Ukraine-Krieg, Energie-Waffenruhe

Ukraine-Krieg: Trump verkündet Waffenruhe für Energieanlagen

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 20:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

US-Präsident Donald Trump erklärt den gegenseitigen Verzicht auf Angriffe gegen Energieziele für wirksam. Wolodymyr Selenskyj signalisiert Bereitschaft, verlangt aber eine Zustimmung Russlands und eine konkrete Vereinbarung.

Nach seinen Worten sollen die Angriffe auf Energieanlagen aufhören: US-Präsident Trump. - Bild: Alex Brandon/AP/dpa
Nach seinen Worten sollen die Angriffe auf Energieanlagen aufhören: US-Präsident Trump. - Bild: Alex Brandon/AP/dpa

Russland und Ukraine sollen Energieziele schonen

  • Donald Trump schrieb am Sonntag auf Truth Social, beide Kriegsparteien hätten der teilweisen Waffenruhe mit sofortiger Wirkung zugestimmt.
  • Selenskyj sagte, die Ukraine sei zu einem Stopp der Angriffe bereit und erwarte nun eine Zustimmung Russlands.
  • Nach Selenskyjs Angaben beschädigte ein russischer Angriff ein Heizkraftwerk in Charkiw.

US-Präsident Donald Trump hat nach eigenen Angaben eine sofortige teilweise Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen zwischen Russland und der Ukraine verkündet.

Selenskyj war von Erklärung überrascht

Trump schrieb auf seiner Plattform Truth Social, beide Seiten hätten dem Verzicht auf Angriffe im Energiesektor zugestimmt, und forderte sie auf, sich daran zu halten. Eine ähnliche Ankündigung hatte er bereits Mitte September gemacht; danach setzten beide Seiten ihre Angriffe fort.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Ukraine sei zu einer Waffenruhe im Energiebereich bereit. Er erwarte nun Russlands Zustimmung sowie eine entsprechende Vereinbarung mit Trump.

Heizkraftwerk in Charkiw beschädigt

In einer ersten Reaktion hatte sich Selenskyj gegenüber dem US-Portal Axios überrascht gezeigt. Eine Vereinbarung sei ihm neu gewesen.

Nach seinen Worten griff das russische Militär am Sonntag ein Heizkraftwerk in Charkiw an und beschädigte es. Selenskyj ließ offen, ob der Angriff vor oder nach Trumps Ankündigung erfolgte.

Europäische Partner unterstützen den Vorstoß

Selenskyj sprach nach eigenen Angaben mit Kanadas Premierminister Mark Carney, Finnlands Präsident Alexander Stubb und Nato-Generalsekretär Mark Rutte über den Vorstoß.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte nach einem Telefonat mit Selenskyj, sein Land unterstütze ohne Vorbehalte eine Waffenruhe für Energieanlagen. Er warf Russland zugleich vor, seine Angriffe auf ukrainische Infrastruktur zuletzt verstärkt zu haben.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekundete ihre Solidarität mit der Ukraine und unterstützte den Ruf nach einem Waffenstillstand zum Schutz der Energieinfrastruktur und der weltweiten Lebensmittelversorgung.

Streit über Selenskyjs politische Zukunft

Am Vortag hatte Trump die Ablösung Selenskyjs gefordert und ihm unter anderem eine Weigerung vorgeworfen, ein Friedensabkommen mit Russland zu schließen. Selenskyj schlug daraufhin vor, Trump solle zunächst eine 60-tägige vollständige Feuerpause erreichen, damit die Ukraine Neuwahlen organisieren könne.

Selenskyjs reguläre Amtszeit endete am 20. Mai 2024. Wegen des Kriegsrechts sind Wahlen nach ukrainischer Verfassung derzeit nicht möglich; zudem verweist Selenskyj auf die Beteiligung der Ukrainer in den besetzten Gebieten.

Selenskyj nennt Angriffe auf Energieanlagen

Selenskyj sagte, Russland habe in der laufenden Woche 200 Energieanlagen angegriffen. Außerdem seien 153 Zivilisten getötet und rund 700 Menschen verletzt worden.

Trump wirft Selenskyj vor, mit Angriffen auf russische Raffinerien zur weltweiten Dieselknappheit beizutragen, und fordert deren Einstellung. Zuvor hatte Selenskyj einen zwischen den USA und Russland vereinbarten Abbau von Sanktionen für russische Diesel-Lieferungen als Unterstützung der russischen Kriegswirtschaft kritisiert.

Eine Waffenruhe mit begrenztem Umfang

Der Vorstoß zielt nicht auf ein Ende der Kämpfe, sondern auf den Schutz von Energieanlagen. Das ist für die Ukraine besonders relevant, weil Angriffe auf Kraftwerke, Heizwerke und Netze die Versorgung der Bevölkerung unmittelbar gefährden. Zugleich betrifft die Vereinbarung auch russische Energieziele und damit einen Bereich, in dem die Ukraine zuletzt selbst militärischen Druck ausgeübt hat.

Politisch entscheidend ist deshalb die Frage der Gegenseitigkeit. Selenskyj erklärt die Ukraine zur Teilnahme bereit, verlangt aber eine Zustimmung Moskaus und eine konkrete Vereinbarung. Die wiederholten Angriffe trotz früherer Ankündigungen zeigen, dass eine öffentliche Erklärung allein keine belastbare Kontrolle ersetzt. Für die praktische Umsetzung wären klare Regeln, ein Beginn-Zeitpunkt und Verfahren zur Zuordnung möglicher Verstöße nötig.

Europas Unterstützung und die nächste Bewährungsprobe

Die Unterstützung europäischer Regierungen für den Schutz der Energieinfrastruktur stärkt Selenskyjs Position gegenüber Washington. Gleichzeitig bleiben die europäischen Reaktionen angesichts der fortgesetzten russischen Angriffe zurückhaltend. Für die ukrainische Bevölkerung entscheidet sich die Bedeutung des Vorstoßes nicht an politischen Erklärungen, sondern daran, ob Strom- und Wärmeversorgung tatsächlich sicherer werden.

Die Debatte fällt zudem in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Trump und Selenskyj. Trumps Forderung nach einem Führungswechsel in Kiew und seine Kritik an ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien verknüpfen die Energiefrage mit der politischen Zukunft der Ukraine. Eine begrenzte Waffenruhe könnte daher kurzfristig humanitäre Folgen mindern, zugleich aber neue Auseinandersetzungen über Bedingungen, Verantwortlichkeiten und den Verhandlungsdruck auf beide Kriegsparteien auslösen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „Ukraine-Krieg im Liveticker +++ 16:38 Trump behauptet, Kiew und Moskau stimmen "Energie-Waffenruhe" zu - keine Bestätigung +++“ (11.10.2026)

Der Liveticker berichte, Trump habe die Waffenruhe mit sofortiger Wirkung verkündet, zugleich hätten weder Kiew noch Moskau sie bestätigt. Anders als die dpa-Meldung hebe der Bericht damit besonders den fehlenden Bestätigungsstand und Selenskyjs Forderung nach Gegenseitigkeit hervor.

Deutschlandfunk: „Russlands Krieg gegen die Ukraine Selenskyj wehrt sich gegen Trumps Schuldzuweisung“ (11.10.2026)

Der Deutschlandfunk fasse zusammen, Selenskyj weise Trumps Vorwurf mangelnder Friedensbereitschaft zurück, während Trump erneut eine Waffenruhe im Energiesektor verkünde. Übereinstimmend bleibe offen, ob Russland die Erklärung tatsächlich mittrage.

Beide Beiträge stellten die Ankündigung Trumps und Selenskyjs Bereitschaft zur Deeskalation heraus. Als entscheidender Unterschied erscheine die Bewertung des Status: Während Trump von einer geltenden Vereinbarung spreche, betonten die Berichte die ausstehende Bestätigung durch die Kriegsparteien.

Disclaimer...

de | ausland | 70293787 |