Trump, Ausschluss

Trump geht gegen Ausschluss von Vorwahl in Maine vor

02.01.2024 - 23:36:16

Darf Donald Trump nach dem, was sich am 6. Januar 2021 am US-Kapitol zutrug, noch mal als PrÀsidentschaftskandidat antreten? Zwei Bundesstaaten haben die Frage mit Nein beantwortet - zumindest vorerst.

Der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump wehrt sich auf juristischem Weg gegen die Versuche, ihn in einzelnen Bundesstaaten von der Vorwahl fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur der Republikaner auszuschließen.

AnwĂ€lte Trumps reichten bei einem Gericht im Bundesstaat Maine Einspruch gegen den Beschluss der dortigen obersten Wahlaufseherin ein, wonach sich der Republikaner mit seinem Verhalten im Zusammenhang mit dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 fĂŒr das Amt des PrĂ€sidenten disqualifiziert habe und deshalb nicht zur Vorwahl zugelassen werden könne.

Erwartet wird, dass Trump auch gegen einen Ă€hnlichen Beschluss des Obersten Gerichts im Bundesstaat Colorado Berufung einlegen wird. Am Ende dĂŒrfte der Supreme Court der USA die heikle Frage zu klĂ€ren haben.

Worum es geht

Hintergrund ist die beispiellose Attacke auf den US-Parlamentssitz vor fast genau drei Jahren: AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 gewaltsam das Kapitol in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl von 2020 formal zu bestĂ€tigen.

Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede durch Behauptungen aufgewiegelt, dass ihm der Wahlsieg durch massiven Betrug gestohlen worden sei. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben. Trump muss sich wegen seiner Handlungen rund um die Abstimmung wegen versuchten Wahlbetrugs vor Gericht verantworten.

Auf Grundlage dieser Ereignisse versuchen diverse KlĂ€ger in verschiedenen US-Bundesstaaten seit geraumer Zeit auch, Trumps Namen von Wahlzetteln fĂŒr die PrĂ€sidentschafts-Vorwahlen streichen zu lassen. Wer in den USA als PrĂ€sidentschaftskandidat fĂŒr die Republikaner oder die Demokraten antreten will, muss sich zunĂ€chst in parteiinternen Vorwahlen durchsetzen. In Bundesstaaten wie Michigan und Minnesota scheiterten KlĂ€ger mit ihren Versuchen, Trump aus dem Vorwahl-Rennen zu nehmen. In anderen Bundesstaaten stehen Entscheidungen noch aus. In Maine und Colorado fielen jedoch BeschlĂŒsse gegen Trump.

In Colorado hatte das Oberste Gericht des Bundesstaates vor einigen Tagen geurteilt, dass der Republikaner wegen seiner Rolle im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol nicht fĂŒr das PrĂ€sidentenamt geeignet sei und daher nicht an der Vorwahl teilnehmen könne. In Maine kam kurz darauf nicht ein Gericht, sondern die fĂŒr Wahlen zustĂ€ndige Secretary of State Shenna Bellows zum gleichen Schluss.

Gegen ihre Entscheidung brachten Trumps AnwĂ€lte nun einen formalen Einspruch vor. Sie argumentierten unter anderem, Bellows sei befangen und habe keine rechtliche Befugnis zu einer solchen Entscheidung. Der Beschluss basiere auf Fehlern und sei willkĂŒrlich.

Was nun passiert

Bellows hatte ihre Entscheidung in Erwartung von Trumps Einspruch vorerst ausgesetzt. Das gleiche gilt fĂŒr Colorado. Die beiden BeschlĂŒsse haben also zunĂ€chst keine Konsequenzen, solange das Berufungsprozedere lĂ€uft und noch keine finale KlĂ€rung vorliegt.

In Colorado hatte die Organisation American Center for Law and Justice im Namen der republikanischen Partei des Bundesstaates bereits Berufung gegen die dortige Gerichtsentscheidung eingelegt. Weiterer Einspruch in Colorado wird von Trump selbst erwartet. Damit dĂŒrfte am Ende der Supreme Court in der Frage zum Zug kommen.

Warum es eilig ist

Die Zeit drÀngt. Am 15. Januar beginnen die Vorwahlen der Republikaner mit der ersten Abstimmung im Bundesstaat Iowa. Die Vorwahlen der Republikaner in Colorado und Maine stehen am 5. MÀrz an, dem sogenannten Super Tuesday, wenn in einer ganzen Reihe von US-Bundesstaaten abgestimmt wird. Die Wahlzettel allerdings werden mit einigem Vorlauf gedruckt.

Trump will bei der PrĂ€sidentenwahl im November wieder fĂŒr die Republikaner antreten, und in Umfragen liegt er im Feld der republikanischen Bewerber bislang mit großem Abstand vorne. FĂŒr die Demokraten will Biden fĂŒr eine zweite Amtszeit ins Rennen gehen. Er hat dabei keine ernstzunehmende interne Konkurrenz.

Die ParteifĂŒhrung unterstĂŒtzt Trump

Die republikanische FĂŒhrungsriege im US-ReprĂ€sentantenhaus hat sich im Wahlkampf geschlossen hinter den frĂŒheren PrĂ€sidenten Donald Trump gestellt. Auch der Republikaner Tom Emmer sprach dem 77-JĂ€hrigen seine UnterstĂŒtzung fĂŒr die PrĂ€sidentenwahl im November aus - einen Tag nach dem MehrheitsfĂŒhrer in der Kammer, Steve Scalise. Emmer ist als «Majority Whip» dafĂŒr zustĂ€ndig, Mehrheiten in der Fraktion zu organisieren. Er schrieb auf der Plattform X, vormals Twitter, es sei an der Zeit, dass sich die Partei hinter einem AnfĂŒhrer versammele, der das Zeug habe, das Land auf Kurs zu bringen. Trump hat damit die komplette Fraktionsspitze der Republikaner in der Parlamentskammer hinter sich.

Der Vorsitzende des ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, und die Nummer drei der Republikaner in der Kammer, Elise Stefanik, hatten sich schon vorher auf Trumps Seite geschlagen - die glĂŒhende Trump-Getreue Stefanik sogar schon vor mehr als einem Jahr, kurz nachdem der Ex-PrĂ€sident seine erneute Bewerbung verkĂŒndet hatte.

Neben der juristischen Auseinandersetzung ĂŒber seine Teilnahme an den Vorwahlen stehen Trump in den kommenden Monaten auch mehrere große Gerichtsverfahren wegen diverser strafrechtlicher VorwĂŒrfe bevor - unter anderem wegen des Kapitol-Sturmes und seiner Versuche, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 nachtrĂ€glich umzukehren.

@ dpa.de