Trump dealt mit Putin - Ukraine und EuropĂ€er auĂen vor?
13.02.2025 - 14:35:12US-PrĂ€sident Donald Trump steigt ohne die europĂ€ischen VerbĂŒndeten in GesprĂ€che mit Kremlchef Wladimir Putin ĂŒber die Ukraine ein. Trump will ein schnelles Ende russischen Angriffskriegs aushandeln - trotzdem sollen die EuropĂ€er wohl die Hauptlast schultern. Die sind schlecht vorbereitet und könnten vor der Frage stehen: Friedenstruppen stellen, die dann an anderer Stelle fehlen - oder aber die Ukraine selbst massiv militĂ€risch ertĂŒchtigen.Â
Hat die neue US-Regierung die Ukraine schon vor den Verhandlungen aufgegeben?
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zog die Taktik Trumps öffentlich in Zweifel. Es sei schlecht, dass die USA noch vor Verhandlungen mit dem Kreml öffentlich ZugestĂ€ndnisse gemacht haben. «Aus meiner Sicht wĂ€re es besser gewesen, ĂŒber eine mögliche Nato-Mitgliedschaft der Ukraine oder ĂŒber mögliche Gebietsverluste des Landes erst am Verhandlungstisch zu sprechen - und es nicht vorher vom Tisch zu nehmen», sagte er in BrĂŒssel.Â
Welche Rolle haben die EuropĂ€er und die Nato noch zu spielen?Â
Die EuropĂ€er mĂŒssen befĂŒrchten, in die Rolle von ErfĂŒllungsgehilfen gedrĂ€ngt zu werden. Pistorius mahnte voller Sorge, die EuropĂ€er dĂŒrften nun «nicht am Katzentisch sitzen».Â
Was die kĂŒnftigen Lasten angeht, wird Europa aber aus Sicht der Amerikaner gebraucht: Die von Trump gefĂŒhrte US-Regierung will der Ukraine fĂŒr ihren Abwehrkampf deutlich weniger MilitĂ€r- und Finanzhilfen bereitstellen und erwartet, dass die LĂŒcken von den Partnern jenseits des Atlantiks gestopft werden. Sollte bei möglichen Friedensverhandlungen vereinbart werden, dass es eine Friedenstruppe braucht, wĂ€ren aus US-Sicht ebenfalls die EuropĂ€er in der Verantwortung. Die USA wollen nĂ€mlich selbst keine Truppen in der Ukraine stationieren und schlieĂen auch aus, dass die Nato eine Rolle spielen wird.
Ist Moskau ĂŒberhaupt zu einem Kriegsende bereit?
Moskau hat keine Eile, da die eigenen Truppen in der Ukraine vorrĂŒcken. Prinzipiell hat Russland aber groĂes Interesse an GesprĂ€chen, da der wirtschaftliche Druck groĂ ist und die Verluste hoch. Zugleich ist die Verhandlungssituation fĂŒr den Kreml fast optimal. Er kann aus einer Position der StĂ€rke heraus agieren. Die russische FĂŒhrung wollte immer auf Augenhöhe mit Washington verhandeln und Ukrainer und EuropĂ€er an den Katzentisch verbannen - darauf könnte es nun hinauslaufen. Ebenfalls wurde eine zentrale Forderung quasi schon vorab erfĂŒllt: Der Nato-Beitritt der Ukraine ist laut US-Regierung quasi vom Tisch. Also geht es fĂŒr Moskau darum, sich die Aneignung möglichst groĂer ukrainischer Gebiete garantieren zu lassen und sich ein Mitspracherecht bei der Politik in Kiew zu sichern.Â
Worauf hofft die Ukraine?
«Keiner will den Frieden mehr als wir», hat PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj gesagt. Und tatsĂ€chlich ĂŒberlagert der Wunsch nach einem Kriegsende inzwischen vieles andere. Kiew ist klar, ZugestĂ€ndnisse zu machen, hofft aber seine EigenstĂ€ndigkeit sichern zu können und nicht noch mehr Gebiete aufgeben zu mĂŒssen. Dazu braucht die Ukraine in erster Linie wirksame Sicherheitsgarantien.
WĂ€re eine Friedenstruppe ohne US-Beteiligung denkbar?Â
Die Sicherheitsforscherin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) schreibt, bislang gebe es keine schlĂŒssigen Ideen dazu. «Was die EuropĂ€er ad hoc bereitstellen können, wĂŒrde keinen glaubhaften Schutz bieten», stellt sie in ihrer Studie fest. Nötig wĂ€re fĂŒr eine Abschreckung eine «zusĂ€tzlich notwendige westliche ideale KontingentstĂ€rke von etwa 150.000 Soldaten». Major warnt: «Ein âBluff and Prayâ-Ansatz (bluffen und beten), der zu wenig Truppen einsetzt und im Wesentlichen auf der Hoffnung fuĂt, dass Russland diesen nicht testet, wĂ€re fahrlĂ€ssig und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Krieges in Europa.» MilitĂ€rplaner weisen zudem darauf hin, dass entweder die AufrĂŒstung der Ukraine umfangreicher oder aber eine Friedenstruppe gröĂer sein muss.Â
Erleben wir den sicherheitspolitischen RĂŒckzug der USA aus Europa?Â
Stand heute ist das zumindest Trumps Plan. Sein Verteidigungsminister Pete Hegseth machte den europĂ€ischen Alliierten unmissverstĂ€ndlich deutlich, dass sich sein Land kĂŒnftig auf die Bedrohungen durch China konzentrieren wird. Um die konventionelle Verteidigung und Abschreckung in Europa mĂŒssten sich federfĂŒhrend die EuropĂ€er kĂŒmmern. Nur bei der nuklearen Abschreckung wĂŒrde demnach alles beim Alten bleiben.
Kann die EU ĂŒberhaupt mehr Verantwortung ĂŒbernehmen?
Das ist tatsĂ€chlich fraglich - vor allem, weil der Kurs der USA die EU spalten könnte. Schon in den vergangenen Monaten hatte Ungarn immer wieder auf europĂ€ischer Ebene UnterstĂŒtzungsentscheidungen fĂŒr die Ukraine blockiert. Absehbar kommt auf die EU nun auch neuer Streit ĂŒber Verteidigungsinvestitionen und mögliche neue Schulden dafĂŒr zu. Ein RĂŒckzug der Amerikaner aus Europa dĂŒrfte zusĂ€tzliche Milliardeninvestitionen erfordern - viele EU-Staaten sind aber hoch verschuldet. Deutschland lehnt neue EU-Schulden dafĂŒr ab.Â
Und was ist mit der Nato?
Auf sie kommen schwierige Zeiten zu. Frankreichs Verteidigungsminister SĂ©bastien Lecornu sagte, es stelle sich nun «ein bisschen» die Frage nach der Zukunft der Nato. «Man sagt, sie sei das wichtigste und robusteste MilitĂ€rbĂŒndnis der Geschichte. Das ist historisch gesehen wahr», sagte er. Die eigentliche Frage sei jedoch: «Wird das in 10 oder 15 Jahren immer noch der Fall sein?»
Welche Bedeutung hat Kursk als Verhandlungsmasse?
Das ist unklar. Selenskyj will die in Russland eroberten Gebiete in Kursk gegen besetzte Teile der Ukraine tauschen. FĂŒr den Kreml ist das bisher unannehmbar, weil es der eigenen Wahrnehmung der StĂ€rke widerspricht.Â
Wie geht es jetzt weiter?
Der Blick richtet sich auf die nun beginnende MĂŒnchner Sicherheitskonferenz, wo US-VizeprĂ€sident J.D. Vance, der US-Sondergesandte Keith Kellogg die Möglichkeit fĂŒr das direkte GesprĂ€ch mit dem ukrainische PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj haben. Bald soll auch ein persönliches Treffen Trump mit Kremlchef Putin in Saudi-Arabien folgen.


