Ukraine-Hilfe: Merz warnt vor russischem Angriff auf Deutschland
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 17:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundeskanzler Friedrich Merz hat bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO in Münster vor einem Nachlassen der deutschen Unterstützung für die Ukraine gewarnt.
Merz warnt vor Folgen eines russischen Sieges
„Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine“, sagte Merz in seiner außenpolitischen Grundsatzrede. Deutschland sei inzwischen finanziell und militärisch der wichtigste Unterstützer der Ukraine, zugleich wachse der Widerstand gegen die Milliardenhilfen.
Nach den Worten des Kanzlers könnte ein Scheitern der Ukraine zu einem von Moskau diktierten Frieden führen. Er warnte vor einer Destabilisierung des ukrainischen Staates und neuer Massenmigration in Richtung Westen.
Angriff auf Deutschland und die NATO
Merz sagte, wenn es nicht gelinge, Moskau Einhalt zu gebieten, werde sich die russische Kriegsmaschinerie früher oder später gegen Deutschland und die NATO richten. Die Ukraine-Hilfe sei kein Selbstzweck, sondern diene vor allem der Freiheit und Sicherheit der Menschen in Deutschland.
Mit Blick auf die AfD sprach der Kanzler von „Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner“. Deutschland werde sich nicht spalten lassen, räumte aber ein, dass dies in einer von Polarisierung, Streit und Wut geprägten Öffentlichkeit schwieriger werde.
Warnung vor hybriden Angriffen
Merz kündigte an, Deutschland werde sich auch durch zunehmende hybride Angriffe nicht von der Unterstützung der Ukraine abbringen lassen. Als Beispiel nannte er den Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen im Sommer. Diese Eskalation sei Ausdruck einer wachsenden russischen Ratlosigkeit angesichts erfolgloser Kriegsführung in der Ukraine.
Auf das Gespräch von Außenminister Johann Wadephul mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York ging Merz nur kurz ein. Diplomatische Bemühungen in Moskau stießen auf taube Ohren; Russland verstehe nur die „Sprache der Stärke“ und müsse auf diesem Weg an den Verhandlungstisch gebracht werden.
NATO für Beitrag zur Friedensordnung geehrt
Die NATO wurde in Anwesenheit von Generalsekretär Mark Rutte für ihren Beitrag zur europäischen Friedensordnung ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe verliehen und erinnert an den Westfälischen Frieden von 1648.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst würdigte Merz für seine Rolle in der NATO und sein Bekenntnis zum Fünf-Prozent-Ziel. Die NATO-Staaten hatten sich 2025 darauf verständigt, spätestens ab 2035 jährlich fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung und Sicherheit aufzuwenden.
Signal gegen nachlassende Unterstützung
Merz’ Rede verbindet die weitere Unterstützung der Ukraine unmittelbar mit der Sicherheit Deutschlands und Europas. Damit stellt der Kanzler die Debatte über Waffen- und Finanzhilfen in einen strategischen Zusammenhang: Die Hilfe soll nicht allein der Ukraine dienen, sondern zugleich verhindern, dass Russland seine militärischen Ziele auf weitere Staaten ausweitet.
Diese Argumentation fällt in eine Phase, in der die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik grundsätzlich neu ausgerichtet wird. Die NATO-Staaten haben 2025 in Den Haag vereinbart, ihre Ausgaben für Verteidigung und sicherheitsrelevante Infrastruktur bis spätestens 2035 auf insgesamt fünf Prozent der Wirtschaftsleistung zu steigern. Deutschland will dieses Ziel bereits 2029 erreichen. Die Ukraine-Unterstützung steht damit neben dem Ausbau eigener militärischer Fähigkeiten und einer stärkeren europäischen Verantwortung.
Innenpolitische Auseinandersetzung
Der Kanzler richtet seine Botschaft zugleich an die deutsche Innenpolitik. Die AfD nutzt die Kritik an den Milliardenhilfen als Wahlkampfthema; Merz versucht, einer wachsenden Polarisierung mit dem Hinweis auf die Folgen eines russischen Sieges entgegenzutreten. Seine Warnung vor einem „diktierten Frieden“ verknüpft Fragen von Migration, staatlicher Stabilität und äußerer Sicherheit.
In Münster wird diese sicherheitspolitische Linie durch die Auszeichnung der NATO symbolisch verstärkt. Zugleich gibt es Proteste gegen das Bündnis als Friedenspreisträger. Für die Bevölkerung hat die Debatte konkrete Folgen: Sie betrifft den Bundeshaushalt, die Prioritäten bei Verteidigung und Infrastruktur sowie die Einschätzung möglicher hybrider Angriffe.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: „Nato bekommt Westfälischen Friedenspreis in Münster - Alle Infos im Liveticker“ (01.10.2026)
Der Liveticker bestätige die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO in Münster und begleite den Besuch von Merz und Rutte. Anders als die dpa-Meldung lege der Bericht einen Schwerpunkt auf die Proteste sowie auf die kontroverse Frage, ob ein Militärbündnis als Friedenspreisträger glaubwürdig sei.
DER SPIEGEL: „Nato: Militärbündnis erhält Westfälischen Friedenspreis in Münster“ (30.09.2026)
Der Bericht habe die bevorstehende Auszeichnung der NATO, Merz’ Laudatio und Ruttes Entgegennahme des Preises angekündigt. Zusätzlich hebe er die Dotierung von 100.000 Euro, die historische Bedeutung des Westfälischen Friedens und den Jugendpreis für die Initiative socioMovens hervor; die aktuelle Rede des Kanzlers und ihre politische Auseinandersetzung stünden dort noch nicht im Mittelpunkt.
Beide Berichte bestätigten den Anlass und den Ort der Veranstaltung. Der WDR stelle die öffentliche Kontroverse heraus, während der SPIEGEL stärker die Preisvergabe und ihren historischen Rahmen einordne.
