GenieĂt Trump Schutz vor Strafverfolgung?
09.01.2024 - 18:06:07Es ist eine fundamental wichtige Frage fĂŒr Ex-PrĂ€sident Donald Trump, das Wahljahr in den USA und die politische Zukunft des gesamten Landes: SchĂŒtzt das PrĂ€sidentenamt vor Strafverfolgung? Mit der KlĂ€rung hat sich ein Berufungsgericht in der US-Hauptstadt Washington befasst - Trump erschien persönlich zu dem auĂergewöhnlichen Termin.
Entschieden werden muss, ob der Republikaner wegen seiner Versuche, das Wahlergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu kippen, auf Bundesebene strafrechtlich verfolgt werden kann - oder ob er als Ex-PrĂ€sident durch ImmunitĂ€t geschĂŒtzt ist. Die Richterinnen und Richter Ă€uĂerten sich skeptisch, ihr Beschluss stand aber zunĂ€chst noch aus.
Darum geht es
Trump ist im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt. Die AnwĂ€lte des 77-JĂ€hrigen wollen, dass die Anklage fallengelassen wird. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor aufgewiegelt und akzeptiert seine Niederlage bis heute nicht. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben.
Nicht zuletzt hat die Entscheidung ĂŒber den Schutz vor Strafverfolgung immense Bedeutung fĂŒr kĂŒnftige PrĂ€sidenten. Sollten diese wirklich ImmunitĂ€t genieĂen, könnten sie Straftaten im Amt begehen, ohne Konsequenzen fĂŒrchten zu mĂŒssen.
So argumentieren Trumps AnwÀlte
Trump und sein Team behaupten, dass das Vorgehen des Republikaners nach der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu seinen offiziellen Pflichten als PrĂ€sident gezĂ€hlt habe - dazu gehörten auch ErklĂ€rungen zu Wahlen. Trumps AnwĂ€lte sagten vor Gericht auĂerdem, dass es nur möglich sei, einen PrĂ€sidenten strafrechtlich zu verfolgen, wenn dieser zuvor in einem Amtsenthebungsverfahren schuldig gesprochen worden sei. Das ist bei Trump nicht der Fall.
Wenige Wochen nach der ErstĂŒrmung des Kapitols sprach der US-Senat Trump in einem Amtsenthebungsverfahren von der Verantwortung frei, weil seine Republikaner mehrheitlich hinter ihm standen. Es ist ein politisches Verfahren, dessen Ausgang auch von politischen Mehrheiten abhĂ€ngt. Daher erscheint die Argumentation des Trump-Teams fragwĂŒrdig, und auch das Berufungsgericht lieĂ wĂ€hrend der rund 75-minĂŒtigen Anhörung Skepsis erkennen. Und: Selbst Republikaner sagten damals, es sei Sache der Justiz und nicht des Kongresses, Trump zur Verantwortung zu ziehen.
Das sagt die Staatsanwaltschaft
Das Team von Sonderermittler Jack Smith forderte das Gericht auf, den den Antrag des Ex-PrĂ€sidenten abzulehnen. «Der PrĂ€sident hat eine einzigartige verfassungsmĂ€Ăige Rolle, aber er steht nicht ĂŒber dem Gesetz», sagte Ermittler James Pearce aus dem Team Smiths. Die Staatsanwaltschaft gab auĂerdem zu bedenken, das unbegrenzte strafrechtliche ImmunitĂ€t eines PrĂ€sidenten TĂŒr und Tor öffnen wĂŒrde fĂŒr kriminelle Handlungen jeglicher Art. So könne ein PrĂ€sident nach dieser Logik zum Beispiel politische Gegner töten, ohne belangt zu werden.
Vor einigen Wochen hatte bereits die zustÀndige Richterin in dem Verfahren einen entsprechenden Antrag abgelehnt und deutlich gemacht, dass das Kippen eines Wahlergebnisses nicht zu den offiziellen Pflichten eines PrÀsidenten zÀhle.
Auch das Berufungsgericht deutete nun an, der Argumentation von Trumps AnwĂ€lten nicht zu folgen. «Ich denke, es ist paradox zu sagen, dass seine verfassungsmĂ€Ăige Pflicht, dafĂŒr zu sorgen, dass die Gesetze getreu ausgefĂŒhrt werden, ihm erlaubt, gegen das Strafrecht zu verstoĂen», zitierte der Sender CNN eine Richterin.
Frage dĂŒrfte vor dem Supreme Court landen
Egal wie das Berufungsgericht entscheiden wird - der Fall dĂŒrfte wegen seiner immensen Bedeutung ohnehin am Ende vor dem Obersten Gericht der USA landen. Es wĂ€re das erste Mal, dass sich der Supreme Court mit der Frage beschĂ€ftigt, ob Ex-PrĂ€sidenten ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung auf Bundesebene genieĂen. Das liegt auch daran, dass noch nie zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten ein ehemaliger US-PrĂ€sident wegen strafrechtlicher Vergehen angeklagt wurde.


