Trump setzt US-Sanktionen gegen Russland vor Frist aus
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 14:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Gesetz zielte auf Russlands EnergiegeschÀfte
- Trump unterzeichnete das Sanktionsgesetz Mitte September nach einer parteiĂŒbergreifenden Mehrheit im US-Kongress.
- Die MaĂnahmen sollten auch russische Politiker, Unternehmen sowie Ăl- und Gasexporte treffen.
- Das Gesetz trÀgt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham.
Trump setzt Russland-Sanktionen kurz vor Frist aus
US-PrĂ€sident Donald Trump setzt die im Kongress beschlossenen neuen Sanktionen und Zölle gegen Russland bis auf Weiteres aus. Kiew kritisiert die Entscheidung, wĂ€hrend Moskau sie als Chance fĂŒr mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit und GesprĂ€che ĂŒber ein Kriegsende begrĂŒĂt.
Sanktionspaket sollte Kreml unter Druck setzen
Trump hatte das Gesetz Mitte September unterzeichnet, nachdem es im US-Parlament eine parteiĂŒbergreifende Mehrheit erhalten hatte. Die darin vorgesehenen MaĂnahmen sollten 30 Tage nach der Unterzeichnung automatisch greifen, falls der PrĂ€sident nicht anders entscheidet.
Trump setzte die Zölle nun kurz vor Ablauf dieser Frist aus. Zur BegrĂŒndung erklĂ€rte er, dies liege âzum jetzigen Zeitpunkt im nationalen Interesseâ der USA.
Selenskyj kritisiert Lockerung
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warf Trump vor, den Druck auf Moskau zu lockern. Eine finanzielle Belohnung und weniger Sanktionen wĂŒrden den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin nach seiner EinschĂ€tzung zu weiteren Angriffen ermutigen.
Selenskyj verwies auf einen schweren russischen Angriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur. Mehr als 15 wichtige Anlagen zur Stromerzeugung und -ĂŒbertragung seien in verschiedenen Regionen getroffen worden; Behörden meldeten Tote und Verletzte sowie Hunderttausende Menschen ohne Strom und Heizung.
Moskau sieht Chancen fĂŒr AnnĂ€herung
Der Kreml-Beauftragte Kirill Dmitrijew lobte die Entscheidung als âwichtigen und wahrhaft historischen Momentâ. Sie fördere den Dialog und eine fĂŒr beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit, erklĂ€rte er.
Das Gesetz hĂ€tte die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und den USA nach seiner Darstellung nahezu vollstĂ€ndig zum Erliegen bringen und der amerikanischen Wirtschaft sowie den WeltmĂ€rkten schaden können. Dmitrijew verhandelt als Kreml-UnterhĂ€ndler mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner ĂŒber ein Ende der russischen Invasion.
Ăl- und GasgeschĂ€fte im Fokus
Das auf Eis gelegte Gesetz sieht Sanktionen gegen russische Politiker und Unternehmen sowie gegen Ăl- und Gasexporte vor. Es hĂ€tte Trump unter anderem erlaubt, die fĂŒnf gröĂten KĂ€ufer russischer EnergietrĂ€ger und fĂŒnf LĂ€nder mit besonders umfangreicher Hilfe bei der Umgehung von Energiesanktionen zu belegen.
Damit hĂ€tten die USA ihre Handelsbeziehungen zu China und Indien belasten können, die groĂe Mengen russischen Erdöls beziehen. Die Ukraine wehrt sich seit Februar 2022 mit westlicher MilitĂ€r- und Finanzhilfe gegen die russische Invasion.
Politikwissenschaftler warnt vor Folgen
Der Geopolitik-Experte Klemens Fischer bezeichnete die Lage fĂŒr die Ukraine als den âdunkelsten Momentâ des Krieges. Eine erneute Hinwendung Trumps zur Ukraine nach den US-Zwischenwahlen könnte langfristige SchĂ€den nicht vollstĂ€ndig verhindern, warnte er.
Das Gesetz trÀgt den Namen des im Juli gestorbenen Senators und Trump-Vertrauten Lindsey Graham. Kritiker aus den Reihen der Demokraten hatten bemÀngelt, dass der Entwurf dem PrÀsidenten zu viel Spielraum bei der VerhÀngung oder Aussetzung von Sanktionen lasse.
Anzeige | trading-house Börsenakademie
Kostenlose Trading-Webinare fĂŒr Privatanleger
Live lernen, live fragen. Erfahrene Trader zeigen Dir ihre Strategien beim Handel mit Aktien, Indizes und Rohstoffen in Echtzeit und beantworten Deine Fragen direkt - zum Beispiel, wie Du Nachrichten wie diese fĂŒr Deine Entscheidungen an der Börse richtig einordnest. 100 % kostenlos, live und interaktiv, jeden Mittwoch um 15:15 Uhr, von der trading-house Börsenakademie, die Privatanleger seit 28 Jahren ausbildet.
Die Aussetzung verschiebt den Konflikt zwischen Kongress und PrĂ€sident ĂŒber den Kurs gegenĂŒber Moskau. Das im September unterzeichnete Gesetz war parteiĂŒbergreifend beschlossen worden und sollte nicht nur russische Akteure, sondern auch GeschĂ€fte mit russischer Energie treffen.
Besonders weitreichend wĂ€re die mögliche Wirkung auf Drittstaaten gewesen. Vorgesehene MaĂnahmen gegen groĂe Abnehmer russischen Ăls und Gases hĂ€tten auch Handelsbeziehungen der USA zu China und Indien belasten können. Damit verband sich der Sanktionsdruck gegen Moskau mit einem möglichen Konflikt ĂŒber Energiepreise, WeltmĂ€rkte und die amerikanische AuĂenhandelspolitik.
Folgen fĂŒr Ukraine und Europa
FĂŒr Kiew fĂ€llt die Entscheidung in eine militĂ€risch besonders angespannte Phase. Selenskyj verknĂŒpft die Lockerung des wirtschaftlichen Drucks mit den russischen Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur und fordert eine RĂŒckkehr zu wirksamen Sanktionen.
Politisch stĂ€rkt der Schritt zunĂ€chst Moskaus Argument, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit trotz des Krieges wieder möglich werden könnte. FĂŒr die Ukraine bedeutet die Aussetzung dagegen weniger absehbaren Druck auf Russland und gröĂere Unsicherheit ĂŒber die VerlĂ€sslichkeit der US-UnterstĂŒtzung. Ob und wann Trump die MaĂnahmen wieder in Kraft setzt, bleibt der zentrale offene Punkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âUSA: Donald Trump stoppt Sanktionspaket gegen Russlandâ (17.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die Aussetzung kurz vor dem Inkrafttreten und ordnet sie in Trumps wachsende Kritik an Selenskyj sowie in das angekĂŒndigte DieselgeschĂ€ft mit Russland ein. Anders als die dpa-Meldung legt er einen Schwerpunkt auf die politische AnnĂ€herung zwischen Washington und Moskau und Selenskyjs BefĂŒrchtung weiterer Lockerungen.
BR24: âUSA setzen neue Sanktionen gegen Russland ausâ (17.10.2026)
BR24 bestĂ€tigt, dass Trump die MaĂnahmen per Dekret vorerst aussetzte, und beschreibt die möglichen Folgen fĂŒr Staaten wie Indien sowie die Debatte ĂŒber seine Entscheidungsfreiheit. Der Beitrag hebt zusĂ€tzlich den Zusammenhang mit den bevorstehenden US-Kongresswahlen und den hohen Energiekosten hervor.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim Kern der Entscheidung und ihrem unmittelbaren Zeitpunkt ĂŒberein. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Euronews betont die politische AnnĂ€herung, BR24 die wirtschaftlichen und innenpolitischen Folgen; offen bleibt der Zeitpunkt einer möglichen Wiedereinsetzung.
