen Betrieb wieder aufnimmt.

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima am 11. MĂ€rz 2011 hatte Japan sĂ€mtliche Meiler im Lande heruntergefahren und deutlich verschĂ€rfte Sicherheitsstandards eingefĂŒhrt. Trotz der Katastrophe und der stĂ€ndigen Gefahr neuer Erdbeben setzt Japan weiter auf Atomstrom.

Das Konzept: Atomstrom fĂŒr Klimaschutz

Zum einen will das rohstoffarme Land Ă€hnlich wie Deutschland seine AbhĂ€ngigkeit von Öl- und Gasimporten verringern. Zum anderen will Japan seine Klimaschutzziele erreichen: Bis zum Jahr 2050 soll der CO2-Ausstoß auf Null reduziert werden. Die Regierung will bis 2030 etwa 20 bis 22 Prozent der Stromerzeugung aus der Kernenergie und 36 bis 38 Prozent aus erneuerbaren Energien gewinnen.

Um dieses Ziel zu erreichen, mĂŒssten fast 30 Reaktoren wieder in Betrieb genommen werden, was jedoch angesichts der langwierigen Genehmigungsverfahren und des lokalen Widerstands dagegen unrealistisch sei, schrieb die Zeitung «Nikkei Asia» kĂŒrzlich. Japans Parlament hatte kĂŒrzlich ein Gesetz in Kraft gesetzt, mit dem die Betriebsdauer von Atomreaktoren nicht lĂ€nger auf 60 Jahre beschrĂ€nkt wird - sondern potenziell unbegrenzte Laufzeiten möglich werden.

UrsprĂŒnglich war das Wiederanfahren des Reaktors Nummer 1 im Kraftwerk Takahama fĂŒr Juni geplant, doch wurde der Plan verschoben, da zusĂ€tzliche Arbeiten an der Brandschutzinfrastruktur erforderlich waren. Der Neustart erfolgt, nachdem Japans Atomaufsichtsbehörde im Jahr 2016 grĂŒnes Licht fĂŒr den Betrieb des Reaktors gegeben hatte.

Fukushima-Wasser wird ins Meer geleitet

Drei der vier Reaktoren des Kraftwerks Takahama sind inzwischen in Betrieb, nur der Reaktor Nummer 2 ist noch abgeschaltet. Nach Angaben des Energieversorgers soll auch dieser Reaktor im September wieder angefahren werden. Von den landesweit mehr als 40 kommerziellen Reaktoren in Japan sind inzwischen elf Reaktoren wieder in Betrieb.

Unterdessen bereitet Japan die Einleitung großer Mengen aufbereiteten Wassers aus der Atomruine Fukushima ins Meer vor, nachdem die Internationale Atomenergiebehörde kĂŒrzlich grĂŒnes Licht gegeben hatte. Der Plan wird jedoch von örtlichen Fischern und NachbarlĂ€ndern wie China weiter abgelehnt. Die beim Super-Gau 2011 zerstörten Reaktoren mĂŒssen noch immer mit Wasser gekĂŒhlt werden, das bislang gefiltert in Hunderten von Tanks gelagert wird. Wegen Überlastung soll das Wasser gefiltert und verdĂŒnnt im Pazifik verklappt werden.

@ dpa.de