Knapp bei Kasse - Trump droht die PfÀndung
22.03.2024 - 09:16:01Donald Trump ist ein stolzer Mann. Besonders stolz ist er auf seine Erfolge als GeschÀftsmann. «Ich bin kein Politiker. Ich bin ein GeschÀftsmann», sagte er im Wahlkampf 2015.
Noch heute gehört das Image als schwerreicher Unternehmer zum Markenkern des Ex-PrĂ€sidenten. UnabhĂ€ngig mache ihn sein Vermögen, so sein Argument. Trumps Reichtum steht auĂerdem fĂŒr Macht und Erfolg. Umso ĂŒberraschender war die Nachricht, dass der 77-JĂ€hrige nicht in der Lage ist, eine Kaution von rund 450 Millionen US-Dollar zu begleichen. Die fristgerechte Zahlung sei eine «praktische Unmöglichkeit», argumentieren Trumps AnwĂ€lte. Ist der Republikaner etwa pleite?
Wie viel Geld besitzt er?
Trumps Vermögen ist ein Mysterium - das US-Magazin «Forbes» schĂ€tzt es aktuell auf rund 2,6 Milliarden US-Dollar. Das ist allerdings nicht das Geld, das der Unternehmer als Barvermögen oder in Aktien zur VerfĂŒgung hat. Weite Teile des Geldes sind in Immobilien gebunden.
Trumps Antrag zeigt nun, dass er deutlich weniger Geld bar zur VerfĂŒgung haben dĂŒrfte, als gedacht - oder seine AnwĂ€lte bluffen. Noch vor knapp einem Jahr sagte Trump jedenfalls: «Wir haben eine Menge Bargeld. Ich glaube, wir haben deutlich mehr als 400 Millionen US-Dollar in bar.» Heute behauptete Trump, fast 500 Millionen US-Dollar in bar zu haben. Das Geld wolle er gröĂtenteils fĂŒr den Wahlkampf nutzen.Â
Teure Prozesse
Zuletzt wurde Trump mehrfach von der Justiz zur Kasse gebeten. Im Januar etwa hat ein New Yorker Gericht Trump wegen Verleumdung zu einer Schadenersatzzahlung von mehr als 80 Millionen US-Dollar an die Autorin E. Jean Carroll verurteilt. Der Republikaner legte Berufung ein, musste aber beim Gericht eine Art Kaution von mehr als 90 Millionen US-Dollar hinterlegen.
Kurze Zeit spĂ€ter kam es dann noch dicker. Trump, der nach der PrĂ€sidentenwahl im November noch einmal ins WeiĂe Haus einziehen will, wurde in einem Betrugsprozess in New York zu einer Strafe von mehr als 350 Millionen Dollar verurteilt. Mit Zinsen belĂ€uft sich die Gesamtsumme mittlerweile auf mehr als 450 Millionen Dollar.
Trump hat nach Auffassung des Gerichts den Wert seiner Trump Organization jahrelang manipuliert, um an gĂŒnstigere Kredite und VersicherungsvertrĂ€ge zu kommen. Auch hier geht Trump gegen das Urteil vor - muss aber dennoch das Geld als Kaution hinterlegen.
Die Uhr tickt
Trotz Verhandlungen mit rund 30 Versicherungsgesellschaften sei es bislang nicht gelungen, eine BĂŒrgschaft zu bekommen, so Trumps AnwĂ€lte. «Nur sehr wenige Kautionsversicherer werden eine BĂŒrgschaft in dieser GröĂenordnung in Betracht ziehen», hieĂ es.
Zweck einer solchen Kaution, die Trump nun schuldet, ist, dass Sieger in Zivilprozessen ihr Geld auch wirklich bekommen, wenn der Verlierer keinen Erfolg bei einer Berufung hat. Denn der Weg durch die Instanzen kann Jahre dauern. WĂ€re Trumps Berufung jedoch erfolgreich, mĂŒsste er eine GebĂŒhr in Millionenhöhe an das Versicherungsunternehmen zahlen - den Rest des Geldes bekĂ€me er zurĂŒck.
«Trump schuldet dieses Geld, weil er den Wert seines Vermögens in betrĂŒgerischer Absicht falsch angegeben hat, und nun will offenbar niemand diese Vermögenswerte als Sicherheiten akzeptieren. Ups», Ă€tzte die «Washington Post» mit Blick auf die Kautionsversicherer, die nicht fĂŒr Trump bĂŒrgen wollen.
Trump lĂ€uft die Zeit davon - bis Montag muss er zahlen. Tut er das nicht, kann die Justiz anfangen, Trumps Immobilien oder Konten zu beschlagnahmen. Offen ist, ob es dazu kommt. Trump hat bei einem Berufungsgericht beantragt, die Zahlung des Geldes entweder auszusetzen oder vorerst eine Garantie ĂŒber die Zahlung von lediglich 100 Millionen Dollar zu akzeptieren.
Begrenzter Spielraum
Berichten zufolge hat die New Yorker Staatsanwaltschaft aber bereits erste Schritte eingeleitet, um in der Zukunft Vermögen des Republikaners in Westchester County im Bundesstaat New York zu beschlagnahmen. Dort besitzt Trump einen Golfplatz und ein Anwesen.
Fachleute gehen nicht davon aus, dass Trump direkt am Montag an den GrundstĂŒcken dort ein VorhĂ€ngeschloss vorfinden wird oder kein Geld mehr abheben kann. Aber das Vorgehen der Staatsanwaltschaft gibt einen Hinweis, worauf es die Justiz abgesehen hat - und dass sie die Sache ernst nimmt.
Offen ist, was Trump nun tut - er hat nur wenige Möglichkeiten. ZunĂ€chst einmal hat er sich dafĂŒr entschieden, in typischer Trump-Manier öffentlichkeitswirksam Alarm zu schlagen und um Spenden zu betteln. «Lasst eure dreckigen HĂ€nde vom Trump Tower», hieĂ es in einer Nachricht seines Teams an seine UnterstĂŒtzer.
Fakt ist, dass Trump die Situation schon jetzt ausnutzt, um Spenden fĂŒr seinen Wahlkampf zu sammeln. Doch mehr als offen ist, ob er dieses Geld ĂŒberhaupt nutzen könnte, um die Kaution fĂŒr seinen Zivilprozess zu begleichen. Und der Wahlkampf selbst kostet auch schon ein Vermögen.
Der Trump Tower ist ein Wolkenkratzer in New York, Trumps Name prangt dort in riesigen goldenen Buchstaben. Das Hochhaus in bester Lage gilt als Symbol fĂŒr Trumps Reichtum. Dass dieses bald beschlagnahmt wird, ist eher unwahrscheinlich. «Man kann nicht einfach sagen: Das ist der Trump Tower, den nehme ich mir», sagte der New Yorker Anwalt fĂŒr Zwangsvollstreckung, Steven Yudin, dem US-Sender ABC. Er gehe nicht davon aus, dass Trump das GebĂ€ude komplett selbst besitze - das mĂŒsse man erst mal aufdröseln.
Droht der Bankrott?
Trump könnte sein Geldproblem lösen, indem er Konkurs anmeldet. Das gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich. Der selbst ernannte Macher, der als PrĂ€sident die Geschicke der gröĂten Volkswirtschaft der Welt fĂŒhren will - plötzlich pleite? Das dĂŒrfte Trumps Ansehen im Wahlkampf gegen den demokratischen Amtsinhaber Joe Biden schaden. Und auch nicht mit Trumps SelbstverstĂ€ndnis des erfolgreichen GeschĂ€ftsmanns zusammenpassen. Der Republikaner könnte allerdings auch kleinere Unternehmen, die zu seinem Imperium gehören und haftbar sind, in Konkurs gehen lassen.
Möglich wĂ€re auĂerdem, dass Trump einige seiner Immobilien verkauft, um an Bargeld zu kommen. «Ich wĂ€re gezwungen, Hypotheken aufzunehmen oder groĂe Vermögenswerte zu verkaufen, vielleicht zu Ausverkaufspreisen, und wenn ich die Berufung gewinne, wĂ€ren sie weg. Ergibt das Sinn?», schimpfte er auf der von ihm mitbegrĂŒndeten Plattform Truth Social. Vielleicht findet Trump auch noch jemanden, der ihm zumindest einen Teil des Geldes leiht und kratzt den Rest selbst zusammen. Doch bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf.


