Trump fordert neuen PrĂ€sidenten fĂŒr die Ukraine â Kiew stellt sich hinter Selenskyj
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 04:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
US-PrĂ€sident Donald Trump hat die Ablösung des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj gefordert, wĂ€hrend die ukrainische Regierung ihm den RĂŒckhalt der Bevölkerung zusichert und Russland Kiew weiter beschieĂt.
Ukrainische Regierung weist Forderung zurĂŒck
AuĂenminister Andrij Sybiha schrieb auf der Plattform X, Selenskyj genieĂe die UnterstĂŒtzung des ukrainischen Volkes. Dieses habe das Recht, selbst zu entscheiden. ĂuĂerungen aus dem Ausland bestĂ€tigten nur, dass Selenskyj seine Aufgabe gut erfĂŒlle und UnterstĂŒtzung verdiene.
Trump hatte am Samstag in Washington erklĂ€rt, es sei an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen PrĂ€sidenten bekomme. Die Ukrainer sollten einen AnfĂŒhrer suchen, der eine Vereinbarung zur Beendigung des Krieges schlieĂen könne. Selenskyj habe trotz vieler Gelegenheiten ein Kriegsende aus Trumps Sicht nicht herbeigefĂŒhrt.
Angriffe auf Kiew
WĂ€hrend des politischen Streits beschoss Russland die ukrainische Hauptstadt erneut. BĂŒrgermeister Vitali Klitschko meldete am Abend acht Verletzte, darunter ein 15-jĂ€hriges MĂ€dchen.
Trump verlangte auĂerdem, Selenskyj mĂŒsse Angriffe auf russische Raffinerien einstellen. Er machte diese Angriffe fĂŒr Probleme bei der Dieselversorgung verantwortlich. TatsĂ€chlich verweist die dpa-Meldung auf den Iran-Krieg als Ursache fĂŒr den starken Anstieg der Rohöl- und Dieselpreise.
Wahlen wÀhrend des Kriegs ausgeschlossen
Ein Wechsel an der Staatsspitze ist derzeit nach ukrainischem Verfassungsrecht nicht möglich, weil wÀhrend des Kriegs keine Wahl stattfinden darf. Selenskyj hatte sich mehrfach zu direkten GesprÀchen mit Kremlchef Wladimir Putin bereit erklÀrt, Treffen in Moskau aber abgelehnt.
Trump lobte zugleich die Bereitschaft Russlands zu einem Abkommen und sagte, Putin wolle dringend eine Vereinbarung. Russland hatte nach Darstellung der dpa-Meldung mehrfach Angebote fĂŒr einen bedingungslosen Waffenstillstand abgelehnt; diplomatische Initiativen blieben ohne Ergebnis.
Streit ĂŒber US-UnterstĂŒtzung
Nach Berichten aus Kiew befĂŒrchten Berater Selenskyjs, dass die USA ihre Geheimdienstkooperation mit der Ukraine beenden könnten. Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann wies Trumps Forderung zurĂŒck und erklĂ€rte, ĂŒber die FĂŒhrung der Ukraine entschieden allein die Ukrainerinnen und Ukrainer in freien Wahlen.
Der Konflikt zwischen Trump und Selenskyj hatte sich bereits im Februar 2025 bei einem öffentlichen ZerwĂŒrfnis im WeiĂen Haus zugespitzt. SpĂ€ter nĂ€herten sich beide Seiten wieder an und unterzeichneten ein umstrittenes Rohstoffabkommen. Mit Trumps Forderung nach einem neuen PrĂ€sidenten ist nun ein neuer Tiefpunkt erreicht.
Ein FĂŒhrungsstreit mit Folgen fĂŒr die Ukraine
Trumps Forderung fĂ€llt in eine Phase, in der Washington, Moskau, Kiew und europĂ€ische Staaten parallel ĂŒber mögliche Wege zu einem Kriegsende sprechen. GesprĂ€che ukrainischer und europĂ€ischer Vertreter mit US-UnterhĂ€ndlern in Florida hatten zuletzt Sicherheitsgarantien, die Energieinfrastruktur und ein mögliches Nachkriegspaket zum Gegenstand.
Politisch verschĂ€rft die Forderung den Konflikt zwischen dem US-PrĂ€sidenten und Selenskyj. Sie verbindet die Frage nach der ukrainischen FĂŒhrung mit Trumps Streit ĂŒber ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien und mit dem angekĂŒndigten DieselgeschĂ€ft mit Russland. FĂŒr Kiew entsteht damit zusĂ€tzlicher Druck, wĂ€hrend die russischen Angriffe auf ukrainische StĂ€dte andauern.
Warum die Wahlfrage kompliziert ist
Eine unmittelbare Ablösung Selenskyjs ist nicht einfach möglich. Nach der ukrainischen Verfassung sind Wahlen wĂ€hrend des Kriegsrechts ausgeschlossen. Eine regulĂ€re politische Entscheidung ĂŒber die Staatsspitze setzt deshalb zunĂ€chst eine Ănderung der rechtlichen und sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen voraus.
FĂŒr die internationale UnterstĂŒtzung ist entscheidend, ob europĂ€ische Partner an ihrer bisherigen Linie festhalten. Deutschland bekrĂ€ftigte zuletzt seine UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine und die Sanktionen gegen Russland. FĂŒr die Bevölkerung bleibt die Lage vor allem an den Angriffen auf Kiew, StromausfĂ€llen und der Frage ablesbar, ob diplomatische Initiativen die Gewalt tatsĂ€chlich verringern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht bestĂ€tige Trumps Forderung und stelle ihr die Kritik aus der deutschen Politik sowie aus den Reihen der US-Republikaner gegenĂŒber. Er hebe zudem hervor, Russland werde von Trump nicht zu einem vergleichbaren FĂŒhrungswechsel aufgefordert; offen bleibe, welche praktischen Folgen die ĂuĂerung fĂŒr die US-UnterstĂŒtzung habe.
tagesschau: âNach US-Dieseldeal mit Putin Trump fordert Selenskyjs Ablösungâ (10.10.2026)
Die Meldung bestĂ€tige den Zusammenhang zwischen dem Dieselabkommen, Trumps Angriffen auf Selenskyj und der Forderung nach einem neuen ukrainischen PrĂ€sidenten. Einen anderen Schwerpunkt setze sie auf den innenpolitischen Druck vor den US-Kongresswahlen, die begrenzte GröĂenordnung der angekĂŒndigten Lieferungen und die anhaltende europĂ€ische UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew.
Beide Berichte stimmten darin ĂŒberein, dass Trump einen FĂŒhrungswechsel in der Ukraine fordere und dies mit dem Dieselstreit sowie seiner Bewertung des Kriegsverlaufs verbinde. Unterschiede lĂ€gen vor allem in der Gewichtung: Der Tagesspiegel betone die politische Kritik, wĂ€hrend die tagesschau die Energiepreise, Sanktionen und die US-Innenpolitik stĂ€rker einordne.

