Migration: EU stellt Tunesien Millionen in Aussicht
11.06.2023 - 13:41:35Die EU-Kommission hat dem wirtschaftlich schwer angeschlagenen Tunesien Finanzhilfen in Höhe von bis zu 900 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Unmittelbar könnten zusÀtzlich bis zu 150 Millionen Euro an Budgethilfen bereit gestellt werden, sagte EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen im Beisein von Italiens MinisterprÀsidentin Giorgia Meloni und dem niederlÀndischen Regierungschef Mark Rutte am Sonntag nach GesprÀchen in Tunis.
Sie berieten dort mit Tunesiens PrĂ€sident Kais Saied unter anderem ĂŒber irregulĂ€re Migration aus dem Mittelmeerland in die EU, die stark zugenommen hat. Saied war bei dem Statement der EU-Spitzenpolitiker nicht dabei.
Die EU-Kommission sei bereit, dem nordafrikanischen Land Finanzhilfen in Höhe von bis zu 900 Millionen Euro fĂŒr die StĂ€rkung der Wirtschaft bereitzustellen, sobald es dafĂŒr die «notwendige Einigung gebe», sagte von der Leyen.
Tunesischer PrÀsident lehnt Reformen ab
Tunesien steckt in seiner schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Die Bevölkerung kÀmpft mit steigenden Preisen und Knappheit bei Lebensmitteln sowie hoher Arbeitslosigkeit.
Bereits Anfang der Woche hatte Meloni den tunesischen PrĂ€sidenten besucht, um unter anderem ĂŒber Migration zu sprechen. In einem Interview am Freitagabend Ă€uĂerte sie die Hoffnung, dass man schon bei der Visite am Sonntag ein Hilfspaket aus der EU mitbringen könne.
DarĂŒber hinaus forderte sie Tunesien und den Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF) auf, pragmatischer an einer Lösung zu arbeiten, damit das Land in seiner tiefen Wirtschaftskrise einen Milliardenkredit bekommen kann. Dies sei «entscheidend, um das Land und dessen vollstĂ€ndige Erholung zu stĂ€rken», sagte Meloni.
Saied, der seit mehr als einem Jahr einen zunehmend autokratischen Kurs fĂ€hrt, lehnt vom IWF geforderten Reformen allerdings ab. Mit seinen «Anordnungen» verhalte sich der IWF wie ein «Arzt, der ein Rezept vor der Diagnose schreibt». Die «Befehle» des IWF könnten die Lage in Tunesien nach Worten Saieds «explodieren» lassen mit schweren Folgen fĂŒr die StabilitĂ€t des Landes und der Region.
Eine Rolle seines Landes als Grenzpolizei fĂŒr Europa schloss er aus. «Wir können keine Rolle erfĂŒllen, (...) in der wir ihre LĂ€nder bewachen», sagte Saied nach einem Besuch in der KĂŒstenstadt Sfax, von wo aus regelmĂ€Ăig Boote mit Migranten ablegen.
Fragen beim Umgang mit Migranten mĂŒssten auf humanitĂ€re Weise und im Kollektiv sowie im Einklang mit geltendem Recht gelöst werden, sagte Saied nach Angaben seines BĂŒros. Migranten seien «leider Opfer eines globalen Systems, das sie nicht als Menschen sondern als reine Zahlen behandelt».


