Israel bereitet Angriff auf Rafah vor
10.02.2024 - 05:35:04Rund vier Monate nach Beginn des Gaza-Kriegs will Israel offenbar auch den Ă€uĂersten SĂŒden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens unter Kontrolle bringen. MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu gab den Befehl aus, eine MilitĂ€roffensive auf die Stadt Rafah vorzubereiten. «Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben», teilte sein BĂŒro mit. Zuvor sollten allerdings die Zivilisten in der Stadt an der Grenze zu Ăgypten in Sicherheit gebracht werden.
Eine MilitÀroffensive in Rafah gilt als hochproblematisch. In dem Ort, der vor dem Krieg rund 300.000 Einwohner hatte, sollen sich derzeit 1,3 Millionen Menschen aufhalten. Die meisten von ihnen flohen vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens dorthin, zum Teil auf Anordnung des israelischen MilitÀrs.
Terroristen hatten am 7. Oktober im Auftrag der Hamas in Israel ein verheerendes Massaker vor allem an Zivilisten angerichtet. Seitdem fĂŒhrt Israel Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen. Die hohe Zahl ziviler Opfer im Gaza-Krieg und die desaströsen Lebensbedingungen der palĂ€stinensischen Zivilbevölkerung haben international scharfe Kritik am Vorgehen Israels ausgelöst.
UN warnen vor humanitÀrer Katastrophe
Angesichts der AngriffsplĂ€ne hat UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres vor einer humanitĂ€ren Katastrophe und Folgen fĂŒr die gesamte Region gewarnt. Die HĂ€lfte der Bevölkerung des Gazastreifens sei in Rafah zusammengepfercht und könne nirgendwo anders hin, schrieb er auf der Nachrichtenplattform X, vormals Twitter. Guterres' Sprecher StĂ©phane Dujarric fĂŒgte hinzu, man wolle keine Massenvertreibungen sehen. Auch die US-Regierung und die deutsche AuĂenministerin Annalena Baerbock hatten sich in den vergangenen Tagen deutlich gegen ein militĂ€risches Vorgehen in Rafah ausgesprochen.
Abbas zu möglicher Rafah-Offensive: Vorspiel zu Vertreibung
Der palĂ€stinensische PrĂ€sident Mahmud Abbas hat von Israel erwogene PlĂ€ne einer MilitĂ€roffensive in der Stadt Rafah im sĂŒdlichen Gazastreifen scharf verurteilt. Abbas erklĂ€rte, diese wĂŒrden ein «gefĂ€hrliches Vorspiel» zu einer Politik der Vertreibung darstellen, die von den PalĂ€stinensern befĂŒrchtet wird. Abbas warf Israel und dem VerbĂŒndeten USA eine «destruktive Politik» vor. Er rief den UN-Sicherheitsrat dazu auf, tĂ€tig zu werden. «Diese (von Israel erwogenen) Schritte gefĂ€hrden die Sicherheit und den Frieden in der Region, sie ĂŒberschreiten alle roten Linien», fĂŒgte er hinzu.
Scholz: Israels KriegfĂŒhrung muss Völkerrecht entsprechen
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Israel aufgefordert, bei seiner MilitĂ€roperation im Gazastreifen das Völkerrecht im Blick zu behalten. Auf eine Frage nach der vom israelischen MinisterprĂ€sidenten Netanjahu angeordneten Vorbereitung einer MilitĂ€roperation in der Stadt Rafah an der Grenze zu Ăgypten sagte er wĂ€hrend eines Besuchs in Washington: «Die Art der KriegfĂŒhrung muss den AnsprĂŒchen, die Israel an sich selber hat, aber die das Völkerrecht auch mit sich bringt, entsprechen.»
Medien: Israel beschieĂt Ziele nahe Damaskus
Die israelischen StreitkrÀfte haben laut Medienberichten Ziele in der NÀhe der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. Von den Golanhöhen aus habe das israelische MilitÀr das Umland von Damaskus unter Beschuss genommen, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur (Sana) unter Berufung auf eine MilitÀrquelle. Westlich der syrischen Hauptstadt seien heftige Explosionen zu hören gewesen.
Die syrische Flugabwehr habe einige der Raketen abgeschossen. Es sei lediglich Sachschaden entstanden, berichtete Sana weiter. Die in GroĂbritannien ansĂ€ssige syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte teilte mit, ein WohngebĂ€ude westlich der syrischen Hauptstadt sei getroffen worden. Dabei seien drei Menschen getötet worden. Am Freitagabend hatte die schiitische Hisbollah-Miliz einen Raketenangriff auf eine israelische Kaserne auf den Golanhöhen fĂŒr sich reklamiert.
Wieder Gefechte zwischen Israel und Hisbollah
Im israelisch-libanesischen Grenzgebiet haben sich die Schiitenmiliz Hisbollah und die israelischen StreitkrĂ€fte erneut Gefechte geliefert. Die Hisbollah schoss nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs mehrere Raketen auf den Norden Israels ab. Menschen seien dabei nicht verletzt worden. Als Antwort auf den Angriff bombardierten israelische Kampfjets eine MilitĂ€ranlage im sĂŒdlibanesischen Marun al-Ras, in der Hisbollah-MilizionĂ€re aktiv gewesen sein sollen, wie das israelische MilitĂ€r mitteilte. Kampfflugzeuge attackierten auĂerdem MilitĂ€rbasen in Johmor und Nakura. Auch mit der Artillerie griff Israel demnach Ziele jenseits der Grenze im SĂŒdlibanon an.
Miliz ruft zu Einheitsfront gegen US-Truppen im Irak auf
Nach der Tötung eines Kommandeurs einer proiranischen Miliz bei einem US-Drohnenangriff hat eine Rebellengruppe im Irak zur Bildung einer Einheitsfront im Kampf gegen die US-Truppen aufgerufen. Der Islamische Widerstand im Irak forderte in seiner ErklÀrung andere Gruppen dazu auf, sich an der Vertreibung der US-StreitkrÀfte zu beteiligen. Am Mittwoch war bei einem US-Drohnenangriff der Kommandeur der proiranischen Miliz Kataib Hisbollah, Abu Bakir al-Saadi, in Bagdad getötet worden. Damit hatten die Vereinigten Staaten auf einen Angriff in Jordanien nahe der syrischen Grenze reagiert, bei der Ende Januar drei US-Soldaten ums Leben kamen.
Was heute wichtig wird
Die israelischen StreitkrĂ€fte bereiten sich auf einen VorstoĂ auf Rafah vor. Sie sollen dort die letzten Einheiten der islamistischen Hamas vernichten. Angesichts der groĂen Zahl an FlĂŒchtlingen in der Stadt im Ă€uĂersten SĂŒden des Gazastreifens warnen Beobachter vor einer humanitĂ€ren Katastrophe.


