Augenzeugen: Israels Armee bombardiert Ziele in Rafah
10.02.2024 - 11:37:07Israels Armee hat Augenzeugen zufolge trotz internationaler Warnungen Ziele in der Stadt Rafah im SĂŒden des Gazastreifens angegriffen. Bei Angriffen aus der Luft auf zwei HĂ€user sollen mehr als 20 Menschen getötet worden sein, hieĂ es aus medizinischen Kreisen. Auch der BĂŒrgermeister der Stadt im SĂŒden des KĂŒstengebiets, Ahmed al-Sufi, bestĂ€tigte der Deutschen Presse-Agentur die Opferzahl.
Israelische Soldaten bombardierten auĂerdem ein Fahrzeug der Hamas und töteten dabei drei Personen, darunter den Chef des Polizeigeheimdienstes der Islamistenorganisation sowie dessen Stellvertreter, wie es am Samstag aus Polizeikreisen und von Augenzeugen hieĂ. Die Angaben lieĂen sich allesamt zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Israels MilitĂ€r Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht konkret. Die Armee halte sich bei ihren EinsĂ€tzen an das Völkerrecht und treffe Vorkehrungen, um den Schaden fĂŒr die Zivilbevölkerung gering zu halten, teilte sie auf Anfrage lediglich mit.
Augenzeugen: Bislang intensivste Angriffe auf Rafah
Es waren nicht die ersten Berichte ĂŒber Angriffe auf Ziele in der Stadt nahe der Grenze zu Ăgypten. In der vergangenen Wochen hatte das israelische MilitĂ€r dort Augenzeugen zufolge hĂ€ufiger Stellungen von Hamas-Mitgliedern attackiert. Den Angaben nach waren die Angriffe heute aber die bislang intensivsten. Rafah ist der einzige Ort im gesamten KĂŒstenstreifen, in dem die Hamas noch die Kontrolle ausĂŒbt.
Derzeit sind in der Stadt noch keine israelischen Bodentruppen im Einsatz. Rafahs BĂŒrgermeister Al-Sufi warnte vor einem VorstoĂ der Armee in den Ort. «Jeder MilitĂ€reinsatz in der Stadt, in der mehr als 1,4 Millionen PalĂ€stinenser leben, wird zu einem Massaker und einem Blutbad fĂŒhren.»
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte zuvor der Armee den Befehl erteilt, eine Offensive auf Rafah vorzubereiten. In der Stadt gebe es noch immer vier verbleibende Hamas-Bataillone. Demnach soll die MilitĂ€rfĂŒhrung die Evakuierung der Zivilisten in dem Ort planen.
Mehr als eine Million PalÀstinenser in Rafah
Eine MilitÀroffensive in Rafah gilt als hochproblematisch. In dem Ort, der vor dem Krieg rund 300.000 Einwohner hatte, sollen sich inzwischen weit mehr als eine Million PalÀstinenser aufhalten. Die meisten von ihnen flohen vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens dorthin, zum Teil auf Anordnung des israelischen MilitÀrs.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres hatte bereits zuvor vor einer humanitĂ€ren Katastrophe und Folgen fĂŒr die gesamte Region gewarnt. Die HĂ€lfte der Bevölkerung des Gazastreifens sei in Rafah zusammengepfercht und könne nirgendwo anders hin.
Auch AuĂenministerin Annalena Baebock warnte erneut eindringlich vor einer israelischen MilitĂ€roffensive im SĂŒden des Gazastreifens und kĂŒndigte zugleich eine weitere Reise nach Israel an. «Eine Offensive der israelischen Armee auf Rafah wĂ€re eine humanitĂ€re Katastrophe mit Ansage», schrieb die GrĂŒnen-Politikerin auf X (vormals Twitter). «Die Menschen in Gaza können sich nicht in Luft auflösen.» Baerbock verwies darauf, dass die Not in Rafah schon jetzt unfassbar sei und dort 1,3 Millionen Menschen auf engstem Raum Schutz vor den KĂ€mpfen im Gazastreifen suchten.
Saudi-Arabien warnte Israel entschieden vor einem MilitĂ€reinsatz. Das Königreich wies auf die schwerwiegenden Folgen einer MilitĂ€raktion in Rafah hin und betonte seine kategorische Ablehnung der Zwangsumsiedlung von Hunderttausenden Zivilisten, wie aus einer ErklĂ€rung des AuĂenministeriums hervorging. Riad forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, um «Israel daran zu hindern, eine drohende humanitĂ€re Katastrophe zu verursachen».
Netanjahu geht einem israelischen Medienbericht zufolge davon aus, dass Israel aufgrund des internationalen Drucks nur rund einen Monat Zeit fĂŒr eine Offensive in Rafah hĂ€tte. Der Einsatz muss demnach bis zum 10. MĂ€rz abgeschlossen sein. An dem Tag beginnt fĂŒr Muslime weltweit der Fastenmonat Ramadan.
Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober im SĂŒden Israels verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive.
Medien: Israel beschieĂt Ziele nahe Damaskus
Die israelischen StreitkrÀfte griffen laut Medienberichten auch Ziele in der NÀhe der syrischen Hauptstadt Damaskus an. Von den Golanhöhen aus habe das israelische MilitÀr das Umland von Damaskus unter Beschuss genommen, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur (Sana) unter Berufung auf eine MilitÀrquelle. Westlich der syrischen Hauptstadt seien heftige Explosionen zu hören gewesen.
Die syrische Flugabwehr habe einige der Raketen abgeschossen. Es sei lediglich Sachschaden entstanden, berichtete Sana weiter. Die in GroĂbritannien ansĂ€ssige syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte teilte mit, ein WohngebĂ€ude westlich der syrischen Hauptstadt sei getroffen worden. Dabei seien drei Menschen getötet worden. Am Freitagabend hatte die schiitische Hisbollah-Miliz einen Raketenangriff auf eine israelische Kaserne auf den Golanhöhen fĂŒr sich reklamiert.
UN zu Gaza-Krieg: Israel verweigert Hilfslieferungen
Im Gazastreifen gelingt es den Vereinten Nationen und anderen humanitĂ€ren Organisationen nach eigenen Angaben nicht, die Menschen in Not ausreichend zu versorgen - auch wegen Behinderungen durch das israelische MilitĂ€r. Seit Januar hĂ€tten israelische Behörden 39 von 76 geplanten Konvois in den Norden und Delegationsbesuche zur AbklĂ€rung der dortigen BedĂŒrfnisse verweigert, berichtete das UN-NothilfebĂŒro OCHA. 16 weitere seien behindert worden, zwei seien nur teilweise genehmigt worden. Nur zwölf Konvois oder Delegationsbesuche zur AbklĂ€rung der BedĂŒrfnisse hĂ€tten wie geplant durchgefĂŒhrt werden können, neun hĂ€tten von den Hilfsorganisationen selbst verschoben werden mĂŒssen.
Auch HilfseinsĂ€tze im SĂŒden mĂŒssen je nach Sicherheitslage teilweise mit dem israelischen MilitĂ€r abgesprochen werden. 172 solcher Missionen seien seit Anfang Januar geplant gewesen, davon seien 41 verweigert worden. Im SĂŒden sind demnach auch Lieferungen ohne Absprachen mit dem israelischen MilitĂ€r möglich, die in dieser Statistik nicht aufgefĂŒhrt sind.
Israel:Â Hamas-Tunnel unter UNRWA-Zentrale
Das israelische MilitÀr hat nach eigenen Angaben einen Tunnel der Hamas-Miliz entdeckt, der unter dem Hauptquartier des UN-PalÀstinenserhilfswerks UNRWA in der Stadt Gaza verlaufen soll. Der unterirdische Gang sei 700 Meter lang, liege in 18 Metern Tiefe und habe als wichtige Einrichtung des MilitÀrgeheimdienstes der Hamas gedient, teilte das MilitÀr mit.
In dem - von der UNRWA in der Anfangsphase des Krieges verlassenen - Hauptquartier der UN-Organisation will das MilitĂ€r in den vergangenen zwei Wochen zudem groĂe Mengen von Waffen und Sprengstoff gefunden haben. Weiters wĂŒrden Indizien darauf hindeuten, dass BĂŒros und RĂ€umlichkeiten der UNRWA-Zentrale von Hamas-Terroristen genutzt worden seien. Es gab keine Angaben dazu, wann genau diese Nutzung erfolgt sei, ob vor oder nach Kriegsbeginn. Die Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.Â
UNRWA-Chef Philippe Lazzarini erklĂ€rte zu den Berichten ĂŒber die Entdeckung des Tunnels unter der Zentrale seiner Organisation in Gaza, dass das Hilfswerk keine Kenntnis davon hatte.
Hamas-Behörde: Zahl der Gaza-Toten steigt auf ĂŒber 28.000
Die Zahl der im Gazastreifen getöteten PalĂ€stinenser ist seit Kriegsbeginn nach palĂ€stinensischen Angaben auf ĂŒber 28.000 gestiegen. In den vergangenen 24 Stunden kamen infolge israelischer Angriffe 117 Menschen ums Leben, wie die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde mitteilte. Damit stieg die Zahl der Getöteten seit Kriegsbeginn auf 28.064. Weiterhin wurden den Angaben zufolge im Gaza-Krieg 67.611 Menschen verwundet, 152 von ihnen in den vorangegangenen 24 Stunden







