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Supreme Court: Trump darf mit Kriegsgesetz abschieben

08.04.2025 - 02:00:14

Trumps Regierung hat ein Gesetz von 1798 genutzt, um angebliche Kartellmitglieder in ein GefĂ€ngnis nach El Salvador zu ĂŒberstellen. Nun macht der Supreme Court eine Ansage.

  • US-PrĂ€sident Trump hatte das Oberste US-Gericht eingeschaltet. (Archivbild) - Foto: Susan Walsh/AP/dpa

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  • Trumps Regierung hat zahlreiche mutmaßliche Gangmitglieder nach El Salvador abgeschoben. (Archivbild) - Foto: Alex Brandon/AP/dpa

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US-PrĂ€sident Trump hatte das Oberste US-Gericht eingeschaltet. (Archivbild) - Foto: Susan Walsh/AP/dpaTrumps Regierung hat zahlreiche mutmaßliche Gangmitglieder nach El Salvador abgeschoben. (Archivbild) - Foto: Alex Brandon/AP/dpa

US-PrĂ€sident Donald Trump darf mutmaßliche auslĂ€ndische Kartellmitglieder auf Grundlage eines umstrittenen Kriegsgesetzes aus dem 18. Jahrhundert wieder abschieben. Das entschied das Oberste Gericht der USA. Die KlĂ€ger seien in Texas inhaftiert gewesen und hĂ€tten deshalb dort und nicht in der Hauptstadt Washington DC klagen sollen, urteilten die Richter. Der Supreme Court kippte damit eine Entscheidung des Richters James E. Boasberg, der in dem «Alien Enemies Act» von 1798 keine ausreichende rechtliche Grundlage fĂŒr die Abschiebungen gesehen und angeordnet hatte, sie zu stoppen. 

Die «Washington Post» schrieb, das Urteil mit 5 zu 4 Stimmen, sei nicht auf die rechtliche Grundlage der Klage eingegangen. Es lasse die Möglichkeit offen, dass die Migranten ihren Fall in Texas erneut einreichen können. Richter Brett Kavanaugh betonte in seiner BegrĂŒndung, dass sich die Richter einig gewesen seien, dass die Migranten eine gerichtliche ÜberprĂŒfung erhalten sollten. Sie seien aber geteilter Meinung darĂŒber, wo der Fall verhandelt werden sollte. Hintergrund ist die Abschiebung von mehr als 200 Venezolanern nach El Salvador im MĂ€rz.

Trump spricht von großem Tag

Die Trump-Regierung feierte das Urteil. PrĂ€sident Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social in Großbuchstaben: «EIN GROSSER TAG FÜR DIE GERECHTIGKEIT IN AMERIKA!» Der Oberste Gerichtshof habe die Rechtsstaatlichkeit gestĂ€rkt, indem er dem PrĂ€sidenten ermöglicht habe, die Grenzen zu sichern und das Land zu schĂŒtzen. Heimatschutzministerin Kristi Noem jubelte, «ein aktivistischer Richter» könne den Willen des amerikanischen Volkes fĂŒr ein sicheres Land nicht aufhalten. Vize-PrĂ€sident JD Vance schrieb, das Urteil zeige, dass ein Ă€ußerst linksgerichteter Richter in Washington nicht die Einwanderungsgesetze von PrĂ€sident Trump aufheben könne. «Das ist eine große Niederlage fĂŒr die Irren und ein großer Sieg fĂŒr das amerikanische Volk.» Die Trump-Regierung hatte den Richter immer wieder massiv angegriffen. 

Tren de Aragua zur Terrororganisation erklÀrt

Die US-Regierung gab damals an, dass es sich bei den Abgeschobenen um Mitglieder der kriminellen Organisation Tren de Aragua handele. Die venezolanische Regierung wies das zurĂŒck. Der Tren de Aragua ist eine venezolanische Bande, die in Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Menschenhandel verwickelt ist. 

Trump erklĂ€rte die Gang zu einer auslĂ€ndischen Terrororganisation. Er argumentiert, dass Tren de Aragua «feindliche Handlungen» und «irregulĂ€re KriegsfĂŒhrung» gegen das US-Territorium ausĂŒbe - und erhebt den Vorwurf, die Bande folge dabei auch Anweisungen der Regierung von Venezuelas autoritĂ€rem PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro. Trump treibt seit seinem Amtsantritt einen harten Kurs in der Migrationspolitik voran.

Gesetz aus dem Jahr 1798 als Grundlage fĂŒr Abschiebungen

Zur Rechtfertigung der Abschiebung nach El Salvador beruft sich die Trump-Regierung hauptsĂ€chlich auf ein umstrittenes und kaum genutztes Gesetz aus dem Jahr 1798: Der «Alien Enemies Act» (Gesetz ĂŒber auslĂ€ndische Feinde) erlaubt es dem PrĂ€sidenten, Menschen in Kriegszeiten oder bei einer Invasion aus «feindlichen Nationen» ohne regulĂ€res Verfahren inhaftieren und abschieben zu lassen. Das Gesetz wurde etwa wĂ€hrend des Ersten und des Zweiten Weltkriegs angewandt, etwa zur Internierung von Deutschen oder Japanern.

Im Raum stand nun die Frage, ob dieses Gesetz außerhalb eines erklĂ€rten Krieges oder gegen andere Parteien als eine Nation angewendet werden kann. Trumps Regierung wandte sich nach der Niederlage vor einem Gericht in der US-Hauptstadt Washington an den Supreme Court. Sie argumentierte unter anderem, dass die Entscheidung dieses Gerichts die FĂ€higkeit der US-Regierung, Außenpolitik zu betreiben, gefĂ€hrde. Außerdem werde dadurch die Abschiebung gefĂ€hrlicher Gangmitglieder verhindert. 

Nicht die erste Schlappe

Es ist nicht das erste Mal, dass die Richterinnen und Richter des Obersten Gerichts rechtlich Stellung zu Trumps Politik beziehen - in der Regel ging es dabei aber eher um technische Fragen. Anfang MĂ€rz etwa fuhr der Republikaner im Streit ĂŒber eingefrorene Milliardensummen fĂŒr Entwicklungshilfeprojekte eine vorlĂ€ufige Niederlage ein. In seiner ersten Amtszeit hatte Trump die Mehrheit am Supreme Court mit mehreren Nachbesetzungen weit nach rechts verschoben.

@ dpa.de