US-Sanktionen gegen Russland, Ukraine-Krieg

Trump setzt US-Sanktionen gegen Russland vor Frist aus

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 14:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der US-PrĂ€sident setzt ein vom Kongress beschlossenes Maßnahmenpaket kurz vor dessen automatischem Inkrafttreten aus. Kiew kritisiert den Schritt, wĂ€hrend Moskau darin Chancen fĂŒr eine AnnĂ€herung und eine Friedenslösung sieht.

Das Gesetz zielte auf Russlands EnergiegeschÀfte

  • Trump unterzeichnete das Sanktionsgesetz Mitte September nach einer parteiĂŒbergreifenden Mehrheit im US-Kongress.
  • Die Maßnahmen sollten auch russische Politiker, Unternehmen sowie Öl- und Gasexporte treffen.
  • Das Gesetz trĂ€gt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham.
  • US-PrĂ€sident Trump hat neue Zölle gegen Russland vorerst auf Eis gelegt. - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
  • Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj hofft weiter auf ein Inkrafttreten noch schĂ€rferer Sanktionen gegen Russland. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Moskau sieht im Verzicht von Trump auf Sanktionen gegen Russland Chancen einen Weg zu einer Friedenslösung. (Archivbild) - Bild: Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
US-PrÀsident Trump hat neue Zölle gegen Russland vorerst auf Eis gelegt. - Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa Der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj hofft weiter auf ein Inkrafttreten noch schÀrferer Sanktionen gegen Russland. - Bild: Michael Kappeler/dpa Moskau sieht im Verzicht von Trump auf Sanktionen gegen Russland Chancen einen Weg zu einer Friedenslösung. (Archivbild) - Bild: Vyacheslav Prokofyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Trump setzt Russland-Sanktionen kurz vor Frist aus

US-PrĂ€sident Donald Trump setzt die im Kongress beschlossenen neuen Sanktionen und Zölle gegen Russland bis auf Weiteres aus. Kiew kritisiert die Entscheidung, wĂ€hrend Moskau sie als Chance fĂŒr mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit und GesprĂ€che ĂŒber ein Kriegsende begrĂŒĂŸt.

Sanktionspaket sollte Kreml unter Druck setzen

Trump hatte das Gesetz Mitte September unterzeichnet, nachdem es im US-Parlament eine parteiĂŒbergreifende Mehrheit erhalten hatte. Die darin vorgesehenen Maßnahmen sollten 30 Tage nach der Unterzeichnung automatisch greifen, falls der PrĂ€sident nicht anders entscheidet.

Trump setzte die Zölle nun kurz vor Ablauf dieser Frist aus. Zur BegrĂŒndung erklĂ€rte er, dies liege „zum jetzigen Zeitpunkt im nationalen Interesse“ der USA.

Selenskyj kritisiert Lockerung

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warf Trump vor, den Druck auf Moskau zu lockern. Eine finanzielle Belohnung und weniger Sanktionen wĂŒrden den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin nach seiner EinschĂ€tzung zu weiteren Angriffen ermutigen.

Selenskyj verwies auf einen schweren russischen Angriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Mehr als 15 wichtige Anlagen zur Stromerzeugung und -ĂŒbertragung seien in verschiedenen Regionen getroffen worden; Behörden meldeten Tote und Verletzte sowie Hunderttausende Menschen ohne Strom und Heizung.

Moskau sieht Chancen fĂŒr AnnĂ€herung

Der Kreml-Beauftragte Kirill Dmitrijew lobte die Entscheidung als „wichtigen und wahrhaft historischen Moment“. Sie fördere den Dialog und eine fĂŒr beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit, erklĂ€rte er.

Das Gesetz hĂ€tte die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und den USA nach seiner Darstellung nahezu vollstĂ€ndig zum Erliegen bringen und der amerikanischen Wirtschaft sowie den WeltmĂ€rkten schaden können. Dmitrijew verhandelt als Kreml-UnterhĂ€ndler mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner ĂŒber ein Ende der russischen Invasion.

Öl- und GasgeschĂ€fte im Fokus

Das auf Eis gelegte Gesetz sieht Sanktionen gegen russische Politiker und Unternehmen sowie gegen Öl- und Gasexporte vor. Es hĂ€tte Trump unter anderem erlaubt, die fĂŒnf grĂ¶ĂŸten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger und fĂŒnf LĂ€nder mit besonders umfangreicher Hilfe bei der Umgehung von Energiesanktionen zu belegen.

Damit hĂ€tten die USA ihre Handelsbeziehungen zu China und Indien belasten können, die große Mengen russischen Erdöls beziehen. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher MilitĂ€r- und Finanzhilfe gegen die russische Invasion.

Politikwissenschaftler warnt vor Folgen

Der Geopolitik-Experte Klemens Fischer bezeichnete die Lage fĂŒr die Ukraine als den „dunkelsten Moment“ des Krieges. Eine erneute Hinwendung Trumps zur Ukraine nach den US-Zwischenwahlen könnte langfristige SchĂ€den nicht vollstĂ€ndig verhindern, warnte er.

Das Gesetz trÀgt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham. Kritiker aus den Reihen der Demokraten hatten bemÀngelt, dass der Entwurf dem PrÀsidenten zu viel Spielraum bei der VerhÀngung oder Aussetzung von Sanktionen lasse.

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Die Aussetzung verschiebt den Konflikt zwischen Kongress und PrĂ€sident ĂŒber den Kurs gegenĂŒber Moskau. Das im September unterzeichnete Gesetz war parteiĂŒbergreifend beschlossen worden und sollte nicht nur russische Akteure, sondern auch GeschĂ€fte mit russischer Energie treffen.

Besonders weitreichend wĂ€re die mögliche Wirkung auf Drittstaaten gewesen. Vorgesehene Maßnahmen gegen große Abnehmer russischen Öls und Gases hĂ€tten auch Handelsbeziehungen der USA zu China und Indien belasten können. Damit verband sich der Sanktionsdruck gegen Moskau mit einem möglichen Konflikt ĂŒber Energiepreise, WeltmĂ€rkte und die amerikanische Außenhandelspolitik.

Folgen fĂŒr Ukraine und Europa

FĂŒr Kiew fĂ€llt die Entscheidung in eine militĂ€risch besonders angespannte Phase. Selenskyj verknĂŒpft die Lockerung des wirtschaftlichen Drucks mit den russischen Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur und fordert eine RĂŒckkehr zu wirksamen Sanktionen.

Politisch stĂ€rkt der Schritt zunĂ€chst Moskaus Argument, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit trotz des Krieges wieder möglich werden könnte. FĂŒr die Ukraine bedeutet die Aussetzung dagegen weniger absehbaren Druck auf Russland und grĂ¶ĂŸere Unsicherheit ĂŒber die VerlĂ€sslichkeit der US-UnterstĂŒtzung. Ob und wann Trump die Maßnahmen wieder in Kraft setzt, bleibt der zentrale offene Punkt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „USA: Donald Trump stoppt Sanktionspaket gegen Russland“ (17.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt die Aussetzung kurz vor dem Inkrafttreten und ordnet sie in Trumps wachsende Kritik an Selenskyj sowie in das angekĂŒndigte DieselgeschĂ€ft mit Russland ein. Anders als die dpa-Meldung legt er einen Schwerpunkt auf die politische AnnĂ€herung zwischen Washington und Moskau und Selenskyjs BefĂŒrchtung weiterer Lockerungen.

BR24: „USA setzen neue Sanktionen gegen Russland aus“ (17.10.2026)

BR24 bestĂ€tigt, dass Trump die Maßnahmen per Dekret vorerst aussetzte, und beschreibt die möglichen Folgen fĂŒr Staaten wie Indien sowie die Debatte ĂŒber seine Entscheidungsfreiheit. Der Beitrag hebt zusĂ€tzlich den Zusammenhang mit den bevorstehenden US-Kongresswahlen und den hohen Energiekosten hervor.

Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Kern der Entscheidung und ihrem unmittelbaren Zeitpunkt ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Euronews betont die politische AnnĂ€herung, BR24 die wirtschaftlichen und innenpolitischen Folgen; offen bleibt der Zeitpunkt einer möglichen Wiedereinsetzung.

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