Berufungsgericht, ImmunitÀt

Berufungsgericht befasst sich mit ImmunitÀt Trumps

09.01.2024 - 03:14:20

Trump will dabei sein, wenn sich ein Berufungsgericht in Washington am Dienstag mit der Frage seiner ImmunitĂ€t beschĂ€ftigt. Dass es ĂŒberhaupt dazu kommt, kann der Republikaner als Erfolg verbuchen.

Ein Berufungsgericht in der US-Hauptstadt Washington befasst sich mit der Frage der ImmunitĂ€t des ehemaligen US-PrĂ€sidenten Donald Trump. Der 77-JĂ€hrige will nach eigenen Angaben persönlich bei der Anhörung heute erscheinen und dĂŒrfte den Termin fĂŒr einen Wahlkampfauftritt nutzen. GeklĂ€rt werden soll, ob der Republikaner wegen seiner Versuche, das Wahlergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu kippen, auf Bundesebene strafrechtlich verfolgt werden kann - oder ob er als Ex-PrĂ€sident durch ImmunitĂ€t geschĂŒtzt ist.

Trump ist in Washington im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede aufgewiegelt und akzeptiert seine Niederlage bis heute nicht. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben.

Frage dĂŒrfte vor dem Supreme Court landen

Trumps AnwĂ€lte hatten beantragt, dass die Anklage gegen ihren Mandaten fallengelassen wird. Sie sind der Ansicht, dass Trump nicht rechtlich fĂŒr Handlungen belangt werden kann, die sie zu seinen Pflichten als PrĂ€sident zĂ€hlen. Die zustĂ€ndige Richterin in dem Verfahren hatte den Antrag abgelehnt.

Gegen diese Entscheidung legte Trumps Team wiederum Berufung ein, deshalb ist nun ein Berufungsgericht am Zug. Sonderermittler Jack Smith, der die Untersuchung leitet, hatte versucht, das Berufungsgericht zu umgehen. Er wandte sich dafĂŒr direkt an den Obersten Gerichtshof des Landes und bat diesen darum, die Frage schnell zu klĂ€ren. Diese Bitte lehnte der Supreme Court aber ab - ein Erfolg fĂŒr Trump.

Deshalb muss die Berufung nun ihren Weg durch die Instanzen gehen, was sich hinziehen kann. Es ist davon auszugehen, dass der Fall nach der Entscheidung des Berufungsgerichts wieder beim Supreme Court landen wird. Der bisher anvisierte Prozessbeginn Anfang MÀrz ist damit unwahrscheinlich, da auf die höchstinstanzliche Entscheidung gewartet werden muss.

Trump setzt auf Verzögerungstaktik

Es wĂ€re das erste Mal, dass sich das Oberste Gericht der USA mit der Frage beschĂ€ftigt, ob Ex-PrĂ€sidenten ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung auf Bundesebene genießen. Das liegt auch daran, dass noch nie zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten ein ehemaliger US-PrĂ€sident wegen strafrechtlicher Vergehen angeklagt wurde.

Auf der von ihm mitbegrĂŒndeten Online-Plattform Truth Social machte Trump am Vortag nochmals seine Sicht der Dinge klar: NatĂŒrlich habe er als PrĂ€sident der USA und Oberbefehlshaber Anspruch auf ImmunitĂ€t gehabt. Er habe als PrĂ€sident lediglich sein Land verteidigt, schrieb er. Seiner Argumentation nach hat es sich bei seinem Verhalten damals nicht um Wahlkampf gehandelt.

Trump geht bei Anklage in Georgia Àhnlich vor

Auch im Bundesstaat Georgia wurde gegen Trump und 18 weitere Beschuldigte Anklage wegen versuchter Wahlbeeinflussung erhoben. Am Montag beantragten Trumps AnwĂ€lte hier ebenfalls, dass das Verfahren eingestellt wird und fĂŒhrten die ImmunitĂ€t des damaligen PrĂ€sidenten an. Die Abgabe von ErklĂ€rungen an die Öffentlichkeit zu Angelegenheiten von nationalem Interesse wie Wahlen gehöre zum Kernbereich der historischen Rolle und Verantwortung des PrĂ€sidenten, heißt es in dem Antrag. Ein Prozessbeginn ist hier fĂŒr August angesetzt.

Ein Mitangeklagter Trumps in Georgia stellte am Montag außerdem einen Antrag, die zustĂ€ndige StaatsanwĂ€ltin Fani Willis von dem Fall abzuziehen. In dem Antrag wirft die AnwĂ€ltin des ehemaligen Trump-Wahlkampfhelfers Michael Rothman der StaatsanwĂ€ltin vor, eine unangemessene romantische Beziehung mit einem der anderen StaatsanwĂ€lte in dem Fall zu haben. Der Antrag fĂŒhrt dabei nicht namentlich genannte Quellen an. Man werde mit der Einreichung entsprechender Gerichtsunterlagen reagieren, zitierten US-Medien das BĂŒro von Willis.

Es war offen, ob der Antrag bedeutende Auswirkungen auf den Fall insgesamt haben könnte. Willis war in der Vergangenheit immer wieder Opfer diverser verbaler Angriffe und Verleumdungen aus Trumps Lager.

Trump nutzt Verfahren fĂŒr Wahlkampf

Dass Trump nun bei der Anhörung des Berufungsgerichts in Washington persönlich erscheinen will, dĂŒrfte vor allem seinem Wahlkampf geschuldet sein. Denn Trump, der insgesamt mit vier strafrechtlichen Anklagen konfrontiert ist, will fĂŒr die Republikaner noch einmal ins Weiße Haus einziehen. Die Vorwahlen fĂŒr die Kandidatur stehen kurz bevor. Trump fĂŒhrt in parteiinternen Umfragen mit Abstand. Bisher deutet alles auf eine Neuauflage des Wahlkampfs zwischen ihm und Amtsinhaber Joe Biden hin.

Trump nutzte die Termine bei seinen verschiedenen Verfahren in der Vergangenheit bereits fĂŒr große Auftritte. Dabei stellt er sich immer wieder als Justizopfer dar - eine Rhetorik, die bei den Republikanern durchaus verfĂ€ngt. Trump setzt außerdem aus taktischen GrĂŒnden darauf, die Prozesse gegen ihn zu verzögern - möglicherweise sogar bis nach der PrĂ€sidentenwahl im November dieses Jahres. Sollte er die Wahl gewinnen, könnte er seinen Justizminister auffordern, die Ermittlungen auf Bundesebene gegen ihn einzustellen.

@ dpa.de